Wir waren arm, aber doch deutsch

Gastbeitrag von «Jürgen»

Ganz anders als die jungen Autoren hier, bin ich ein Jahrgang 1965 und habe Zeit meines Lebens im Osten des geteilten Deutschlands verbracht. Nach der Wende fuhren wir mit unserem kleinen Trabant erst nach Köln und dann nach Frankreich und Italien. Fast ein halbes Jahr lang feierten wir die Freiheit und sonnten uns im Glück eines wiedervereinigten Deutschlands. Ja was waren wir alle glücklich!
Nur ein Ewiggestriger würde sich die Mauer und die Teilung unseres wunderbaren Vaterlandes zurückwünschen. Aber es ist mir nicht entgangen, wie sehr sich die Menschen im westlichen Teil der Republik von ihrer Heimat mental entfernt haben. Hier bei uns an der Grenze zu Bayern, im südlichsten Punkt von Sachsen, ist «Heimat» kein schmutziges Wort und die Farben «schwarz-rot-gold» die Farben von Freiheit, Volk und Vaterland. Das sind so unglaublich wichtige und positive Werte, die bei meinem Jahrgang und auch denen, die noch in den 90er Jahren aufgewachsen sind, hochgehalten werden. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mit der DDR zu tun haben muss. Man mag über sie sagen was man will! Aber Begriffe wie «Volk» oder «Vaterland» waren nicht verpönt und obwohl man sie immer sozialistisch eingefärbt hat, hat man sie doch benutzt. Volkssolidarität gab es noch, obwohl wir wenig zum Teilen hatten. Keiner mit klarem Geist will den KONSUM-Markt mit den eintönigen Regalen und spartanischem Angebot zurück.



Den Wohlstand der Bundesrepublik Deutschland will ich nicht um alles in der Welt tauschen. Doch ich will kritisieren, dass sich die Westdeutschen nach der Wende trotz dem nationalen Hochgefühl der Wiedervereinigung von Deutschland schneller entfernt haben, als wir hier im Osten der Republik.
Man, was waren wir arm hier in Südsachsen auf dem Dorf. Milchkanne, Eier und Mehl als Hochgefühle am Sonntag. Butterbrot und ein langer Fußweg zur Schule waren meine Kindheit. Mitte der 80er Jahre sah ich die deutsche Ostseeküste als NVA-Marinesoldat das erstmals und durfte durch das Land fahren. Und obwohl die Fahne unserer DDR mit Symbolen des Sozialismus verunstaltet war, so war sie doch «schwarz-rot-gold» ! Trotz allem, waren wir Deutschland. Wir waren arm und ideologisch auf dem Holzweg. Aber wir waren wenigstens Deutsche. Das galt für den Deutschen mit rumänischen Eltern genauso wie für den ohne diesen «Migrationshintergrund».

Zum Volke zu gehören, war Pflicht und Privileg zugleich. «Volk» war kein Wort der Nationalsozialisten oder «Pegida-Vokabular».  Ich glaube fest daran, dass wir da wieder hinkommen und ein positives Nationalbewusstsein wiederbeleben können, das nicht sinnlos nur ausgrenzt, sondern alle Menschen, die sich unserem Vaterland verbunden fühlen, willkommen heißt. Willkommenskultur für die Nation!

Auferstanden aus Ruinen
und der Zukunft zugewandt,
laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.
Alte Not gilt es zu zwingen,
und wir zwingen sie vereint,
denn es muß uns doch gelingen,
daß die Sonne schön wie nie
über Deutschland scheint.

 

 

Foto: Bundesarchiv, Bild 183-85650-0001 / Hochneder, Christa / CC-BY-SA 3.0

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