Home Gesellschaft Ich war ein US-Demokrat, habe aber Trump gewählt – Gastbeitrag

Ich war ein US-Demokrat, habe aber Trump gewählt – Gastbeitrag

Ich war ein US-Demokrat, habe aber Trump gewählt – Gastbeitrag

Gastbeitrag von “Mitch”,  Ende 40, studierte Germanistik in Heidelberg und Public Affairs in Columbia. Wohnhaft in Washington (Bundesstaat)

 

Guten Tag Deutschland, mein Name ist Mitchell. Ich bin Amerikaner, lese aber gern in den deutschen Presseerzeugnissen. Immer wieder ist mir aufgefallen, dass es kein einziges Blatt gibt, das Donald Trump verteidigt oder auch nur den Versuch unternimmt neutral über ihn zu berichten. Er wird hier mehr dämonisiert als von Vox (USA-Blatt der Linken) und der NYT. Diese Abneigung gegenüber einem «strong man» ist vermutlich der deutschen Geschichte geschuldet. Im Gespräch mit meinen deutschen Freunden höre ich sehr viele abfällige Bemerkungen über die «dummen Amerikaner» und sie seien selbst Schuld, dass sie Trump gewählt hätten. In Europa sei man viel aufgeklärter, weil man die EU hat und parlamentarische Demokratie. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mich diese Arroganz sehr stört, weil sie mich an mein früheres Ich erinnert. Ich war selbst ein US-Demokrat, registriert und habe mich 2001 und 2002 gegen George Bush und den Einfluss der radikalen Angelikalen gewandt, gegen die Kriegspolitik. Ich bin selbst Atheist und halte mich für einen moderaten Liberalen, bin sehr gegen Rassismus und habe auch nichts gegen eine gesetzliche Krankenversorgung. Obama habe ich bei seiner ersten Kandidatur noch unterstützt, schwang danach in Richtung der Libertären und bin heute ein bekennender, wenngleich vorsichtiger Unterstützer von Trump.  Meine Geschichte wird bei uns von vielen aus meinem Umkreis wiederholt, sehr viele Menschen haben sich in den letzten fünf oder zehn Jahren von den US-Demokraten abgewandt. Vor allem in den sogenannten «Swing-States» und im mittleren Westen.

Aber ich möchte heute versuchen Ihnen zu erklären, warum sich viele Menschen von den US-Demokraten ab und Trump zugewandt haben. Um das zu verstehen, müssen wir uns mit der liberalen Linken und den autoritären Linken in den USA beschäftigen, die um die Jahrtausendwende miteinander verschmolzen sind. Als ich in Deutschland zu dieser Zeit studierte und mich viel über die sozialdemokratische Politik und soziale Marktwirtschaft informierte, verglich ich diese Dinge mit den USA – sie waren dort damals noch undenkbar, eine Forderung der Linken innerhalb der Demokraten. Die US-Demokraten standen um 2000 deutlich weiter rechts, als sie das heute tun. Sie waren Zentristen und vereinten das bürgerliche, linke Lager mit dem eher konservativen Arbeiterlager. Am linken Rand jedoch hatten sich Studentenorganisationen und Bünde gesammelt, die sozialistische und offen kommunistische Ideen vertraten, viele von diesen maskiert als sogenannte «Identity-Politics» ( die Politisierung von rassischen und kulturellen Identitäten). Schon damals war für mich offenkundig, dass diese Linksextremisten eigentlich der Idee der USA als Schmelztiegel der Nationen widersprachen und eine unendlich geteilte und in viele Teilstücke zerkleinerte Mosaik-Nation wollten, wo jede noch so kleine Interessengruppe gegeneinander ausgespielt wird und Krieg führen muss. Das Gegenteil eines sozialen Staates. Waren diese Leute damals noch der «radical fringe» ( radikaler Rand ), dann sind sie heute die Lenker der US-Demokraten. Die Linken in den USA sind immer weiter nach links gerückt, haben das bürgerliche und proletarische Lager verlassen, während die Trumpisten und Republikaner den Platz eingenommen haben, den die Linken räumten.

In Amerika gab es einen gewaltigen «cultural shift» innerhalb der Politik, wie es in der Sozialwissenschaft längst erkannt wird. Donald Trump ist nicht der Verursacher der Spaltung der USA, sondern nur ein Symptom. Er konnte nur gewählt werden, weil die Gesellschaft schon gespalten war.

Im Jahr 2011 habe ich mit zunehmender Eindringlichkeit bemerkt, dass sich unsere Partei völlig von den einfachen Leuten entfremdet hat. Mein Sohn, wohnhaft im mittleren Westen, wurde arbeitslos, gleichzeitig gingen die Ausgaben im öffentlichen Sektor in seinem Ort hoch. Projekte für Inklusion, alternative Kunst, Kulturzentren und Rap-Schulungen standen auf der Agenda der neuen Generation von US-Demokraten, die ab 2005 und fortführend langsam in die Ämter gewählt wurden. Sie machten eine offensive Kulturpolitik, ignorierten die Stammwähler aus dem «Rust Belt» und begannen damit die USA umzubauen. Das war die Zeit, wo sich langsam der Begriff von der «loony left», also der verrückten Linken, bei uns etablierte. Es ist keine Übertreibung. Ich selbst habe Veranstaltungen der US-Demokraten besucht, wo Bewerberinnen um ein politisches Amt mit ihrem Menstruationsblut in einem durchsichtigen Plastikbecher an das Rednerpult traten. Dies ist so geschehen in Washington um das Jahr 2010. Andere bekannten sich offen zu Stalin oder Trotzki, riefen einen beinahe heiligen Rassenkampf aus, einen Kampf der Identitäten in den USA. Die Rhetorik unterschied sich nicht von der Alt-Right. Die radikalen Linke und die radikalen Rechten sind sich immer ähnlicher geworden.  Dass Trump in Deutschland mehrheitlich als Vertreter der radikalen Rechten betrachtet wird, ist eine Wahrnehmungsstörung der voreingenommenen Journalisten in Europa und hat wenig mit der Realität zu tun.  Und als Hillary Clinton als Kandidatin der Demokraten aufgestellt wurde, fiel der letzte Groschen und ich entschied mich die Partei zu verlassen. Brandon Straka von der Bewegung «WalkAway!» hat eine fast gleiche Geschichte zu erzählen. Sehr viele ehemalige Parteifreunde haben den Demokraten damals den Rücken gekehrt, weil wir in Hillary Clinton eine Fortführung der neokonservativen Agenda gesehen haben – sie war Teil des Problems und nicht die Lösung. Sie hatte keinerlei Bezug zu der Mitte der Gesellschaft, sprach für eine kleine Elite an der Ostküste und in Kalifornien. Sie war das Sprachrohr einer «unhinged left» (verrückten Linken) geworden, die vor allem mit Häme und Bosheit Politik machte. Die Probleme der normalen Amerikaner waren für sie nicht von Belang. Sie wurden immer autoritärer und diktatorischer gegen abweichende Meinungen innerhalb ihrer eigenen Partei. Kurz gesagt, haben die Linksextremen die demokratische Partei übernommen.

Als ich 2016 auf die ersten Trump-Wahlveranstaltungen ging, gab es keine monströse Rhetorik von Rassenkampf, sondern das alte «E pluribus unum»!

Trump ist ein Populist und ein «Showman».  Aber er spricht zu den Herzen der Menschen und ich habe meine Stimme für ihn noch nicht (sehr) bereut. Mein Sohn steht wieder in Lohn und Brot, Trump hat sein Wort gehalten und wenn ich durch die Städte westlich von hier fahre, dann sieht man, dass es aufwärts geht. Innerhalb der US-Republikaner und bei den Trumpisten habe ich persönlich keinen Rassismus erlebt. Im Gegenteil lebt und atmet dort die Idee der «einen Nationen unter Gott». Ich bin weder christlich noch gläubig, muss aber zugeben, dass die US-Patrioten und alle, die die USA noch lieben, nur bei den Trumpisten oder den Unabhängigen eine Heimat haben. Unser Patriotismus ist ander als in Europa, weil er keinen ethnischen Bezug hat. Er steht über den Nationen, das Einwanderungsland ist bei uns Selbstverständnis. Das funktioniert bei den Trump-Wählern und die Medienkampagne, um alle Trumpisten zu als Fremdenfeinde zu diffamieren, scheitert an der Realität. Ich arbeite in einer großen Börsenfirma, wo sehr viele Nationalitäten ihren Job verrichten. Thailändische, indische und indonesische Muslime sind ebenfalls dabei. Von einem «Muslim-Bann» waren sie nie betroffen, weil es ihn nicht gab. Das war nur eine von vielen Lügen, die von CNN und Co. verbreitet wurden, als Trump ein Einreiseerschwersnis für Bürger aus Ländern wieder aktivierte, aus denen erhöhte Terrorgefahr droht. Etwas, was Obama ebenfalls getan hat.

Jedoch gibt es bei den US-Demokraten keinerlei Würde und Ehre mehr. Das ist meine Ansicht und ich habe Trump gewählt, um diesen Verrückten einen Denkzettel zu verpassen. Wenn Trump Kurs hält und sich nicht von den Mächtigen in Washington vereinnahmen lässt, sondern weiter Politik für die Mitte der Gesellschaft macht und sich keinem linken oder rechten Rand zuwendet, dann werde ich ihn wieder wählen.

 

 

Foto: Master Sgt. Michel Sauret


 

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