Home Geschichte Babyboom und Rittergeschichten in Polen – ein Besuch bei der Marienburg

Babyboom und Rittergeschichten in Polen – ein Besuch bei der Marienburg

Babyboom und Rittergeschichten in Polen – ein Besuch bei der Marienburg

Mein Reisebericht von der Marienburg im heutigen Polen. Ursprünglich wollte ich einen rein geschichtlichen Aufsatz dazu bringen, habe mich aber nach den Erlebnissen dort für einen anderen Weg entschieden und möchte euch vom Zeitgeist der polnischen Nation erzählen, der dort überdeutlich spürbar war. Das Volk der Polen ist quicklebendig und patriotisch.

Reise in ein Europa, wie es mal war und wieder sein könnte



Kurz nachdem bevor wir die Bundesrepublik verließen, tankten wir vor der Grenze  und wurden sogleich von einem Aufkleber begrüßt, der prominent an einem Straßenschild klebte und verkündete: «stop islamizacji Europy!»

Die Fahrt dauerte mehrere Stunden, war aber ausgesprochen ruhig und wir erreichten Marienburg (auf polnisch Malbork) gegen Mittag. Nach kurzer Verschnaufpause im Hotel  und einem Besuch bei der Marienburg, auf die ich im folgenden Absatz näher eingehen werde, war klar, dass wir Westeuropa verlassen hatten. Zunächst fiel mir als Berliner auf, dass die Straßen angenehm sauber waren, was ja der Kleinstadt an sich geschuldet sein könnte. Aber schnell stellten wir fest, dass es noch andere Dinge gab, die gänzlich anders waren. Schon beim Spaziergang über den zentralen Platz, wo eine Statue eines polnischen Königs der Piasten steht, fiel mir eine Ausstellung ins Auge, die es so in Deutschland niemals geben würde. Denn Kinder hatten dort auf vier Wänden ihre Zeichnungen von polnischen Nationalfiguren angebracht oder anbringen lassen. Wir begutachteten die Bilder von polnischen Soldaten aller Kriege, vom Husaren, der gegen die Türken ins Feld zog bis hin zum Widerstandskämpfer in Warschau. Ritter und Soldaten, Waffen und Generäle – alles Dinge, die in Deutschland nur dafür sorgen würden, dass eine Elternkonferenz einberufen werden würde, wenn die Kinder in der Schule solche Dinge malen.  Die polnischer Kinder bekommen ihre Nationalgeschichte und Kultur vermittelt, schämen sich ihrer auch nicht und gehen weniger verkrampft mit den Verteidigern ihrer Nation um. Hätte ich als Kind einen Weltkriegssoldaten gemalt, egal ob Erster oder Zweiter, wäre mir das Mediationsgespräch mit den Lehrern und dem Direktor sicher gewesen.

 

Józef Piłsudski war prominent vertreten auf vielen Bildern
Zentraler Platz am Folgetag in Marienburg

Der patriotische Zeitgeist war spürbar

Obwohl sich am späten Nachmittag gut und gerne 300 Menschen auf diesem Platz versammelten, fühlten wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher. Ganz und gar heiter war die Stimmung. Selbst als eine Polizeistreife im Wagen anhielt und die Beine nach draußen legte, veränderte sich nichts. Nur Kinder und Mütter versammelten sich um die Polizisten herum, die sich ausgelassen mit den Bürgern unterhielten, sogar ein Mädchen auf den Schoß nahmen und scheinbar mit der Funkanlage herumspielten. Ähnliches erscheint in Deutschland am Berliner Hbf beinahe unmöglich, wenn die Polizisten der Bundespolizei mit Maschinenpistolen und Schutzwesten wie die Myrmidonen durch den Bahnhof marschieren. Kinderfreundliche Polizei, dein Freund und Helfer? In Polen eher als in Deutschland.

Am Abend stieg ein junger Mann noch vor uns aus dem Bus aus, der ein rotes Barett auf dem Militärrucksack geschnallt hatte und sich scheinbar auf dem Weg nach Hause befand und direkt aus der Kaserne kam. Ein älterer Mann mit Stock winkte dem Burschen ganz herzlich zu und lachte, seine Frau ging eingehakt an seiner Seite. Den Kindern viel sofort auf, dass ein Soldat gerade ausgestiegen war. Sie zeigten auf ihn und winkten und der junge Soldat winkte zurück.

Zum Kontrast: In Berlin wurde ich in Uniform bisher angerempelt, angespuckt, beleidigt und im besten Fall schief angeschaut.

 

 

 

Polen erlebt einen kleinen Babyboom – die Regierung fördert junge Familien

Es könnte dem Ort an sich geschuldet sein, der viele inländische Touristen anzieht. Aber auch in Breslau und Warschau fiel mir schon auf, wie viele junge Familien mit Kindern auf den Straßen unterwegs sind. Aber die offiziellen Zahlen dazu geben dieser Beobachtung Recht – es werden mehr Kinder in Polen geboren. 369.000 in 2015 und zuletzt 410.000 in 2017, seit die konservative Regierung Familien verstärkt fördert. Eine andere Politik ist möglich. Das muss man sich ins Gedächtnis rufen und immer wieder vor Augen halten. Das von Angela Merkel fabrizierte Werk ist nicht alternativlos und die Zukunft Deutschlands könnte eine gänzlich andere sein, wenn die Politik nur will.

 

Überall wohin wir nur blickten, waren Kinder am spielen in den herrlichen und prachtvollen Gemäuern der Marienburg, die sich in all ihrer Größe vor uns erstreckte. Es wurde Brot in mittelalterlichen Küchen gebacken, Musikanten und Theaterspieler standen an jeder Ecke und Militaria aus allen Epochen wurden zum Verkauf angeboten. Kostümierte Hofdamen, Deutschritter und Jungs und Mädchen im Alter von 0-18 spielten mit Holzschwertern geflügelter Husar und Teutone.  Der Duft von gebratenem Fleisch, Honigmet und Bier drang aus allen Ritzen des Gemäuers und der kleinen Marktstraße davor.

 

Ansicht Eingang
Ob polnisches Wappen oder Deutschritter – für wenig Geld konnte man sich alles mitnehmen. Auch Holzschnitzereien mit heidnischen Symbolen oder Bibeln in Lederverbund

 

Eine Prozession zieht in die Burg ein

 

Comics über die Deutschritter

An einem Comic-Stand blieb ich eine Weile stehen. Denn die Geschichten, die dort in Form von Comics erzählt wurden (derlei gibt es meines Wissens in Deutschland nicht oder es ist zumindest nicht verbreitet), waren die von polnischen Rittern und deutschen Ordensbrüdern. Überhaupt herrscht zumindest hier ein gänzlich unverkrampftes Verhältnis zur gemeinsamen, europäischen, polnisch-deutschen Geschichte, auf der man gerade wandelte. Die Führung durch die Burg machte keine Anstalten alles in ein besonders polnisch oder deutsches Licht zu tauchen, sondern ging auf die lange Historie der Anlage ausführlich und angemessen ein, betonte Gemeinsamkeit und die kulturelle Nähe.  Revanchismus gab es hier zumindest von offizieller Seite her nicht. Und auch im Gespräch auf Englisch mit den jungen Polen gab es keine feindlichen Reaktionen, wenn ich erzählte, dass wir aus Deutschland kommen. Neugier und Höflichkeit überwog.

Der Besuch in Marienburg zeigte einmal mehr, wie Europa sein könnte und wie es sein sollte. Die Rückkehr nach Deutschland und nach Berlin dämpfte die Euphorie der letzten Tage sehr.



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