Einen Mcflurry mit Dschihad bitte – die Berliner Republik im Niedergang

Die Berliner Republik im Niedergang? Das klingt nach einer Hiobsbotschaft, einem Unheilsverkünder und der Art von Fanatiker, die an jeder Wegesgabelung den Pfad zur Verdammnis vermutet. Ein depressiver Irrer, der einen Untergang herbeifanatisiert, der gar nicht kommen kann, weil ja alle guten Dinge für die Ewigkeit sind und das politische Projekt der Bundesrepublik von der Möglichkeit des Scheiterns ausgenommen ist.

 


Das soll diese folgende Schilderung der Zustände im Lande von Otto dem Großen, von Hölderlin und Nietzsche und Kant, ganz und gar nicht sein. Nur eine Bestandsaufnahme mit älter gewordenen Augen eines jungen Mannes, der sich wegen der Umstände und des Umfeldes seiner Kindheit weder für Multikulturalismus noch für rassischen Chauvinismus begeistern konnte und beiden Konzepten bis heute feindlich gegenübersteht. Im folgenden Text möchte ich erläutern, warum ich das katastrophale und für die Deutschen möglicherweise fatale Scheitern der Bundesrepublik am Horizont nahen sehe. Eine Ahnung, die sich in den letzten zehn Jahren mehr und mehr im Geiste verfestigt hat. Scheitern meint nicht die völlige Zerstörung des Landes oder die mögliche Auflösung der Nation, wenngleich diese Optionen nicht vom Tisch sind. Scheitern meint hier, dass die Bundesrepublik Deutschland, unsere Heimat, an ihrem ideologischen und moralischen Ansprüchen scheitert, letztendlich also an sich selbst versagt und im Chaos untergeht. Chaos im Sinne der Bibel als einen Zustand endloser Verwirrung und Verirrung, in der Sicherheit, sowohl materielle als auch soziale und kulturelle, keinerlei Form mehr annehmen können und sich in diesem Chaos post-Genesis verflüchtigen.

 

Am Anfang war der Irrtum

Wo fängt man an? Am besten ganz unten. Da wo die Bürger dieser Republik wohnen, an denen die Politiker nur wenig Interesse haben. Beginnen wir doch im Berliner Wedding, wo ich ab 1999 einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend verbrachte. Wedding heißt roter Arbeiterbezirk, SPD-Stammland und früher mal NSDAP, als dieses Heim der Industriearbeiter und armen Leute von den Nationalsozialisten erobert wurde. Heute rot-roter Wedding und damals eben rotbraun. Die größte Fraktion der Einheimischen dürfte jedoch den Nichtwählern angehören, was eigentlich sehr erstaunlich ist. Denn gerade die Menschen im Wedding, in Teilen von Reinickendorf und Mitte hätten eigentlich am allermeisten Grund zum Wählen. Sie plagt doch eigentlich viel mehr Elend, als die Bürger in Zehlendorf oder Frohnau, wo das Leben angenehmer und die Bildung und das Einkommen höher liegen. Probleme meint hier die unglaubliche Kriminalität, die so grassierend und wuchernd ist, dass die Polizei, wenn sie sich überhaupt noch trotz starker Depression und Burnout zum Dienst schleppt, keinerlei Chance hat in diesem Sumpf etwas zu verändern. Die meisten Verbrechen passieren sowieso im Hinterhof und hinter verschlossenen Türen, aus denen oft der süffige Geruch von Alkohol kommt. Meistens Bier, oft aber auch orientalische Spezialitäten oder der Gestank von Rheuma-Salbe, wenn sich alternde Deutsche zum Sterben in die DRK-Klinik an der Osloer Straße schleppen.

Der große Irrtum der meisten Rechten ist, dass Multikulturalismus und das bunte Kiez ein Alptraum für sie sind. Das ist nur bedingt der Fall.

Der große Irrtum der meisten «Linken/Multikulturalisten» ist, dass der selbe Multikulturalismus ein gutes Konzept ist, das die Zukunft darstellt. Das ist leider auch der Irrtum der Bundesrepublik, die glaubt, dass sie am Ende ganz Deutschland in ein buntes, aber weitestgehend lebenswertes Kiez verwandeln kann. Der Multikulturalismus ist jedoch nur eine Phase, die nur so lange Bestand hat, bis sich eine dominante Gruppe aus dem Gemisch der Völker und Kulturen, aus dieser braunen Masse erhoben hat, um zu herrschen. Eine Gruppe versucht dies derzeit und ist erfolgreich damit.

Ich weiß oft nicht, wie ich die Zustände dort beschreiben kann, ohne dass es lächerlich wird. Manches klingt so absurd und wäre auch vor zehn Jahren, als sie passierten auch absurd gewesen. Hätte ich damals erzählt, dass arabische Jugendliche Frauen über den Bahnhof jagen könnten, hätte einige Suffköppe(Säufer) am Fenster in der Soldiner Straße wohl wissend genickt und mir zugestimmt, im gleichen Atemzug sich Hitler zurückgewünscht und danach ehrlich beteuert, dass sie ja «keine Rechten sind, aber…»

Bildungsferne ist ein enormes Problem in Berlin.  Gerade die Frauen und Männer im Wedding und in großen Teilen des an den Wedding grenzenden Stücks von Reinickendorf müssten wählen gehen, sich informieren und versuchen ihre Gesellschaft zu verändern. Aber gerade bei den Müttern meiner Kindheit, die alleinerziehend ihre einzige Tochter oder den Sohn mit einem der tollen Billiglohnjobs durch das Leben bringen wollen und dann um 3 Uhr in der Nacht den Selbstmordversuch wagen, ist kein Glaube an die Veränderbarkeit der Gesellschaft vorhanden. Wählen bringe ja nichts und die «da oben» würden ja eh machen was sie wollen. Man helfe sich lieber selber und zieht weg. Anders wissen sich die Menschen dort nicht zu helfen. Es handelt sich hier um die von mir in vielen Beiträgen schon häufig erwähnte deutsche Arbeiterklasse, die auch von Thilo Sarrazin in seinem Buch «Deutschland schafft sich ab» ein großes Thema war. Diese sogenannte soziale Unterschicht wächst und wächst und wächst. Ihr Wachstum und gleichzeitiges Absterben ist für jeden eigentlich klar erkennbar, der seinen Frappuchino mal zur Seite stellt und mit offenen Augen durch diese Stadt geht und auch keine Scheu hat jene Orte zu besuchen, die es nicht auf die Titelseite der CDU-Berlin Webseite schaffen.

Zuzug – Messermorde, Clans und Kinderglück

In unserem Lager, dem patriotisch-konservativ/rechten Lager, bezeichnet man Berlin als «Dreckloch», was ich häufig auch unterschreiben würde. Berlin hat jedoch auch lebenswerte Ecken und gerade eben weil Multikulti auch schön und lebensbejahend sein kann, sind gerade hier viele Menschen immun gegen Aufklärungsversuche über die Schattenseiten dieses sozialen Experimentes. «Raza Unica» sagte Peter Scholl Latour einmal zum Multikulturalismus von Brasilien, der ein ähnliches Experiment darstellt. Nur die Dimensionen sind eben anders. Berliner Problembezirke oder eben bunte Kieze sind molekulare Kleinsteinheiten dieses Sozialexperiments. Von der Müllerstraße bis zur Julius Leber Kaserne am Kutschi kann man vielleicht 80 verschiedenen Völkern begegnen und ähnlich vielen Sprachen lauschen.

Kreuzberger Nächte sind meistens schön und können wunderbar hedonistisch sein. Ich habe schon an vielen teilgenommen und kann sehr gut verstehen, warum sich viele Deutsche nach diesem etwas aufregenderem Leben ohne echte Konsequenzen sehnen. Da versuche ich mich in die Studenten hinein zu versetzen, von denen ja viele in Kreuzberg und im Wedding leben, aber eigentlich aus Brandenburg, Sachsen oder anderen ländlicheren bzw. kleinstädtischen Gegenden kommen. Die kennen den wahren Wedding nicht, wissen auch nicht wie es wäre, wenn man als blondes Kind wegen der eigenen Haarfarbe durch den Dreck getreten wird. Sie kennen eben nur den Weg vom Späti zur Hausparty, feiern dann ausgiebig und erfreuen sich an diesem ruchlosen Lebensstil, der so gar nichts mit dem langweiligen Dorf zu tun hat, von wo sie meistens selber stammen. Allein in meinem Freundeskreis kenne ich ein Dutzend Personen, auf die diese Beschreibung zutreffen würde.

Es ist daher schwierig bei gleichzeitigem Genuss auch anzuerkennen, dass die Multikulturalisierung, die in Europa lediglich eine Vorstufe der Islamisierung zu sein scheint, eben auch Nachteile bringt. Messermorde, Clan-Kriminalität und Vergewaltigungen durch Jugendbanden mit Bereicherungshintergrund gehören da hinzu, werden aber nur dort wahrgenommen, wo Menschen mit den Folgen dieser Dinge konfrontiert werden. Sanitäter, Polizisten und die Opfer selber. Wohnen bleiben tun nur Wenige dort und ziehen, sobald sie älter werden und eine Familie gründen wollen, weg. An den Stadtrand oder eben in Designer-Wohnviertel wie das Kollwitzkiez.

Wie kann man einer jungen, deutschen Frau erklären, dass nur zehn Meter weiter von dem Ort, wo sie ihr Bier beim Späti kauft, Geldwäsche betrieben wird und keine Hundert Meter die Straße runter pakistanische Salafisten stehen, die ihr nur zu gerne die Kehle durchschneiden würden? Wie kann man einem Rayk Anders erklären, dass bei Schönholz ein Polizistenpärchen wohnte, das mit ihrer Tochter an den Stadtrand umgezogen ist, weil sie es einfach nicht mehr im Wedding ausgehalten haben. Keine Rassisten, keine Menschenfeinde, sondern ganz normale deutsche Bürger, die einfach nicht mehr konnten. Nach 30 Jahren Dienst bei der Polizei im Wedding nicht mehr konnten, suizidal dachten und bereits im Jahr 2008 von einem kommenden Bürgerkrieg auf deutschen Straßen sprachen.

Eben. Man kann es nicht und es kann eigentlich auch fast keiner verstehen, der damit nie Kontakt hatte und nicht zumindest teilweise in deren Welt eingetaucht ist. Den hoch erhobenen ISIS-Zeigefinger, bekannt von den Islamisten in Syrien, kannte ich bereits seit ich ein Kind bin. Genau wie die obszöne Geste, die von gleichaltrigen Jungen gerne vollführt wurde, wenn sie einem drohen wollten. «Kuffar» oder «Kuffir», während sie mit dem Finger über ihren eigenen Hals strichen und eine Enthauptung androhten. Was soll ich schon einer grün tickenden Studentin sagen, die Multikulti schön und gut findet, weil sie nie gesehen hat, wie ein junger Mann sich blutend die offene Bauchdecke zuhält, nachdem ihm dort mit voller Wucht mehrere Stiche zugefügt wurden. Darauf folgte das Schnalzen mit der Zunge, das ja so typisch für die Männer aus Anatolien oder Kairo ist, als sie den jungen Autor dieses Blogs in sehr jungen Jahren vom Ort des Geschehens wegjagten.

Weglaufen ist in Berlin einfach. Es wird immer kleine Refugien geben, sicherlich noch die nächsten Jahrzehnte, wohin man sich flüchten kann, wenn das Kiez dann doch nicht mehr so lebenswert ist. Wenn man also sagt, dass 87% der Berliner  sich für die Beibehaltung dieser Zustände ausgesprochen haben, dann muss ich eigentlich widersprechen und anmerken, dass die allermeisten, die von den übelsten Auswirkungen dieser Zustände betroffen sind, überhaupt nicht wählen. Die soziale Unterschicht, die eigentlichen Opfer dieser Globalisierung und Multikulturalisierung, sind passive Menschen. Sie haben sich von der Restrepublik längst abgemeldet und nehmen nicht mehr an ihrer Gestaltung im politischen Sinne teil. Was heute in Gremien und Landtagen sitzt, gehört meist der wirtschaftlichen und politischen Oberschicht oder Mittelschicht an. Und darin sehe ich einen fundamentalen Fehler in der Republik.  Der Sumpf, sowohl der deutsche, als auch der ausländische, wird sich selbst überlassen und der weiteren Versumpfung preisgegeben. Die deutsche Unterschicht ist aus der Demokratie ausgestiegen – Politikverdrossenheit nennen die Medien das.

Mcflurry mit Dschihad

Berlin Wedding ist dann in seiner globalistischen Vollendung zu erkennen, wenn die krankhaft übergewichtige Jenny bei McDonald sich einen Mcflurry bestellt, während draußen am Eck-Café  fünf arabische Männer mit Fusselbart über ihre Pläne für den großen Umsturz debattieren. Jenny ist hier trotz des mit 19 empfangenen Kevin Tony ein Einzelfall, der sich mit 45+ durch Diabetes oder Depression erledigt haben wird. Die fünf Freunde der Salafiya jedoch werden bleiben und spekulieren darauf, dass die Zukunft, die in ihren Familien und den Bäuchen ihrer Frauen heranwächst, ihnen gehört.

Bedauern. Ich bedauere dies als eine tragische Entwicklung, die nur schwer verständlich gemacht werden kann. Aber vielleicht kann man es ja in einem Satz zusammenfassen, den mir ein Kamerad bei den Feldjägern mal bei einer Fahrt durch die Müllerstraße sagte. Denn die feindlichen Blicke der Männer ringsherum um den Bundeswehr-PKW waren nicht zu übersehen. Sie saßen in ihren Schischa-Bars, in den Cafés und gingen in Begleitung vollverschleierter oder halbverschleierter Frauen über die Kreuzung. Und oft schauten sie dann zu unserem Fahrer, der sinngemäß dann meinte, dass sich das «wie eine Fahrt durch Kabul anfühlt». Damals sagte ich wohl etwas Bestätigendes wie: «Ja. Im Grunde fahren wir gerade nicht durch Deutschland, sondern durch Feindeslandes.»

Eine Zuspitzung, die man mir vergeben möge. Nicht jeder dort ist dem deutschen Staat feindlich gesonnen. Aber die allermeisten im Wedding würden wohl auch keine Träne vergießen, wenn es ihn nicht mehr geben würde. Die Bundesrepublik hat sich nach 1990 der Mission verschrieben, eine neue Utopie für die Menschheit zu erschaffen und dort erfolgreich zu sein, wo alle anderen vorher scheiterten.

Ein großer Irrtum.

 

Foto: CC-BY 2.0 / Christian Watzke


 


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