Home Militär Es fehlt der Wille und das Fleisch ist schwach

Es fehlt der Wille und das Fleisch ist schwach

Es fehlt der Wille und das Fleisch ist schwach

 

Die Bundesrepublik streitet dieser Tage über Sinn und Sinnlosigkeit der Wehrpflicht. Wichtig wäre sie schon, um die Bindung von Armee und Bürger wieder zu reparieren, die im Zuge der Transformation der Bundesrepublik Deutschland in die Bunte Republik zerstört wurde. Wenn jede Familie wieder einen Sohn oder eine Tochter in der Truppe hätte, würde es vielleicht mehr Menschen geben, die für ihre Kinder und Väter oder Mütter in Uniform in die Bresche springen, wenn linkes Gesindel ihre Missachtung durch Spucken und Schläge zum Ausdruck bringen will. Oder wenn alternde Emanzen an staatlichen Institutionen wie Schulen dafür sorgen wollen, dass die Bundeswehr dort nicht willkommen ist. Eigentlich müsste man ja genau diese Reuma-Faschistinnen im Verteidigungsfall bitten, sich doch gefälligst vor den Frontlinien aufzuhalten, weil die Missachtung des Militärs nur konsequent wäre, wenn man gleichzeitig auf den Schutz von selbigem verzichtet.

Aber darin liegt der Hund womöglich begraben. Der Verteidigungsfall scheint, trotz bürgerkriegsähnlicher Tumulte in einigen europäischen Ländern bzw. Gebieten, unwahrscheinlich. Und eine Wiederaufrüstung der Truppe zum Zwecke der Russenbekämpfung wäre wohl unmöglich, weil demographische Faktoren verhindern, dass wir wieder auf Mannstärken von 300.000-500.000 Soldaten kommen und mit hochmodernen Waffen ausstatten können, wie das in den 70ern und 80ern noch der Fall war. Die politische Situation hat sich auch geändert. Ein Argument, das von vielen Gegnern der Bundeswehr immer wieder vorgebracht wird und nicht gänzlich von der Hand zu weisen ist. Deutschlands Streitkräfte haben kein moralisches Hinterland, auf das sie sich stützen können. Es gibt keinen Willen zur Verteidigung, keinen Wehrwillen in der Bevölkerung, weil die Dringlichkeit des Lebens noch nicht mit dem Anklopfgerät die Haustür des Einfamilienhauses aus den Angeln gehoben hat. Noch wurden keine IS-Mörderbanden in Zehlendorf oder Hamburg gesichtet, mit denen die Polizei nicht fertig wird. Dass  es sie womöglich bald geben könnte, ist zwar unsere begründete Theorie, aber letztendlich nur eine Prognose für die Zukunft, die sich auch als falsch erweisen könnte.

Tatsache ist einfach, dass der Niedergang der Bundeswehr nicht nur an Einzelpersonen festzumachen ist, sondern maßgeblich mit einem Kulturbruch bzw. Kulturwechsel in Deutschland zu tun hat. Das zeigt sich auch bei den Soldaten, die heute anders ticken als noch vor zehn Jahren oder zwanzig Jahren. Die Männer der alten Schule scheinen fort, der Generationenwechsel ist vollzogen und heute stehen andere Menschen in den Stiefeln, die nicht mehr mit der Bedrohungslage des Kalten Krieges im Hinterkopf durch den Wald gepirscht sind, sondern sich Gedanken über Gendergerechtigkeit und Brunnenbau in Mali bzw. Afghanistan machen können. Der nukleare Fallout spielt keine Rolle mehr, die Leopard II will kein Politiker in den Einsatz befehlen und Gewalt ist eine Sache, die dem jungen Kevin Jonas bereits im Kindergarten von den Erziehern abtrainiert wird, wenn sie bei der kleinsten Rangelei dazwischen gehen und die Eltern zum Gespräch bitten.  Einen konventionellen Krieg kann die Bundeswehr nicht mehr führen. In dieser Sache ist sie sinnlos geworden und dient nur noch als Materialpiste, um Mensch und Maschine nach Mali zu schicken.  Der Satz «Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst», hört sich zwar gut an, stimmt aber nur bedingt. Nur im Falle einer feindlichen Übernahme durch rote Kräfte oder andere Feindkräfte wäre die Bundeswehr auf Mission, um die Freiheit der Bundesrepublik gegen einen Eroberer zu verteidigen, der womöglich die Demokratie abschaffen könnte. In allen anderen Fällen wird die Meinungsfreiheit wenn überhaupt von der Polizei und der restlichen Justiz garantiert – zumindest in der Theorie. Die Bundeswehr hat andere Aufträge, die wenig mit dem innerdeutschen Diskurs in der Politik zu tun haben. Also zu behaupten, dass der Bundeswehrsoldat auch das Recht schützt, dass dem Linksextremisten erlaubt selbigen Soldaten als Arschkopf oder Mörder zu bezeichnen, ist nicht gänzlich falsch, aber auch nicht völlig richtig.

 

Kulturbruch in Deutschland

Unser Autor Ignatius beklagte in einem alten Beitrag zum gleichen Thema genau diesen Kulturbruch in der Armee und machte dies am völligen Fehlen von Gesang fest. Die Soldaten singen fast nicht mehr, überlassen das Musizieren und damit gelebtes Brauchtum dem Musikkorps. Alte Kameradschaftsstuben, die seit fünfzig Jahren gepflegt werden und mit etlichen Utensilien aus der Zeit der Väter und Großväter geschmückt sind, stehen heute zwar noch, sind aber nicht mehr besucht. MAD-Offiziere, die die Knöpfe ihrer Uniform strapazieren, räumen Vitrinen leer, weil dort Bajonette und K98-Gewehre aus Urgroßvaters Zeiten ausgestellt sind, machen Jagd auf Wandbilder mit Balkenkreuzen der alten Wehrmacht, wenngleich man das Symbol in ähnlicher Version ja noch auf der eigenen Fahne trägt. In meiner eigenen Funktion erlebte ich eine gewisse Gemütlichkeit der Stabsoffiziere in Berlin, die sich wie in einem großen Hotel eingerichtet hatten. Form und Haltung der alten Männer, die eigentlich nur Bürokraten in Flecktarn waren, ließen oft zu wünschen übrig. Ausnahmen bestätigten die Regel und ich hörte häufiger in den letzten Jahren von in Berlin und anderswo eingesetzten Reserveoffizieren, die als Quereinsteiger auf die alten Zeiten und mit 55 nochmals zur Bundeswehr gehen wollten, dass sich eben doch viel verändert hat. Alles ist weniger zackig,  viel familienfreundlicher, wesentlich lockere und militärisch nur noch dann, wenn die Bundeswehr aus Ansehensgründen bestraft oder Rechnungen eintreibt. Weder ertönen Marschmusik noch ernsthafter Gesang. Gegrüßt wird nur noch dann, wenn es wirklich nicht anders geht.

Und als ich vor fünf Jahren meinen ersten Tag in der Stammeinheit antrat, begrüßte mich mein neuer Vorgesetzter am Schreibtisch sitzend, während sich sein Bauch über die Tischplatte schob und er nur mit viel Mühe die Kaffeetasse auf seinem Wanst balancierte. Sehr angestrengt blickte er zu mir und forderte mich auf, dass militärische Grüßen zu unterlassen, denn dies «sei hier nicht nötig». Einfach unvergesslich. Überhaupt wurde es nur noch dann nötig, wenn der Kompaniechef an uns vorbei in sein Büro ging und dort für den Rest des Tages verschwand.

Wer militärisch unterwegs sein wollte, hielt sich besser an jene Kameraden, die diese Entwicklung ähnlich kritisch sahen und sich oftmals in ihrer Freizeit um Schulung, Training und Auffrischung des Gelernten bemühten, damit wenigstens die Fähigkeiten nicht verloren gehen.

Die Bundeswehr ist in ihrer jetztigen Form und unter der momentanen Führung leistungsschwach und  wird bei genauer Betrachtung der politischen Lage vermutlich wirklich nicht ernsthaft gebraucht. Aber so ist das mit den Armeen und den Wächtern. Sie werden solange vernachlässigt, bis der Tag X kommt. Wenn er erwartet wird und die Wächter vorbereitet sind, geht alles gut aus. Sind sie es nicht, weil man nicht mehr mit dem Tag X gerechnet hat, geht die Stadt eben unter. «Ich will diese dicken Kinder nicht mehr sehen», sagte mir ein Ausbilder und Kamerad mal, der unter anderem für die Einstellung von Feldwebelanwärtern verantwortlich war.

Aber so ist das eben in der marktkonformen Demokratie – der Geist ist träge, das Fleisch ist schwach und die Köpfe leer.

 

Foto: U.S. National Archives and Records Administration


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