Home Militär Gefechtswampe meldet sich zum Dienst und warum auch IT-Soldaten sportlich sein sollten

Gefechtswampe meldet sich zum Dienst und warum auch IT-Soldaten sportlich sein sollten

Gefechtswampe meldet sich zum Dienst und warum auch IT-Soldaten sportlich sein sollten

2008 machte die Schlagzeile der «Moppelwehr» die Runde in Deutschland. Die Generalität warnte vor der abnehmenden Kampfkraft der Soldaten, die sich in deren zunehmendem Übergewicht begründete. Immer mehr Kameraden wären fettleibig, dickbäuchig und sportliche Grundleistungen müssten bei Einstellungstest an die immer dicker werdende Jugend angepasst werden.  Dass sich seit 2008 nicht viel geändert hat, bestätigte Frau Ursula von der Leyen 2014 in einem Interview mit folgenden Worten:

«Es stellt sich die Frage, ob jeder einzelne Soldat und jede einzelne Soldatin, gleich welche Aufgabe sie im Riesenkonzern Bundeswehr ausfüllt, tatsächlich einen langen Marsch mit schwerem Gepäck bewältigen können muss.»

Was bedeutet, dass ein doppelter Standard für Soldaten abgenickt wird. Statt dass jeder Soldat eine Grundfitness haben sollte, die ihn zum Kampf und zu körperlichen Leistung im Krieg befähigt, werden scheinbar auch solche Soldaten geduldet, die in anderen Funktionen dienen und das Grün eines Waldes nur einmal alle zwei Jahre zu Gesicht bekommen. Das deutsche Heer ist hier anderer Meinung und besteht auf ein paar Mindestleistungen, die alle Soldaten im Heer mitbringen müssen. Dazu soll jetzt wieder vermehrt Sport gemacht und nach gesteuert werden, um die unsportlichen Rekruten wieder an einen Stand heranzuführen, der womöglich nicht gut, aber erträglich ist.

Die Logik hinter Frau von der Leyens Argumentation ist durchaus verständlich. Warum sollte ein IT-Soldat, der eine Drohne am PC bedient und kaum im Gefecht im Walde stehen muss, sportlich sein? Er wird ja seinen Posten am Schreibtisch nur selten verlassen und damit zu der Kategorie Stabsfeldwebel/Oberstleutant/Major gehören, deren Hüftumfang im gleichen Maße zunimmt, wie sie Abzeichen auf ihrer Uniform kriegen. Wenn im Regeldienst bereits Sportprüfungen kaum noch abgenommen bzw. durch unehrliches Ausfüllen der Leistungskarten abgelegt werden, muss man sich nicht wundern, wenn der Herr Stabsfeldwebel ü45 nach zehn Minuten bei 35°C im Schatten und 20 Kilogramm Gepäck nur noch am Keuchen ist und sich kaum noch auf den Beinen halten kann. Oder dass man Kameraden hat (selbst erlebt), die ca. 150 Kilo bei 1,80 Körpergröße mitbringen, aber keinesfalls muskulös, sondern nur dick sind. Dass es sich bei diesen Kameraden um durchaus professionelle Soldaten handelt, die ihr Handwerk beherrschen, könnte im Ernstfall aber nicht viel an der Not des Kameraden ändern, der einen verletzten 150 Kilo Soldaten + 20-30 Kilo Gepäck wegtragen oder ziehen soll.

Ich bin mit ca. 175 cm Größe und überdurchschnittlich sportlicher Natur kaum in der Lage einen mehr als doppelt so schweren Kampfklops unter Feuer aus einer Gefahrenzone zu ziehen. Zumindest dürfte sich die Rettung dieses einen Kameraden im Notfall als durchaus problematisch zu erweisen. Vor allem dann, wenn der nächstgelegene Kamerad, der Hilfe leisten könnte, eine 160 cm große Frau mit 52 Kilo Kampfgewicht ist.

Damit soll deutlich gemacht werden, dass der Ernstfall durchaus eine Möglichkeit ist, die in Betracht gezogen werden könnte. Stromnetze könnten ausfallen, Computer zerstört werden, IT-Büros überfallen bzw. Kasernen angegriffen werden. Die Situation könnte sich auch für den IT-Soldaten dramatisch ändern und er könnte sich plötzlich im Wald wiederfinden oder in der Heide, abgeschnitten vom Rest des Regiments. Eine Armee sollte nicht für den Frieden trainieren, sondern für den Krieg und den Verteidigungsfall. Für den Tag X, wenn alles schief geht, was schief gehen kann und jeder Soldat 120% leisten muss. Wenn er über das hinausgehen muss, was im Normalfall Mindestanforderungen sind. Da reicht es nicht, wenn man die Truppe auf Sparflamme laufen lässt und immer mehr Konzessionen macht und nach unten korrigiert. Daher ist es völlig richtig, dass das Heer jetzt im Sport nachbessern will. Gleiches sollte aber auch für Soldaten in Truppengattungen gelten, die eben nicht 24/7 im Walde stehen. Alle Soldaten sollten einen gemeinsamen Mindeststandard erfüllen, um im Ernstfall sich aufeinander verlassen zu können, ohne zu sagen: «Oh, der Kamerad ist von der IT. Den können wir jetzt aber vergessen! Der kann mit uns nicht mithalten!»

Kamerad Gefechtswampe ist nicht nur ein gutes Ziel für den Feind, sondern im Zweifel auch eine enorme Belastung und das schwächste Glied in der Truppe. Was nicht heißt, dass alle dicken Kameraden schlechte Sportler sind. Keinesfalls, da es genügend Leute gibt, die trotz Übergewicht sehr ausdauernd und sportlich sein können. Dennoch sagt die Empirie, dass Übergewicht und Sportlichkeit sich nicht sonderlich gut vertragen und die Ausnahme hier die Regel bestätigt. Jeder Soldat muss in der Lage sein seine Last zu tragen und das leisten, was gefordert ist, wenn der Ernstfall eintritt.

Si vis pacem para bellum


Foto: U.S. Air Force photo/Staff Sgt. Armando A. Schwier-Morales

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