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Sektempfang am Rhein und eine Allianz der Willigen

Sektempfang am Rhein und eine Allianz der Willigen

 

Sektempfang über den Wassern des Rhein. Ein wundervoller Sommerabend inmitten netter Gesellschaft. Das Tagesgeschäft ist abgewickelt und die Damen sind bester Laune. Deutschland erstreckt sich unter unserer Veranda, auf der Lachsbrötchen und Kuchenstücke serviert werden. Cocktailkleidchen und Sakkos wirbeln im Tanz zu angenehmen Klängen des Mini-Orchesters umher.

Es ist ein Abend im inneren Zirkel eines sehr konservativen, ehemaligen Kommunalpolitikers, der vor Jahren für die CDU hier im Land seinen Mann gestanden hatte und sich eigentlich zur Ruhe setzen wollte. Aber wie er an diesem Abend betont, machte ihm ein Enfant terrible da einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Eine Unperson sondergleichen, die keinesfalls Staatslenkerin, sondern allenfalls ihre Verwalterin ist und die Deutschland an den Abgrund führt. Harte Worte für einen Mann der CDU ü60, dessen Gäste allesamt erfolgreiche und angesehene Leute des Bürgertums sind und dem Dunstkreis von CDU/FDP und sogar AfD angehören. Es wird geklatscht, als er Angela Merkel beim Namen nennt. Die kleine, aber feine Gesellschaft prostet dem Sprecher zu.


Es bewegt sich was in Absurdistan

Ohne es genau zu wissen, handelt es sich beim Veranstalter vermutlich um einen Mitzeichner der Petition zur Grenzschließung, einen Unterstützer der Konservativen innerhalb der CDU, die Merkel gerne stürzen und die CDU zur einfältigen und drögen Zeit der frühen 90er Jahre zurückbringen wollen. Unter diesem Banner der Subtraktion Merkel finden sich wie erwähnt ganz unterschiedliche Vitas, die kurz umrissen werden sollten. Zum einen den Vermögensverwalter und seine wunderschöne, osteuropäische Frau, der bekennendes Mitglied der FDP ist und auch die Krawatte in gelber Farbe trägt, als müsse er das hier betonen, weil er zufällig neben einem Mann der AfD steht. Denn hier scheint der Veranstalter das Memo nicht bekommen zu haben, dass die CDU und FDP keinesfalls mit der AfD in irgendeiner Weise zusammenarbeiten dürfe. Berührungsängste zwischen den drei Parteien sind in der Öffentlichkeit groß, hinter den samtenen Vorhängen dieser Verande hingegen nicht zu erkennen. Vereint vor allem durch den gemeinsamen Feind und einen Minimalkonsens: Grenzen sichern, Migration beschränken, Integration erzwingen. Über diese Dinge hinaus gibt es kein Einverständnis zwischen den Parteien an diesem Abend. Bankenrettung, Freihandel und Außenpolitik mit Russland oder USA – alles streitbare Punkte, die an die guten, alten Zeiten erinnern, als noch der große Aufschrei wegen Brüderles anzüglichen Bemerkungen durch die Republik ging. Alles nicht unbedingt Themen, die Deutschland als Nation beenden können.

Aber in Punkten Zuwanderung ist glasklar, dass sich eine kleine Allianz der Gegner von Multikulti und Merkel, die M&M’s der Bundesrepublik, herausbildet. Der Flügel-Anhänger der AfD ekelt sich vielleicht vor der Gemütlichkeit dieses Biedermeiertums, sollte aber bedenken, dass dies auch ein Spendenabend ist und der Weidenkorb mit schwarz-rot-goldener Schleife herumgereicht wird, als die Gäste angetrunken und heiter genug sind, um tief in die Brieftasche zu greifen. Ein kleiner, aber fünfstelliger Betrag kommt am Ende heraus, der auf unterschiedliche, «patriotische Initiativen verteilt wird, die sich einem Ziel verpflichtet haben, sich aber unterschiedlicher Methoden bedienen, um dieses zu erreichen. Medien, Vereinen und Denkfabriken kommt das Geld zu Gute.

Merkel muss weg, ihre Politik im größtmöglichen Maße korrigiert werden. Der Minimalkonsens reicht als Klebstoff aus, um diesen Abend zu einem Erfolg zu machen. «Deutschland vor Merkel und ihren Jüngern retten», hieß es am Ende und mit einem Augenzwinkern fügte man hinzu: «aber doch nur wenn es Deutschland in zwei Jahrzehnten noch als zusammenhängendes Land gibt, können wir uns über NATO und Freihandelsabkommen streiten!»

 


 

 

 

 

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