Home Gesellschaft Als Rechter unter Linken – da muss man jetzt durch

Als Rechter unter Linken – da muss man jetzt durch

Als Rechter unter Linken – da muss man jetzt durch

Auf Facebook wurde kürzlich von unseren Lesern diskutiert, ob und wie man mit Linken (sehr pauschalisierend zusammengefasst) befreundet sein könne, wenn man doch so grundverschiedene Ansichten zu allen möglichen Themen des Lebens hat. Dass diese Spaltung nicht herbei fantasiert ist und wohin sie führen kann, zeigen eigentlich die USA ganz gut, wo sich oftmals Demokraten und Republikaner dafür entscheiden, physisch getrennt voneinander in ihren eigenen Nachbarschaften zu leben.  Unser Autor Ad Renum befasste sich vor zwei Jahren bereits mit dieser Problematik und taufte sie «die Angst vor dem Bruch», also die durchaus berechtigte Furcht vor dem Kappen aller Bande, dem Outing als Rechter vor dem eigenen, meist linken bzw. unpolitischen Freundeskreis.  Dabei sind es meistens die Linken in diesem Zirkel, die dann bei Entlarvung des einstigen Freundes alle Verbindungen durchschneiden und sich vom Staub machen wollen. Mal mit und mal ohne üble Nachrede.

Ich möchte im Folgenden erklären, wie ich diese Problematik handhabe und wie ich mit meinen wenigen noch verbliebenen Freunden aus dem eher linken Spektrum Kontakt halte und wo ich selbst die Grenze ziehe. Ein kleiner Ratgeber aus dem Hintergrundrauschen des Weltfunks, durchsetzt mit Beispielen aus dem eigenen Leben.

Zunächst muss festgehalten werden, dass die politische Linke in Deutschland seit gut 20 Jahren und mehr die kulturelle Hegemonie in Händen hält und ausübt, gleichzeitig aber leugnet, dass sie das tut und bei jeder Gelegenheit das Wiederaufleben des Nationalsozialismus als ihren ewigen Widersacher an die Wand malt (Bsp: Grenzöffnung, Wehrpflicht abgeschafft, Atomkraftausstieg und Genderideologie in Universitäten und Schulen – dazu Homo-Ehe und vollendet ist der feuchte Traum jedes Linksgrünen). Hier muss ich gleich einhaken und anmerken, dass es nur sehr wenige Menschen in Deutschland sind, es handelt sich um eine kleine und einflussreiche Minderheit in Politik, Medien und staatlichen bzw. staatsnahen Organisationen, die wirklich den Narrativ der multikulturellen Gesellschaft, der Grenzenlosigkeit eines Welthumanismus und so weiter am Leben erhalten. Die allermeisten Menschen pendeln wohl eher in der Mitte von Links nach Rechts und schwingen immer in die Richtung, die gesellschaftlich gerade en vogue ist. War man 1955 mit Adenauer und CDU auf der sicheren Seite, 1939 mit dem Parteiausweis der NSDAP gut bedient, so ist man heute immer gern gesehener Gast im Friedrichstadtpalast, in Kölner Kneipen und Maritim-Hotels, wenn man sich als irgendwie «toleranter, weltoffener und linker Weltbürger» zu erkennen gibt. Genaue Kenntnisse über Politik, historische Hintergründe oder dergleichen sind da hilfreich, aber nicht Voraussetzung. Jeder kann im Club der deutschen Besserbürger, im hellen Deutschland, mitspielen, wenn er nur diese Eintrittskarte mitbringt.

Also haben wir auf der einen Seite die Linken in ihrer ganzen Varieté und um sie herum alles, was den Weg des geringsten Widerstandes im Leben gehen will. Und auf der anderen Seite formieren sich die Aussteiger, die Rechten, die zwar immer mehr Sogwirkung entwickeln, aber noch nicht die gleichen Effekte bei der Schwungmasse in der Mitte erzeugen können, wie die Linken das tun. Ihnen fehlt noch die kulturelle Hegemonie, die Hand auf dem Geldhahn. Dass sie dazu noch kommen werden, liegt vor allem am Weltbild der politischen Linken, das nicht in der Realität fußt, sondern eine wie auch immer geartete kantische, marxistische oder anarchistische Dystopie, eine Traumwelt, gegen die faktische Wirklichkeit und die Geschichte setzt und beim Vergleich lauthals schreit:«Unser Weg ist besser!»

Die Linke hat eine kunterbunte, aber sehr brüchige Glaswand als Schutzschild vor dem eigenen Lager aufgebaut, in dem sich alle versammeln können, die sich auf der sicheren Seite der Geschichte wähnen. Bei dieser letzteren Gruppe, den Mitläufern, setzte ich an. Denn bei ihnen handelt es sich um die einzige Form von «Linken», die ich tatsächlich in meinem Leben toleriere. Denn mit den tatsächlichen Extremisten bzw. Radikalen der anderen Seite, machen wir uns da nichts vor, haben wir wenig gemeinsam. Ein Linksextremer bzw. Radikaler und ich wollen quasi in verschiedenen Universen leben. Er will offene Grenzen, die Multikulturalisierung bis zur Auslöschung, vegane Würstchen und ich will Bratling in Schmalzfett, eine gesicherte Landesgrenze und ein Land, wo man sich auf eine nationale Leitkultur als gemeinsamen Konsens des Zusammenlebens und Verhaltens einigt. Er will die Wale in Japan retten, ich höchstens die Wildkatzen in Niedersachsen. Er will Geschlechter aus dem Fenster raus werfen und ich will höchstens in das andere Geschlecht hineinstoßen. Man sieht, dass hier kein Konsens hergestellt werden kann. Selbst ein minimaler Konsens, wie beispielsweise eine vernünftigere Einwanderungspolitik auf Basis der Meriten des Einwanderer und dem Bedarf des Landes, eine große Konzession von meiner Seite, ist dem durchschnittlichen Open-Borders Linksradikalen von heute einfach nicht gut genug. Mit ihm kann ich nicht befreundet sein, sofern er nicht schon seit Kindertagen mein Freund oder mein eigen Fleisch und Blut ist.

 

Mitläufer rennen in der Panik meistens am nächsten EXIT vorbei

Ein Bekannter erzählte mir mal, dass bei Massenpaniken beobachtet wurde, dass viele Menschen bei ihrem Versuch der Masse zu folgen, in einen Stau kommen und sterben oder verletzt werden.  Oft würden sie sogar in ihrem Herdentrieb an dem nächstgelegenen EXIT vorbeilaufen, obwohl dieser ja mit Leuchtschrift ausgeschildert ist. Stellen Sie sich vor, dass wir Rechten bzw. Konservativen dieser EXIT sind. Wir sind das leuchtende EXIT-Schild. Die meisten Leute werden an uns vorbeilaufen und vielleicht sogar den Tod finden.

Dazu eine Anekdote aus dem Leben, die ich hier auf dem Blog schon vielfach erwähnt habe.

Am 07. Januar 2015, eine Nacht nach dem Angriff auf die Redaktion von Charlie Hebdo durch islamistische Attentäter, rief mich früh am Morgen oder am Vormittag eine gute und alte Freundin an. Sie war völlig fertig und emotional extrem aufgewühlt, als sie mir sinngemäß mitteilte, dass ich all die Jahre Recht gehabt hatte und sie gerne von mir mehr über das Thema «Islam» hören will. Sie könne nicht verstehen, wie sie so blind gewesen sein konnte. Das war ein so unglaublich gutes Hochgefühl für mich, dass ich beim Schreiben darüber noch grinse. Auch heute schickt mir diese Freundin noch «woke Memes» von «Hans dem Flammenwerfer.» Wir sind seit sieben Jahren befreundet und ich vermute, dass diese Freundschaft bis an unser Lebensende halten könnte. Und das obwohl besagte Freundin nicht die AfD wählte, sondern sich trotz Bataclan und Charlie Hebdo für die LINKE entschied.

 

Der halbe Mitläufer

Sie ahnen vielleicht, was der Grund dafür ist. Besagte Freundin arbeitet in einem sozialen Beruf, im sozialen Sektor, umringt von linken Gutmenschen und Leuten, die Verdi und SPD quasi auf der Stirn zu kleben haben. Mit der Wahl von Wagenknecht entschied sie sich für eine Position, die kritisch gegenüber unkontrollierter Zuwanderung ist, gleichzeitig aber nicht so unglaublich viel Stigmatisierung mit sich bringt, wie die Wahl der AfD. Wer sich in Berlin zur LINKEN bekennt, hat keinerlei Probleme und wird sogar noch gefeiert, muss keine soziale Ächtung fürchten. Bei meiner alten Freundin ist also noch Luft nach oben und sie wird, da bin ich mir sicher, eines Tages auch noch innerlich und physisch in unser Lager wechseln, sobald der soziale Ächtungsdruck nachgelassen hat.  Eine tolle, kluge und schöne Frau, die sich trotz einem halben Migrationshintergrund zu Deutschland bekennt und eigentlich nur richtige Ansichten hat. Sie ist kein Mitläufer im eigentlichen Sinne, sondern befindet sich bereits in der Umbruchperiode und im Umschwung. Der «halbe Mitläufer» ist jemand, der im Flüsterton im Hausflur den Ansichten eines Konservativen zustimmt, aber in der Gruppe vorzieht zu schweigen. Er befindet sich aber bereits auf halber Strecke, hat bereits eine Vierteldrehung gemacht und braucht nur noch einen Schubser zur Tür hinaus. Er hat den EXIT beinahe gefunden und kann gerettet werden.

 

Der totale Mitläufer

Der totale Mitläufer ist auch eine Figur, die ich bereits hier auf dem Blog einmal erwähnt habe. Es handelt sich um den jungen Mann von meiner ehemaligen Arbeit, der immer mit dem «Refugees-Welcome» Hemd ankam und das jeden Tag trug, nach Köln Silvester 2015 aber damit nicht mehr gesehen wurde. Als ich ihn darauf ansprach, stritt er ab, überhaupt diese Ansicht zu vertreten und behauptete mit schütterer Stimme, dass er «immer schon kritisch» gegenüber dieser Migrationsgeschichte war.  Auch hier haben wir es nicht grundlegend mit einem bösen Menschen zu tun, sondern eben nur mit einer Person, die sowohl beim Fahnenappell der SA und SS Blumen geworfen hätte, als auch am Münchener Bahnhof 2015 steht und klatscht. Sie würde auch bei einer Steinigung den zweiten Stein werfen  und bei der Hexenverbrennung ebenfalls jubeln. Nach 1945 will sie dann kein Nazi gewesen sein, war schon immer im Widerstand und überhaupt würde sie es überhaupt nicht verstehen können, wie Menschen alle wie die Schafe ihrem Führer hinterherlaufen können. Der totale Mitläufer ist eine schwache Person, mit der Mann auf persönlicher Ebene ein super Verhältnis haben kann. Ich selber habe einige Bekannte und Freunde, die ich in diese Kategorie werfen würde. Politisch eher ungebildet bzw. desinteressiert, gehen sie den Weg des geringsten Widerstandes und suchen sich den Pfad im Wald, der am hellsten erleuchtet erscheint. Mit diesen Leuten «Freund» zu sein, ist kein Problem, weil sie selbst bei Aufkündigung der Freundschaft bei einem Paradigmenwechsel innerhalb der Gesellschaft wahrscheinlich reuevoll zurückkehren, sofern man selbst seinen Prinzipien treu geblieben ist.

 

 

 

 

Sich treu bleiben

In den USA läuft gerade eine Bewegung an, die zwar recht klein aussieht, aber faktisch durch Wählerwanderung von links nach rechts durchaus Substanz hat und ernst genommen werden muss. Ein ähnlicher Prozess zeichnete sich auch hier in Deutschland ab. Zunächst aber zu den USA, wo derzeit das Hashtag #WalkAway eine Kampagne begleitet, wo ehemalige Unterstützer und Wähler der demokratischen Partei sich erklären, warum sie ihrer linken Partei den Rücken gekehrt haben. Dazu passt der Satz von Ronald Reagan, der einst ein Demokrat war, dann aber zu den Republikanern wechselte und für sie Präsident wurde: «I did not leave the Democratic Party. The Democratic Party left me (deutsch: Nicht ich habe die Demokratische Partei verlassen, sondern die demokratische Partei hat mich verlassen!)»

Viele Bernie Sanders Unterstützer wechselten nach der Nominierung von Hillary Clinton zu Trump und gaben ihm seine Stimme. In Deutschland sehen wir, dass sehr viele ehemalige Wähler von SPD, CDU, FDP und LINKE zur AfD wechselten, was natürlich deren ehemalige Parteien nicht davon abhält, die AfD und ihre Wähler als «braunen Schmutz» zu diffamieren.

Zurück zur Treue und den Freunden. Jeder der mich schon länger kennt, wird wissen, dass ich mir im Grunde treu geblieben bin und meine Meinung zu den meisten Themen seit ca. 10 Jahren nicht grundlegend verändert habe. Ich bin keine Merkel, die 2002 gegen Zuwanderung und heute für die totale Grenzöffnung ist. Nur in Nuancen passe ich meine Meinung da an, wo sich Fakten verändert haben. Was die CDU 2000-2006 im Wahlprogramm zu Einwanderung und Integration sagte, fand ich damals richtig und tue es noch heute mit minimalen Abstrichen. Was ich 2010-2014 gesagt habe, hat sich 2015 und folgend verwirklicht und war auch der Grund dafür, warum zumindest eine Freundin sich für ihr Irren in dieser Sache bei mir entschuldigt hat. Und das war auch der Grund dafür, warum in den letzten zwei Jahren immer mehr Menschen aus meinem CDU, FDP und Bundeswehrumkreis immer mal wieder auf mich zukamen, mir sagten, dass sie meinen Blog lesen, sich an dieses oder jenes Gespräch im Mannschaftsheim oder in der Bar erinnerten und mir jetzt zustimmen, dies aber nicht laut äußern wollen. Auch einer meiner besten Freunde in Berlin, ein guter und kluger Mann in der CDU, der sich dort treu geblieben ist und versucht eine konservative Wende herbeizuführen, stimmte mir in vielen Dingen nachträglich zu, nachdem sich auch meine Diagnosen bezüglich den Christdemokraten bewahrheitet hatten, wie er am eigenen Leib erleben musste.  Sein Anruf kam um ca. 6 Uhr in der Früh.

Diesen Menschen, die sich an unsere Freundschaft erinnern und ihr treu bleiben, bin ich auch über die politischen Differenzen hinweg treu. Man achtet den unausgesprochen Pakt, würdigt einander als Mensch und Individuum und sieht nicht nur Parteiausweis oder politische Ausrichtung. Bei allem muss auch immer bedacht werden, dass eben nicht jeder bereits einen ganzen Eimer roter Pillen geschluckt hat, also noch nicht aus Fantasialand «geweckt wurde». Dieser oder jener Freund hat den Ausgang und das EXIT-Schild noch nicht gesehen, wähnt sich noch im Irrglauben, dass er nur mit der Masse schwimmen muss, um in Sicherheit zu kommen. Rote Pillen tun oft weh, sind ein schmerzhafter Erweckungsprozess, der den Schleier linker Lebenslügen von den Augen so mancher reißt, die seit Jahrzehnten in einer sich selbst bestätigenden Blase leben. Was diese Menschen oft selbst glauben, dass sie es tun wollen, nämlich den Andersdenkenden «wachrütteln», müssen wir ja selber tun. So glaubt jeder den anderen aus einem Alptraum erwecken zu müssen, obwohl natürlich der unsere kein Alptraum ist, sondern eine dystopische Realität, die wie eine Faust durch das Buntglasfenster schlägt und den Betroffenen aus dem Irrenhaus zieht.  Da hilft oft kein Gespräch. Vor allem nicht bei denen, die sehr tief in den sozialen, sich selbst stützenden Zirkeln der linken Meinungsschickeria verwurzelt sind. Nur persönliche Erlebnisse könnten diese Menschen zum Nachdenken bringen. Fakten bzw. andere Meinungen prallen an ihnen ab, weil die eigene kognitive Dissonanz dafür sorgt, dass sie widersprüchliche Eindrücke, die das Weltbild und damit die psychologisch als lebenswichtig empfundene Identität gefährden, abgeschmettert werden.

Es ist wie mit dem Bekannten auf einer Party, der in diesen Kreisen der Linken und der Wohlfühlgesellschaft verwurzelt ist. Konfrontiert mit den Fakten, physischen Beweisen für die Falschheit seines Weltbildes, stritt er zunächst die Existenz ab und musste dann, als die Beweislast zu groß wurde, wütend werden und das Gespräch abbrechen. Er leugnete nicht mehr die Existenz von Beweisen für das Gegenteil, sondern bestritt nur noch, dass diese einen Einfluss auf sein Weltbild haben könnten. Und mit solchen Menschen kann man nicht mehr reden. Wer sich so tief im eigenen Narrativ verbunkert hat, dass er nur noch mit einer metaphorischen Panzerfaust raus geholt werden kann, den lohnt es nicht zu belagern. Da muss man weiterziehen und hoffen, dass ihn der Hunger aus der Festung nach draußen treibt.

Was bleibt auch anderes, als sich treu bleiben, wenn man sich nicht irrt, sondern immer wieder durch die Realität bestätigt wird? Wer einmal von den verbotenen Früchten im Garten Eden gekostet hat, bekommt Erkenntnis, darf aber auch niemals wieder zurück in den Garten Eden.  Und wer einmal sich für die roten Pillen entscheidet und die Matrix durchbricht, kann nicht mehr zurück. Es gibt keine Möglichkeit sich wieder in den Tiefschlaf zu versetzen, ohne sich selbst zu betrügen. Mit anderen Worten – da muss man jetzt durch. Die Geschichte wird uns wahrscheinlich Recht geben. Bisher lag ich zumindest mit fast allen Zukunftsprognosen richtig und werde fast täglich neu bestätigt. Manchmal weiß ich nicht, ob ich mich darüber freuen oder deswegen verzweifeln soll.

 


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