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Kartoffeln mit Datteln gleichsetzen

Kartoffeln mit Datteln gleichsetzen

In Zeiten von Krisen ist es immer gut, wenn man anhand von vergangenen Erfolgen Perspektiven gewinnen oder einfach nur Hoffnung beschwören kann. Auch in der Flüchtlingskrise wird das praktiziert. Wie ich finde: zu recht. Doch es gibt auf Seiten der radikalen Masseneinwanderungs-Anhänger natürlich einige Aktivisten (im hier behandelten Fall ProAsyl und Volksverpetzer), die das übertreiben und dabei weit über ihr Ziel hinausschießen.

Wir haben uns schon intensiv mit der gänzlich falschen Behauptung auseinandergesetzt, die aktuelle Einwanderungskrise von hunderttausend kulturfremden Menschen, könne mit den Flüchtlingsströmen von 1945, 1989ff. oder sogar mit der Einwanderung der Hugenotten nach Preußen  gleichgesetzt werden. Natürlich lässt sich dort viel Gutes, zu.  Beispiel Solidarität  finden oder auch viel Schlechtes. Zum Beispiel wie die  ostdeutschen (45er) Vertriebenen behandelt wurden. Doch vergleichbar ist es einfach nicht.

Wir haben schon aufgeschlüsselt: Es fällt der kulturelle und der administrative Unterschied ins Auge. Auch die geopolitische Lage, schlichtweg die große räumliche Trennung machen einen Vergleich schwierig, eine Gleichsetzung unsinnig.

Doch im Kampf um die moralische Deutungshoheit greifen diese Aktivisten in die populistische Mottenkiste einfacher Vergleiche. Ein Vorwurf, den sie selber gerne ihrem politischen Gegner machen. Mottenkiste trifft es dabei sehr gut, da sie auf einen Artikel von 1990 zurückgreifen, in dem Sätze stehen, die auch heute fallen. Sicher sind sie ein Lehrstück für alle, die meinen “dass deutsche Männer nur Fußball spielen” würden, wenn sie in Auffanglager gesteckt werden.

Bildschirmfoto von Volksverpetzer Link: https://www.facebook.com/volksverpetzer/posts/2019924021580871

Im besagten Spiegel-Artikel von »Wieso kommen die noch?« vom 19.02.1990 geht es heiß her: » Der Sozialdemokrat verweist auf sozialpsychologische Studien, denen zufolge sich der Patriotismus der Westdeutschen vor allem auf die ökonomische Leistung stützt. Dieser “Wirtschaftspatriotismus” schlage jedoch rasch in “Wohlstandschauvinismus” und in “ausgrenzende und fremdenfeindliche Gefühle” um, sobald jemand – wer auch immer – einen Anteil am Wohlergehen beansprucht. […] Sein Kölner Amtskollege Lothar Ruschmeier bestätigt: »Die Auswüchse gehen über das normale Maß hinaus.« Städtische Bedienstete seien nachts überfallen und beraubt worden, Mitarbeiterinnen der Verwaltung würden sexuell belästigt. “Dauernd Trouble mit den Alkis”, meldeten auch Mitarbeiter im West-Berliner Aufnahmelager Marienfelde ihrer Sozialsenatorin. […] Der Frust setzt Aggressionen frei oder wird im Alkohol ertränkt. In der Bochumer Turnhalle, in der Übersiedler Martin Laubsch mit ungewissem Ende ausharrt, fuchtelt ein Mann mit einer Gaspistole herum, aus einer Ecke der Halle ertönt Gebrüll: Ein volltrunkener Bewohner hat seinem Bettnachbarn aufs Laken gepinkelt. «

Wer jetzt sich denkt: »Ha, Punkt für ProAsyl! Deutschland ist scheiße und das sind die Beweise! Außerdem ist es ja nie zu den angekündigten Katastrophen gekommen«, irrt. Denn der weitere Text lehrt uns mehr.

Im restlichen Absatz  wird nämlich der Typ des »Übersiedlers« geschildert und um es kurz zu machen, waren darunter eben auch die Typen, die aktuell Ärger machen. Im Text heißt es weiter: »Von den 200 Übersiedlern, die in den letzten drei Monaten beispielsweise nach Herne kamen, sind nach Angaben der Stadtverwaltung rund 50 gesellschaftliche Außenseiter: Alkoholiker, Drogenabhängige, Prostituierte, psychisch Kranke. Ein Teil der Zuzügler kommt nach Beobachtungen der Ämter direkt aus dem Gefängnis. Andere nutzen die Ausreise, um sich lästigen Alimentenzahlungen zu entziehen; beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in München sind seit Mitte November rund 20 000 Anfragen von alleingelassenen Frauen eingegangen« Autsch. Freilich möchte ich hier nicht jedem »Ex-Übersiedler« unlautere Motive unterstellen,  aber es zeigt eben auch, was eine ungeregelte »Einwanderung« anrichten kann.

Auch die Erwartungshaltung war entsprechend »naiv«: »Wie sie ihn [die Übersiedlung – Anm. cundar] sich vorgestellt haben, darüber gibt eine Untersuchung der “Forschungsgruppe Übersiedler” an der Universität Bochum Auskunft. Von 900 ehemaligen DDR-Bürgern, die im Januar befragt wurden, erhoffte sich knapp die Hälfte in erster Linie ein Leben mit Gefriertruhe, Volkswagen und Farbfernseher sowie bessere Arbeitsbedingungen. Wünsche nach Reise-, Meinungs- und Pressefreiheit, die vor der Grenzöffnung im November häufig an erster Stelle genannt wurden, spielen jetzt kaum noch eine Rolle.« Wir erinnern uns hier an die Afghanen, die die 2000 € Begrüßungsgeld erwartet haben oder die Zettel auf den »Ich will fucken« geschrieben steht.

Die Reaktionen der Kommunen sprechen zu dem Bände, war man doch schneller — dem Text nach — bereit, sich für Aufnahmestopps auszusprechen. Heute dauerte es ja fast 2 Jahre, bis Gemeinden sich dazu durchgerungen haben, umfassende Aufnahmestopps auszusprechen.

Da sind wir bei der administrativen Ebene. Hier geht es um den Umgang mit der Problematik. Denn während wir in den zurückliegenden Jahren einen gewaltigen Flüchtlingsansturm (nach europäischen Maßstäben)   aus einigen Weltteilen erdulden durften, handelte es sich damals über ein vorwiegend  innerdeutsches Problem. Außerdem war das Ende absehbar und ist heute unser Nationalfeiertag: Mit dem 3. Oktober 1990 war die Zeit der Übersiedlung vorbei. Natürlich blieben noch über Jahrzehnte soziale Verwerfungen übrig, doch die Lage wurde administrativ geregelt, denn sie lag in einer Hand: Die der deutschen Regierung! Kein Vergleich mit hunderttausenden Flüchtlingen aus verschiedensten Ländern mit unterschiedlichen existierenden oder nicht existierenden Regierungen und damit der zwangsweise verbundene Import von ausländischen Konflikten und Verhaltensweisen, die  Dank der modernen  Kommunikationstechnologie auch weiter von Außen bestärkt werden können.

Auch wenn ProAsyl und Co. durch dieses Wiederfinden des Spiegel-Beitrages eine interessante Perspektive auf den »Wohlstandschauvinismus« der Bundesrepublik eröffnet, leistet sie der Diskussion um die »Flüchtlingskrise« einen Bärendienst. Beziehungsweise sie liefert genug Argumente für strengere Grenzkontrolle, mehr Aktivitäten in den Heimatländern und für eine durchsetzungsstärkere Administrative.

 


 


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