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Das Neusprechwörterbuch: »NGO«

Das Neusprechwörterbuch: »NGO«

NGO  – non governmental organisation

Eigentlich sind alle Organisationen, die nicht zu Regierung oder Staat gehören ja Nichtregierungs-Organisationen. Die «NGO» ist jedoch ebenso ein Kampfbegriff des aktuellen Neusprechs.

Die Weltbank definiert NGOs als «private Organisationen, die durch ihre Aktivitäten versuchen, Leid zu mindern, die Interessen der Armen in der Öffentlichkeit zu vertreten, die Umwelt zu schützen, grundlegende soziale Dienste zu leisten oder Aktionen für Entwicklungsvorhaben zu initiieren». So schreibt jedenfalls Wikipedia: Wir sehen, dass hier alle vermeintlich Guten der Welt versammelt sind.

Und eines haben diese Guten vor allem gemein: sie sind zwar nicht auf staatliches Betreiben hin entstanden, werben jedoch mit höchster Effizienz um Fördergelder und einen Platz an den warmen Taschen der Bürger. Auch die Ministerien haben einen Vorteil aus der Projektförderung der NGO’s. Kaum jemand fragt nach, welche Projekte zu welchem Thema genau gefördert werden, wodurch der Partei des Ministers die Möglichkeit entsteht, Projekte mit ihr nahen Themen oder Trägern zu unterstützen. Eine klare Aufstellung, welche NGO’s durch welche Ministerien gefördert werden, ließ sich nach mehrstündiger Recherche nicht finden. Auch die Organisationen, die ich stichpunktartig untersuchte, sind alles andere als bereit ihre Förderstruktur offenzulegen. Hier zeigt sich das Defizit dieser Organisationen: sie haben keine demokratische Legitimation. Trotzdem werden sie, praktisch als Experten, stark in den Gesetzgebungsprozess eingebunden, was sich vor allem an der immer wiederkehrenden Einladung zu öffentlichen Beratungen der Bundestagsausschüsse zeigt.

Wer fördert eigentlich wen?

Die Frage nach der Mittelherkunft ist eine, die mir dann doch unter den Nägeln brannte. Die meisten NGO’s werden nicht direkt mit Mitteln ausgestattet, stattdessen werben sie regelmäßig projektgebundene Mittel aus verschiedenen Töpfen ein oder betteln klassisch um Spenden.


Eine der wenigen Förderauflistungen, die ich im Netz fand, war jene zur Vergabe der Mittel aus dem Hilfsfond zur Förderung der am meisten benachteiligten Personen, EHAP, der von Arbeitsministerium, Familienministerium und EU betrieben wird[1]. Einzelne Projekte und Förderer sind in der Tat interessant. So zum Beispiel der Berliner Verein Kulturen im Kiez[2], dessen Flüchtlings- und Integrationsprojekt satte 500.000€ bekam. Dem Verein steht nach durchlesen der Selbstdarstellung wohl nicht nur die Hilfe für «Flüchtlinge» bei Amtsgängen nahe. Integration wird hier als »neugierig machende Herausforderung» beschrieben, die ein «vielseitiger Veränderungsprozess aller gesellschaftlichen Gruppen» sei, «an dem sich also die (heutige) Mehrheitsgesellschaft mit Respekt und Solidarität beteiligt».

Eine andere schöne Auflistung findet man auf der Seite des Projektes «Demokratie Leben» auf einer interaktiven Landkarte[3]. Schaut doch mal nach, welche tollen Initiativen von Eurem Steuergeld in Eurer Region durch das Familienministerium gefördert werden. Eine besondere Perle werden wir hier demnächst noch einmal unkommentiert vorstellen. Na, fühlt Eure Besteuerung sich schon wie Raub an?

[1] https://www.bmfsfj.de/blob/83842/ac6971e1dc05d300c8c931d0c2df0033/liste-ehap-projekte-data.pdf

[2] http://kulturen-im-kiez.de/

[3] https://www.demokratie-leben.de/programmpartner/uebersicht.html

Foto: Pixabay


 



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