Home Gesellschaft Großstadtschulen – immer nur Messerstechereien und Ticker auf dem Schulhof. Oder?

Großstadtschulen – immer nur Messerstechereien und Ticker auf dem Schulhof. Oder?

Großstadtschulen – immer nur Messerstechereien und Ticker auf dem Schulhof. Oder?

Ich möchte an dieser Stelle mit manchen Vorurteilen über Großstadtschulen, insbesondere über solche mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund (SuS mit MiHiGru) aufräumen. Zur besseren Einordnung mein persönlicher Hintergrund: Komplett in Süddeutschland aufgewachsen, dunkelblond, kartoffeldeutsch, Kindheit und Jugend auf dem Land verbracht. Wir hatten auf den Gymnasien einen überschaubaren Anteil an Mitschülern mit ausländischen Wurzeln. Gemobbt wurde ich in meiner Kindheit fast ausschließlich von «Kartoffeln». Manche Gründe lagen in mir selbst und dass ich der Kleinste und Schwächste war. Teilweise lag es aber auch daran, dass ich preußische Eltern habe und die Kinder mich daher ablehnten.

Lirum, larum, Löffelstiel, jedenfalls habe ich drei Jahre auf einer Nürnberger Oberschule verbracht. An meiner Uni erwähnte mein Professor, dass von den Nürnberger Neugeborenen im Jahre 2005 60% einen Migrationshintergrund hatten und die Zahlen von 2015 seitens der Stadt Nürnberg aus Imagegründen nicht erwähnt werden (vermutlich also um die 70%). Man kann also von diesem Hintergrund und der Annahme, dass man im Zweiten Bildungsweg sicherlich einen höheren Anteil an Schülern mit MiHiGru hat, dann davon ausgehen, dass wir auch jenseits der 50% lagen. Wir reden dabei von einer Schule mit 1500 Schülern. In meiner 11./12. Klasse hatten wir beispielsweise zwei Türkinnen, einen Rumänen, eine Ukrainerin, eine Ungarin, einen Polen und eine Aserbaidschanerin.

Vielleicht erwartet der werte Leser nun eine Cliquenbildung oder so etwas. Aber nein, man muss  klar sagen, dass wir uns im üblichen Rahmen relativ gut verstanden und die Cliquen nichts mit Nationalitäten zu tun haben. Auch auf dem Schulhof nicht – es gab schlicht und einfach keine Gangs. Keine Messer, keine Pistolen, kein Schutzgeld, keine Drogen. Zumindest dort nicht.

Stattdessen Bäume, die von den Nachwuchskünstlern des Gestaltungszweiges mit Wolle zugestrickt wurden. Mir ist in meinen drei Schuljahren an dieser Schule keine einzige Schlägerei begegnet, habe auch von keiner gehört. Religion war selten ein Thema. Eine Türkin kam immer mit Kleid und Kopftuch in der Hand und meinte aber von sich aus, dass sie das freiwillig tragen würde. Ich betrachte diese Aussage allerdings immer noch mit Argwohn. Aufgrund meiner Bartpracht wurde ich an unserer Lieblingsdönerbude um’s Eck mal scherzhaft gefragt, ob ich der Hajji bin. Drogen hingegen waren bei uns dann doch  ein Thema, als Mitschüler  in den großen Pausen begannen im benachbarten Asylbewerberheim ihren Stoff zu kaufen.

Man kann leider vom guten Miteinander an dieser Schule nicht auf die Nürnberger Gesamtsituation schließen. Ich wurde vor meiner Haustür als “Scheißdeutscher” von drei aggressiven Halbstarken (Russe, Türke und Kartoffel) beleidigt. Diese folgten mir ins Treppenhaus, aus dem ich sie dann rausprügelte. Der Kartoffel konnte ich einen Haustürschlüssel mit Hersteller und Nummer entreißen, den ich später der Polizei als Beweisstück übergab. Die Polizei wirkte weder an meinem Schutz noch an einer Ermittlung der Täter interessiert – sie kam 30 Minuten nach Alarmierung durch meinen Nachbarn und erkundigte sich nicht beim Schlüsselhersteller nach der Wohnung, zu der der Schlüssel gehörte. War traumatisierend! Ebenso die gelegentliche Gewalt im Nachtleben und im ÖPNV. Gefühlt richtig schlimm wurde es allerdings erst nach meinem Wegzug. Man sollte am Nürnberger Hauptbahnhof heute nicht mal mehr sein Handy auspacken, sonst wird man von Osteuropäern verfolgt. An meinem aktuellen Wohnort gehe ich meist nur mit Tactical Pen raus – wenns nach Nürnberg geht, wird grundsätzlich das Pfefferspray verdeckt geführt.

Als weiteren Kontrast werfe ich ein schulisches Negativbeispiel in den Raum: Die Clayoberschule in Neukölln, an der es zur Schulzeit meines Kommilitonen erst Dealer und Gangs und danach zwielichtige Securities gab. Man muss ganz klar differenzieren – an Großstadtschulen herrscht nicht immer das lustigbunte Multifriedefreudeeierkuchen, das uns viele Linke verkaufen wollen. Allerdings wird auch auf der rechten Seite viel Desinformation und Panikmache oder gar Hetzte über dieses Thema verbreitet. Sapere aude!

 



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