Home Gesellschaft Berlin 24/7 im April 2018: Schiller gefällig? Es geschehen noch Wunder, selbst in Berlin – «Spät kommt ihr, aber ihr kommt!»

Berlin 24/7 im April 2018: Schiller gefällig? Es geschehen noch Wunder, selbst in Berlin – «Spät kommt ihr, aber ihr kommt!»

Ein kleines Tagebuch für Berlin, wo ich erzählerisch und rückblickend zusammenfasse, was mir so im Alltag hier passiert, wenn es  subjektive Relevanz für das Politische und Gesellschaftliche hat. Da diese leicht autobiographischen Texte von den Klickzahlen immer recht gut angekommen sind, habe ich mich entschlossen das zur Regelmäßigkeit zu machen und extra dafür Notizen zu führen. Mehr Unterhaltung, als fundierter Sachartikel.

 

 

«Spät kommt ihr, aber ihr kommt!» – Schiller

Den Satz hätte ich gerne auf eine Torte in Zuckerguss gießen lassen, damit ich diese dann der  vermutlich linken Dame zu meiner Seite hätte übergeben können. Denn als ich vor ein paar Tagen mein Date von der Arbeit abholte und vor der Tür auf sie wartete, kam eine junge Frau aus dem Bürogebäude gestürmt, fummelte ganz aufgeregt und mit Tränen unterlaufenen Augen in ihrer Jackentasche herum, ehe sie ein Feuerzeug und eine Kippenschachtel hervorbrachte.  Sie war ganz ansehnlich und dürfte mein Alter gehabt haben. Da ich viel zu früh aufgeschlagen war, fragte ich sie nach einer Zigarette um die Zeit totzuschlagen und vielleicht ein Gespräch anzufangen. Sie hielt mir die Schachtel hin ohne was zu sagen, paffte bereits ziemlich aggressiv und starrte zur belebten Straße nahe Westend.

In solchen Momenten wünsche ich mir ein Kamerateam, welche diese Situationen für die Nachwelt festhält.

«Wasn los?» fragte ich ganz entspannt, während ich mit ihr zu qualmen anfing. Sie, die Haare zum «Bun» hochgesteckt, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und ich wappnte mich innerlich bereits für eine rührselige Geschichte über Liebe, Verrat und Hakan von Mc-Fit. Aber nein! Es kam ganz anders!

«Ich streng mich so krass an für diese Jungs weißte und krieg nur Scheisse zurück» , antwortete sie sinngemäß und schüttelte den Kopf, steckte sich die zweite Kippe an und musterte mich. Ich, immer noch tiefenentspannt, nickte nur und fragte natürlich wen sie mit «Jungs» meint und dass ich hier auf eine Freundin warte. «Ich unterrichte Geflüchtete», gab sie dann überraschend zu und erklärte sich dann sehr ausführlich, dass sie keinerlei Probleme mit Ausländern habe, niemanden verurteilen würde, keine Vorurteile hege und selbstverständlich nicht pauschalisieren will. Aber leider, leider, leider war es wohl so, dass ihr einige ziemlich bekloppte Kandidaten aus dem Irak eben Beleidigungen an den Kopf geworfen haben.

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«Was soll ich nur mit denen machen? Wo soll’n das hinführ’n?» Wieder wird geheult, die Nerven liegen blank. Der gute Wille der lieben deutschen Gutmenschinnen mal hautnah und live.

Dazu sind sie wohl angeblich ständig laut, hören nicht auf Anweisungen und stören alle im Kurs, die etwas lernen wollen, was nicht sonderlich viele seien. Ich höre nur zu, nicke, sage gar nichts und noch bevor ich mir einen guten Kommentar für die Dame zurechtgelegt hatte, erschien mein Date in der Tür und blickte uns beide neugierig an. In diesem Moment muss ich mich rückblickend wirklich selber kritisieren, weil mir kein guter und lustiger Kommentar für ihre Situation eingefallen ist. Ich sagte sogar den dümmsten Satz, den man in so einem Fall sagen konnte.

«Hey, du schaffst das schon und Kopf hoch.»

Ich hab dem Mädel versehentlich echt den Satz von Angela Merkel im Singular an den Kopf geworfen. War es das plötzliche Erscheinen meiner weiblichen Begleitung für den Nachmittag oder einfach der ganze Qualm im Schädel? Nachträglich fallen mir eine halbe Millionen Sätze ein, die klüger, passender und markiger gewesen wären.

Der einzige Trost ist wohl, dass sie bei der derzeitigen Lage wohl öfter noch vor der Tür heulend und rauchend stehen wird und dann vielleicht mal selbst auf des Rätsels Lösung kommt.


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