Home Kultur Wenn das ARD “Unterwerfung” als Film spielt und im Anschluss Maischberger zeigt, wie man sich richtig unterwirft

Wenn das ARD “Unterwerfung” als Film spielt und im Anschluss Maischberger zeigt, wie man sich richtig unterwirft

Wenn das ARD “Unterwerfung” als Film spielt und im Anschluss Maischberger zeigt, wie man sich richtig unterwirft

Ekel. Beim Lesen von Michel Houellebecqs Roman «Unterwerfung» empfand ich immer eine große Portion Ekel. Nicht so sehr vor den überdeutlich beschriebenen Sexszenen, sondern mehr vor den Bürgerlichen der französischen Republik, die sich in Apathie, genau wie im Titel des Buches angedeutet, der Islamisierung des eigenen Landes unterwerfen. Wie sie sich selbst belügen und versuchen, die Zukunft rosiger zu malen, als sie eigentlich für sie sein wird.

Der RBB, der gefühlte Nachfolger der Aktuellen Kamera, hat den Roman jetzt verfilmt und gestern Abend auf ARD ausgestrahlt. Es beginnt zunächst verwirrend in Hamburg, wo der Zuschauer den Leiden des deutschen Schauspielers Edgar folgen muss, der im Rahmen einer Theaterinszenierung in die Rolle von Francois, dem Protagonisten des Romans, schlüpft. Es ist Sommer in Hamburg, noch toben die G20-Unruhen, und der Film gibt dem ganzen den Anstrich, als wäre das prophetische Vorspiel die eigentliche Handlung, in die man nur langsam eingeführt wird.

Ich habe den Fernseher ohne jegliche Erwartungen angeschaltet. Meistens wird man selbst mit niedrigen Erwartungen vom deutschen Erziehungsfernsehen, dass sich selbst als Qualitäts- und Bildungsfernsehen bezeichnet, maßlos enttäuscht. «Unterwerfung» bezeichnet ja eigentlich den übersetzten Namen des Islam, was ein passender Einstieg in die Wirrungen unseres Europas ist.


Dennoch bin ich voll des Lobs für die Verfilmung, die zwar langweiliger als das Buch ist, an vielen Stellen wichtige Dialoge einsparen muss, aber ansonsten sehr treu gegenüber der Buchvorlage war. Der französische Literaturprofessor Francois ist ein alternder Mitfünfziger, der vom Verfall seines eigenen Körpers erzählt, von seinen sinnlosen Liebschaften mit jüngeren Frauen und der Tatsache, dass er nicht mutig genug ist, um sich selbst zu töten. Freitod als Erlösung von diesem elendigen Leben als moderner Mensch ohne Glauben, ohne Heimat, ohne Sinn im Leben.  Sein Frankreich der fiktiven 2020er Jahre befindet sich im Umbruch, als ein muslimischer  Präsidentschaftskandidat durch die Hilfe aller Parteien an die Macht gehoben wird. Um den Front National zu verhindern, gehen die Sozialisten und Scheinkonservativen eine Allianz mit der sogenannten Bruderschaft der Muslime ein, die sich zunächst gemäßigt gibt und verspricht, die laizistische Republik zu ehren. Derlei Lügen lassen sich bestens bei den Gutgläubigen Westeuropas verkaufen, die mehr Angst vor dem Verlust ihres Geldes, als vor dem ihrer Heimat haben. Und von solchen Gestalten wimmelt es in Houellebecqs Roman ja nur.

Francois, dessen verwesender Körper durch den deutschen Schauspieler bestens eingefangen wurde, widert einen schon auf dem Bildschirm nur beim Hingucken an. Dicker Bauch, dünne Gliedmaßen und wiederholte Schilderungen über seine körperlichen Leiden und die tiefe Depression, die wie Kaugummi den Erzählungen des Literaturprofessors eine echte Zähigkeit verpasst. Dem Film gelingt es, einige sehr wichtige Schlüsselszenen im Buch angemessen zu übertragen und zumindest bei mir den gleichen Ekel für die Bourgeoisie Frankreichs zu empfinden, die genug Geld hat, um guten Wein zu verköstigen und ansonsten der Abwicklung ihres Vaterlandes apathisch zuzuschaut.

Francois bricht in Tränen aus, als ihn Miriam, seine jüdische Freundin, verlässt und ihm erzählt, dass sie mit ihren Eltern nach Israel gehen wird. Denn die haben klugerweise erkannt, dass mit den Juden in Frankreich «etwas Schlimmes» passieren wird. Für mich eine der wichtigsten Szenen im Buch, die korrekt in den Film übernommen wurde. Als sie sich abwendet, ihren schönen Körper sieht man nur noch in Umrissen am Fahrstuhl stehen, wird Francois klar, dass er kein Israel er hat, in dass er heimkehren kann. Für ihn als ethnischen Franzosen, als weißen Europäer, gibt es nur diese eine echte Heimat. Es gibt nur ein Europa.

Francois fährt im Buch und im Film aus der Stadt hinaus und sucht Zuflucht auf dem Land. Unterwegs hält er an einer Tankstelle, die ähnlich wie in the WALKING DEAD vollends verlassen scheint. Nur die tote Verkäuferin und ein paar massakrierte andere Männer liegen in ihrem Blut und all dem Abfall zwischen Bier und Chips. Nichts davon hört man in den Nachrichten. Das Radio ist stumm und über dem ganzen Land wurde eine Nachrichtensperre verhängt. Im Vorfeld der Wahlen explodiert die Gewalt in Frankreich, und kaum jemand nimmt es zur Kenntnis.

Als die Muslime letztendlich ihre islamische Regierung bilden dürfen, kommt es selbstverständlich etwas anders, als sich das die Linken und Alibi-Konservativen gedacht hatten. Eine Islamisierungspolitik wird umgesetzt, Frauen aus der Arbeit an den Herd verbannt und die Universität, an der Francois lehrt, wird in eine islamische Fakultät umgewandelt, welche ihn prompt entlässt. Arbeitslos und perspektivlos schlendert Francois durch die sich verändernde Republik, in der immer weniger seiner hübschen Französinnen knapp bekleidet durch die Stadt stolzieren. Im Buch wird viel tiefer auf diese Transformation eingegangen und im Vorfeld noch erklärt, wie gut es den Menschen gelingt, Terrorangriffe und Bürgerkriegsunruhen in Frankreich auszublenden. Ein Cocktailempfang im Film fängt dies kurz ein, unterlässt aber die drastischen Bilder, die im Buch beschrieben werden. Frankreich explodiert in Tumulten, heute schon und im echten Leben, ohne dass es großartig von der Mehrheit der Bevölkerung hier oder im Nachbarland wahrgenommen wird. Immer mal wieder keimen die Unruhen auf, flauen ab und sprudeln dann wieder bei nächster Gelegenheit an die Oberfläche. Schüsse in den Innenstädten und niedergeschossene Menschen am Straßenrand sind Paris nun nicht mehr fremd.

Die nun sich rasch islamisierende Gesellschaft bringt ganz neue Möglichkeiten für den alternden Francois, der jetzt mit der Option liebäugelt, trotz seines Alters nochmals junge Mädchen heiraten zu können, wenn er sich doch nur überwinden könnte zum Islam zu konvertieren. Vorher macht er jedoch den ehrlichen Versuch zum Christentum zurückzukehren, sucht eine Abtei katholischer Mönche auf und ersucht den Herrn Jesus Christus, an den er nicht wirklich geglaubt hat, aber glauben will, um Rat. Der Versuch scheitert und die schauspielerische Leistung im Film ist hier sogar sehr gut. Die Verzweiflung des Protagonisten wird erstmals richtig spürbar. Man spürt, wie sehr sich Francois vor sich selbst ekelt und seine Existenz in Zweifel zieht. Unfähig für sich selbst zu leben, habe er nichts wofür es sich zu leben lohnen würde. Selbst für den Freitod zu feige und erst recht zu feige, seine Kultur und Heimat zu verteidigen. Die alten Eliten seines Landes, Geheimdienstler, Medien und Altparteien, haben sich längst an den Machtwechsel angepasst und freuen sich auf höhere Gehälter, Posten in Gremien und möglicherweise sogar zweite oder dritte Ehefrauen.

Der Islam lockt Francois nun, als er den neuen Dekan seiner nun islamischen Universität besuchen darf. Dieser unterbreitet ihm beim Genuss eines Weines gleich zwei Angebote, die Francois extrem verlockend finden muss.

Zum einen die Rückkehr an die Fakultät mit verdreifachtem Gehalt und zum anderen die Möglichkeit auf Bekehrung zum Islam mit damit einhergehender Heirat mehrerer hübscher Frauen, die vor allem jung und sexuell ergeben sein würden. Eine Perspektive, die der Dekan selbst mit seiner 15-jährigen Drittfrau demonstriert. Wie gesagt – der Ekel zieht sich durch das gesamte Buch.

Inspiriert von diesen neuen Lebensoptionen fantasiert Francois, wie es wohl für ihn ausgehen würde, wenn er einfach nur das Glaubensbekenntnis aussprechen und konvertieren würde. Film und Buch enden mit dieser Perspektive und lassen Leser wie Zuschauer im dunkeln darüber, wie sich Francois letztendlich entscheidet. Aber das Buch heißt nicht umsonst «Unterwerfung».

Fazit: der Film überraschte positiv als das eine dem Buche treue Inszenierung, die vielleicht etwas langweilig, aber doch im Wesen den Vorstellungen des Autors entsprechen dürfte.

 


Betreutes Denken mit Maischberger

Im Anschluss lud Frau Maischberger zum betreuten Denken in ihrer Talk-Show. Die geladenen Gäste mussten ohne die AfD auskommen, die hier sicher etwas zu sagen gehabt hätte. Stattdessen bekam man einen Haluk Yilzdiz, der in der Sendung zwar beteuerte mit seiner BIG-Partei keinerlei Verbindungen zur AKP zu haben, vom Internet jedoch sofort Lügen gestraft wurde.

 

Die alternde Bettina Gaus, Taz-Journalistin, verwehrte sich der bloßen Möglichkeit einer islamisierten deutschen Gesellschaft. Das kann sie sich leisten, weil sie als 68er Altlinke die Vollendung einer solchen Islamisierung nicht mehr miterleben wird, auch wenn sie es mitverschuldet. Das Buch und der Film seien bloße Fantasie. Und mit Frau Klöckner von der CDU lud man auch eine Scheinkonservative der Union ein, die sich in sehr vorhersehbaren Floskeln verlor und den Part der besorgten Bürgerin übernahm. Nicht was, sondern wer etwas sagt, ist in dieser Republik wichtig.

Bis auf Necla Kelek, eine wenigstens konsequente Fraurenrechtlerin und Islamkritikerin, konnte man alle Gäste getrost in die metaphorische Tonne kloppen. Sie erinnerten mich, Frau Gaus besonders, an die von Fettleibigkeit und Selbstekel zerfressenen Figuren aus Houellebecqs Roman, die sich nur zu gerne unterwerfen würden, weil ihnen diese Körper- und Geisteshaltung im Grunde ja in der Natur liegt. Frau Klöckner würde dann in einem ähnlich wie im Buche beschriebenen Szenario den Part eines moderaten Mitte-rechts Politikers spielen und eine Koalition mit den Muslimbrüdern eingehen, um «die Republik nicht zu spalten». In der vorsichtigen Hoffnung, dass man wenigstens die Christen schonen würde, wenn man schon die Juden nicht retten kann.

Wahrscheinlicher scheint mir, dass sich die Gäste der Runde bis auf Kelek und Yildiz allesamt dem Islam eines Ben Abbes wie im Buche zumindest nominell unterworfen und keine Probleme damit gehabt hätten, ihre Heimat über Bord zu werfen und noch billigen Schaumwein hinterher zu schütten.  Wirklich Erhellendes gab es in dieser Diskussionsrunde nicht. Vielmehr wirkte das ganze wie Inszenierung, römisches Gladiatorenspiel für die Massen. Dass sich Frankreich tatsächlich in eine solche Richtung entwickelt, wie sie im Buche beschrieben wird, kam gar nicht zur Sprache. Man tauschte nur die gleichen Worthülsen aus, die man bereits seit zehn Jahren zu diesem Thema verwendet. Eigentlich wollte man ja den Bürgern ihre Ängste nehmen und verhindern, dass der Film «Applaus von der falschen Seite» bekommt. Das tut er nicht. Denn ich applaudiere dem Film ja nicht, sondern sehe in den Charakteren des Buches und Filmes nur Skizzen der Wirklichkeit.

Francois ekelt sich wiederholt vor sich selbst im Buche. Vor seinen Fußpusteln, dem Wein, dem Essen, seinen Frauen und der ganzen westlichen Welt. Und deshalb frag ich mich, ob Maischberger, Fleischhauer, Gaus und Klöckner überhaupt das Buch gelesen und verstanden haben. Oder womöglich missverstehe ich ja, wenn ich in den Beschreibungen dieser völlig aufgeweichten Besserbürger von Paris ein Gleichnis zu den charakterlosen Charakteren unserer eigenen Republik erkenne.

Auf diese Charaktere kann man letztendlich getrost verzichten. Sie haben innerlich schon aufgegeben.




Sich unterwerfen oder sich nicht unterwerfen

Soumission

"To submit or not to submit"nicht meins.

Posted by Industrial Knights on Saturday, January 13, 2018

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