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Die guten Offiziere schaffen es nur selten nach ganz oben – ein Gastbeitrag

 

Ein Gastbeitrag von Ludwig, 32, noch im aktiven Dienst, macht gerade den Berufsförderungsdienst

 

Als Christian Lindner vor etwa einem Jahr in einer fulminanten Rede Partei für die Soldaten ergriff und gegen die Willkürjustiz von der amtierenden Verteidigungsministerin austeilte, bekam er dafür bei der Wahl meine Stimme. Ich, der ja ansonsten ein absolut unpolitischer Mensch bin, habe gewählt und war durch die Ereignisse des Jahres 2017 dazu verpflichtet worden. Da ich noch aktiv bei der Truppe diene, will ich gar nicht so explizit auf unsere ehrenwerte Verteidigungsministerin eingehen. Es geht mir vielmehr um ein generelles Führungsproblem im deutschen Offizierskorps, welches viel weniger Freiraum für den freien Geist lässt, als es zugeben will.

Denn ich hatte das große Glück unter Generalmajor Walter Spindler zu dienen und war wie die meisten anderen Kameraden zutiefst empört und wütend über seine ungerechtfertigte Absetzung. Weil da hatten wir doch endlich mal einen guten Anführer, einen belesenen und gebildeten deutschen Offizier vom alten Schlage, der sich immer schützend vor seine Truppe stellte, politische Kampagnen abwehrte und stets schaute, maßregelnd und maßvoll zu handeln. Er neigte nicht zu hysterischen Überreaktionen. Nein, ganz und gar nicht. Ich empfand ihn immer als fair und kann das behaupten, weil ich in meiner Funktion im selben Gebäude wie er tätig war.

Beim Ausbildungsskandal in Pfullendorf wurde anständig ermittelt und noch bevor irgendwelche gesicherten Ergebnisse draußen waren, schossen die Medien sich bereits auf Spindler ein. Man suchte ein Bauernopfer und ich habe so den Verdacht, als hätte die politische Führung sich hier von den Zeitungen und Medien vorschnell zu einer Entscheidung drängen lassen. Zu keinem Zeitpunkt ist mir zu Ohren gekommen, dass sich die Verteidigungsministerin vor Ort um Aufklärung bemüht hat, das Gespräch suchte oder überhaupt ernsthaft Informationen über die Vorfälle einholte. General Spindler erfuhr von seiner Absetzung ja in den Nachrichten und nicht etwa durch ein persönliches Gespräch, wie das üblich und angemessen gewesen wäre. Ich weiß noch, wie wir die Gänge des Gebäudes auf und ab gegangen sind und nicht so recht fassen konnten, was gerade passiert war. Einige Zeit später gingen dann auch die Kameraden «ohne Namen und Dienstgrad» bei uns ein und aus. Wehrmachtsdevotionalien und «Haltungsprobleme».

Die Staatsanwaltschaft stellte übrigens Monate später fest, dass die Behauptungen der Soldaten( eher Soldatinnen) grob übertrieben seien  und sich keine Beweise finden konnten. Auch ein Zwang konnte nicht festgestellt werden! Nur das hilft dem General Spindler nicht. Rückwirkend gab es keine Entschuldigung und keine Rehabilitation für General Spindler. Mit ihm hat die Bundeswehr einen guten Offizier und General verloren, der sicherlich niemals Generalinspekteur hätte werden können, weil er zu viele Ecken und Kanten, ja zu viel Charakter hatte. Ich erlaube mir das zu sagen, weil ich in einigen Monaten sowieso ins zivile Leben entlassen werde und in die Vereinigten Staaten oder die Schweiz auswandern will.

Was ich eigentlich sagen will ist folgendes:

Viele gute Offiziere meines Jahrgangs, haben es niemals über den Oberleutnant oder Hauptmann hinweg geschafft. Sie sind keine Berufssoldaten geworden oder wollten dies auch nicht. Viele sind Idealisten gewesen und solche Typen, die einfach eckig sind und manchmal auch Kopfschmerzen verursachen. Ein guter Kamerad von mir schaffte es bis zum Hauptmann und war unendlich beliebt bei seinen Männern. Solche Männer von einem Schlage, wie es ihn nur noch selten gibt. Ich bin keiner von ihnen und weiß doch, dass ich meinem Kamerad Hauptmann XY in den Kampf und in den Tod gefolgt wäre, weil ich wusste, dass er wirklich sein Bestes geben würde, um uns zum Erfolg zu führen. Kamerad XY sprach mit Eifer in der Stimme und seine Augen glühten für diesen Beruf, die Berufung zum Soldaten. Jedoch eckte er häufiger mit seinem Bataillonskommandeur an und neigte dazu, nicht zu allen Dingen Ja und Amen zu sagen.

Auf der anderen Seite kannten wir alle einen anderen Hauptmann, der eher unscheinbar war und sich nur selten mit den Männern seiner Kompanie ins Feld begab. Man hörte ja viel von den Kameraden, die unter ihm dienen durften und ein sehr distanziertes Verhältnis zu diesem Mann aufgebaut hatten. Er war weder sonderlich fit noch sonderlich charismatisch. Aber er kam sehr gut denen zurecht, die seine Bewertungen schreiben und darüber entscheiden, ob er Berufssoldat und Stabsoffizier werden kann oder eben nicht.

Aber jetzt raten Sie mal: wer ist wohl Berufssoldat geworden?

Ist in der Wirtschaft und im Büro wahrscheinlich nicht viel anders! Der Kerl, der am besten mit dem Chef zurechtkommt, kriegt die Beförderung. Aber für eine Armee bedeutet das, wenn sich mein subjektiver Eindruck auch über die gesamte Armee ausbreiten lässt, dass die schmierigen und etwas unscheinbareren Offiziere, die konform denken und tun, am ehesten befördert werden. Diese guten Bürokraten, die das Händeschütteln und den Sektabend im Kreise der Sternegeneräle zum Beruf gemacht haben, laufen um die Ministerin herum. Sie kreisen wie die Gestirne um die Politik und von denen ist natürlich nicht zu erwarten, dass widersprochen wird. Warum überlässt man die harten Worte und die Kritik eigentlich immer den Reservisten vom Verband, den Generälen a.D. und anderen Leuten, die sowieso schon aus der Truppe raus sind?

Generalmajor Spindler und Generalmajor Trull waren bei uns Soldaten beliebt, weil sie auch mal Schnauze wagten und sich vor ihre Soldaten stellten. Führung von vorne!

In der heutigen Bundeswehr gibt es leider sehr viele Offiziere, die das nicht mehr können und mehr dafür interessieren, wie viele Sterne sie auf der Schulter tragen. Warum kann ich das sagen? Weil ich selber seit 2006 dabei bin und weiß, wie viele in der Truppe ticken.

Aber das ist ja auch der Grund, warum ich Deutschland den Rücken kehre. Obrigkeitshörigkeit ist die Krankheit der Deutschen, die sie auch nach 70 Jahren Bundesrepublik noch nicht abgelegt haben. Hier im Land ist man endlos autoritätshörig und selbst die FDP versteht nicht wirklich, was echter Liberalismus ist, wie er noch in anderen Staaten dieser Erde vorgelebt wird. Die Autoritätshörigkeit zieht sich durch alle Organe unseres Staates – weit darüber hinaus, was noch als gesund gelten kann. Das ist in allen Parteien und allen Staatsorganen so. Auch eine latent fremdenfeindliche AfD ändert daran nichts, die mit Autokraten wie Höcke und co. keine Veränderung für dieses verlorene Land bringen kann.

Die Deutschen sind treu und sie folgen auch notfalls in den Untergang: ohne sich zu beschweren. Auch als Liberaler muss man den Nationalkonservativen im Land in einer Hinsicht zustimmen! Die Deutschen sind mit einer Volksseele ausgestattet, nämlich der von der Sagenfigur des Hagen von Tronje, der in Nibelungentreue gegen alle Vernunft in den Tod geht, damit er vor den germanischen Göttern wenigstens sagen kann, dass er treu war. Treudoof, aber eben treu!

 

 

Seine Majestät hat Sie zum Stabsoffizier gemacht, damit Sie wissen, wann Sie nicht gehorchen müssen – Friedrich der Große ; Zeit


 

 

 

 

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