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Wenn die Türken wieder in Sarajevo stehen

Die Balkanvölker kämpften beinahe fünfhundert Jahre gegen die osmanischen Armeen der Sultane, stellten sich ihnen auf dem Amselfeld und anderswo in apokalyptischen Schlachten entgegen. Heute, knapp ein Jahrhundert nach der erlangten Unabhängigkeit, lässt sich der türkische Präsident Erdogan von Zehntausend seiner Anhänger in Sarajevo feiern. Die Symbolik ist groß, bedeutet sie doch, dass sich Ankara nicht davor scheut seine Macht auch auf dem Balkan wieder zu demonstrieren. Den Kosovo haben die Nachfahren von Karađorđe bereits an die Albaner, die NATO und ihre türkischen Verbündeten verloren. Jetzt stehen die jubelnden Massen der AKP wieder in einer Halle in einer Stadt, die als eine der ersten von den Osmanen vor langer Zeit erobert wurde. Satz und Sieg, könnte man sagen. Der Balkan verkommt zur Wahlkampfhalle der Türkei.

Ich rechne es Erdogan hoch an, dass er so viel Selbstbeherrschung hatte, um beim Betreten der Hallen nicht sofort in frenetischen Eifer zu verfallen und den islamischen Sieg über die verhassten Südslawen auszurufen, die sich der osmanischen Herrschaft so lange und erbittert widersetzt hatten. Was die Sultane vor ihm nicht vermochten, schafft Erdogan mit seiner AKP. Wie ein Gott in weltlichen Ruhmeshallen empfangen werden. Und das alles ohne, dass sein Auftritt in den europäischen Medien, was die Symbolik angeht, groß kommentiert wird. Wer glaubt, dass die nationalistisch aufgeladenen Türken keinen Eroberungstraum haben, in dem der Balkan nicht vorkommt, glaubt wohl auch an den Weihnachtsmann oder fliegende Einhörner. Sarajevo, einst serbisch und österreicherisch regiert, hat sich größtenteils dem Islam unterworfen.

Moscheen sprießen wie Pilze aus dem Boden, wo einst deutsche NATO-Soldaten den Balkan besuchten, als Joschka Fischer noch die Bombardierungen eben jener serbischen Stellungen belächelte, die heute scheinbar nackt nicht unweit von Sarajevo liegen.

«Seid ihr bereit der ganzen Welt die Stärke der europäischen Türken zu demonstrieren?» fragte Erdogan seine Heerscharen unter dem roten Banner, die ihm in heiß gebrüllten Parolen antworteten. Vor einigen Jahren bezeichnete er die Auslandstürken in Europa noch als die Zukunft des Kontinents, befahl ihnen viele Kinder zu kriegen und ihr Türkentum niemals abzulegen. Noch deutlicher kann man seine Absichten nicht klar machen. Noch deutlicher ginge es nur, wenn Erdogan morgen vor die Kameras treten würde und in gebrochenem Englisch erklären würde, dass er beabsichtigt Europa zu osmanisieren und zu islamisieren. Dass es hier im Westen noch Gehirnverbrannte gibt, die seine Absichten nicht erkannt haben, leugnen oder aber abstreiten, dass es sowohl Islamisierung als auch den türkischen Nationalismus einer wachsenden fünften Kolonne im Land gibt, spielt keine Rolle mehr. Er existiert, die Auswirkungen sind bereits spürbar, überall sichtbar für jeden, der keine Tomaten auf den Augen hat oder mit Watte in den Ohren durch die westlichen Metropolen läuft.

Erdogan ruft die Türken in Deutschland und in den anderen Ländern Europas zur Schlacht gegen die Ungläubigen. Sie sollen die Demokratien ihrer Gastländer unterwandern, dort Posten übernehmen und die türkische Sache vertreten. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an die Ermahnungen, die Erdogan vor einigen Jahren in Deutschland aussprach, als er allen Türken sagte, dass sie sich auf gar keinen Fall von ihrem Türkentum trennen dürften und Türken bleiben müssten.  Angesichts solcher Rhetorik muss man, ich kann es nur wiederholen, die feindliche Absicht der AKP erkennen und entsprechend reagieren. Die Türkei ist ein Feindstaat der EU, Europas und aller Völker westlich des Bosporus.

Die doppelte Staatsbürgerschaft für Personen aus nicht EU-Ländern war ein Fehler und muss abgeschafft werden. Und ein Wahlrecht für Ausländer und sei es nur auf kommunaler Ebene, ist eine Naivität, die sich Deutschland in diesen Zeiten und mit diesen Nachbarn nicht leisten kann.

Foto: Screenshot Youtube




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