Home Gesellschaft “Babylon Berlin 24/7” – Februar 2018: “Scheisse, boah ey Mindy! Musst du kotzen?”

“Babylon Berlin 24/7” – Februar 2018: “Scheisse, boah ey Mindy! Musst du kotzen?”

Ein kleines Tagebuch für Berlin, wo ich erzählerisch und rückblickend zusammenfasse, was mir so im Alltag hier passiert, wenn es  subjektive Relevanz für das Politische und Gesellschaftliche hat. Da diese leicht autobiographischen Texte von den Klickzahlen immer recht gut angekommen sind, habe ich mich entschlossen das zur Regelmäßigkeit zu machen und extra dafür Notizen zu führen. Mehr Unterhaltung, als fundierter Sachartikel.

 

Irgendwann am frühen Nachmittag, in den ersten Tagen des Februars, führt mich die Rolltreppe am Hauptbahnhof vom Regionalzug nach oben. Das pinke Plakat von Katjes begrüßt mich zurück in der Stadt meiner Geburt. Lecker Zuckergummi mit einem Kopftuchmädel, welches eigentlich gar keine Muslima ist, sondern ein angeheuertes Kuffar-Model. Aber hier gehts ja nicht um Authenzität, sondern um den Verkauf eines Gefühls. Wir sind hip, modern, weltoffen, toleranzbesoffen und singen «We are the World» nach den islamistischen Anschlägen, um uns irgendwie besser zu fühlen. So tut man etwas, ohne wirklich etwas zu tun und kann sich dann auf die Schulter klopfen. Love trumps hate!
Am Bahnhof rennen drei Afrikaner, zwei Männer und eine Frau, die Treppe herunter und unterhalten sich quasi brüllend in ihrer Landessprache – das muss so ein Tick bei Südländern sein. Mein Onkel brüllt mir auch jedes mal ins Telefon, statt sich wie ein normaler Mitteleuropäer mit mir zu unterhalten. Der eine fängt an zu tanzen, eine Flasche Alkohol in der einen Hand, während er mit der anderen wild in der Weltgeschichte herum gestikuliert. Alle Berliner ignorieren die drei Personen einfach. Das können wir richtig gut. Kackt jemand gerade in die Bahn? Ignorieren. Hört ein junger Kerl lautstark anatolische Musik auf dem Handy? Ignorieren. So tun, als sei man selber unsichtbar!

Ein paar Minuten später stehe ich an der S-Bahn, sitze dann wenige Sekunden später einem hübschen Mädel gegenüber. Sie? Eindeutig italienisch, wenn die Sprache und die Flüche nicht zur Beweisführung reichen sollten: an der wilden Gestik ihrer Hände beim Telefonieren mit ihrem Freund erkennt man es auch. Die ganze Bahn ist voll mit Reisenden, die meisten Pendler auf dem Weg von oder zur Arbeit. Da hängt ein Student gebeugt über einer Zettelsammlung, die schmalen Schultern rahmen den bärtigen Kopf nicht sehr gut ein, lassen ihn wirken, als hätte er einen sehr langen Hals. Dann gehen die Türen auf und die üblichen Verdächtigen betreten die Bahn. Mit Musikbeschallung und bestialisch miserablem Gesang wird das immer gleiche Lied in mein Ohr geballert. Jeder Berliner kennt diese Kerle, wenn er mit der S-Bahn fährt. «Hit the road Jack!» krächzen diese dunkelhäutigen Typen, bei denen ich echt keine Ahnung habe von wo die kommen. Mehr als «Hit the road Jack» kriegen sie auch nicht vom Text hin. Danach wird meistens nur irgendwas gestammelt und geschaut, dass Geld in den Hut kommt.

 

Wenige Minuten später steige ich aus, steige um und fahre eine Weile mit dem Bus. Ich komme an einer Kirche vorbei, mitten in Kreuzberg, wo doch tatsächlich ein weißes Plakat mit der Aufschrift «Rechtspopulismus schadet der Seele!» prangert. Ich schmunzel und mache ein Foto. Ich vermute, dass das eine evangelische Kirche ist. Jedenfalls erinnert mich das sehr an meinen Besuch in Wittenberg im letzten Sommer, wo es zu 90% um politische Themen ging und Gott, wenn man dort wirklich an ihn glaubt, nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die völlig entkernte evangelische Kirche in Europa ist ein Wrack, leer, tot und hässlich. Der Mastrubationsverein für linksgrüne Ideologen, die ihrer eigenen Abschaffung durch ihre Naivität Vorschub leisten. Im Dritten Reich waren sie ja die ersten und eifrigsten Jünger des Nationalsozialismus. Nicht grundlos sind sie heute am lautesten für Refugees-Welcome und No Border unterwegs. Da gibt es einfach nicht mehr viel echte Überzeugung für den eigenen Glauben – also muss ein Ersatz her.

Ich treffe mich mit einem neuem Freund im Hobbyladen für Tabletop, der mir das Spiel Kings of War zeigen will. Wahrscheinlich um mich ein wenig aufzuheitern. Der Laden tut es mir sofort an, lässt Kinderherzen höher schlagen und wenn ich mehr Zeit und wesentlich mehr Geld hätte, dann wäre ich wohl mit mehreren Einkaufstüten herausgegangen. Aber so begnügte ich mich mit dem wirklich guten Tabletop-Spiel Kings of War.

Als wir den Laden nach ein paar Stunden wieder verlassen, fällt mir der ANTIFA ZONE-Aufkleber am Fahrradständer auf.  Erst will ich ihn entfernen. Dann jedoch wirft mein Begleiter ein, dass ja wohl nicht «mein Fahrradständer ist» und es wohl besser wäre, wenn ich es mir nicht mit den Besitzern des Ladens verscherze.  Aber naja – wir sind ja in Kreuzberg. Nur wenige Meter weiter ist die Hasenheide, wo viel mit Drogen gehandelt wird, zugedröhnte Dealer und deutsche Jugendliche von Greiftrupps der Polizei hin und wieder abgeschleppt werden.

 

Brauch jemand eine Matratze, ein paar Möbel für die Studentenbude? Vermutlich liegt der Unrat auf dem Bild hier immer noch dort. An der Bushaltestelle quillt der orangfarbene Mülleimer über, während etliche Gesichter an mir vorbeiziehen. Auffällig viele junge deutsche bzw. europäische Frauen, studentischer Typ, und extrem viele arabische und türkische Männer. Schwarzbärtige Kerle mit Lederjacke. Fast so wie ich eben.  Hier und dort sitzen Männer in Cafés, die keine sind. So eingepferchte kleine Schmuddelcafés mit kaum sichtbaren Namensschildern, die ausschließlich von Wasserpfeife rauchenden Typen besucht sind.

 

Witzigerweise musste ich irgendwie an meinen alten Lebenskunde Lehrer denken. Ein evangelischer Christ mit kurzen braunen Haaren, grauem Hemd und hoher Stimme, der uns in der fünften oder sechsten Klasse Kondome über Bananen ziehen ließ, viel über Sex sprach und sein humanistisch verkorkstes Weltbild auf die Jugend ergießen durfte. Mittlerweile misstraue ich kirchlichen Vertretern über 40, die junge Teenager Kondome über Bananen streifen lassen. Aber er spielte uns auch mal ein Lied von einer rechten Rockband vor, wo gesungen wurde: «Ali-Gangs ziehen durch die Nacht, was habt ihr aus Berlin gemacht? Berlin bleibt DEUTSCH! Berlin bleibt DEUTSCH!»

Natürlich ging es um Aufklärung über Rechtsextremismus. Damals noch kein großes Thema für mich mit ca. 12 Jahren. Schlechte Erfahrungen hatte ich sowohl mit Neonazis als auch mit Ali-Gangs aber bereits gemacht. Der Witz an der Sache ist aber, dass die Ali-Gangs eben wirklich durch die Nacht ziehen. Ansammlung von Neonazis hingegen findet man allerhöchstens noch in Marzahn oder Lichtenberg. Und selbst dort ist das eher eine Seltenheit.

Wenigstens ist die Reklame jetzt auf Arabisch. Inschallah! Berlin ist, entgegen der zornigen Worte rechter Sänger, nicht deutsch geblieben, sondern erlebt in weiten Teilen eine Arabisierung. Kurz schaue ich auf die Klingelschilder der Straße und finde wenig überraschend fast keinen einzigen deutschen Namen mehr. Aber wie sagt man beim Bund? Isso.

 

 

Ein paar Tage später stehe ich eines Abend am Ostkreuz, kurz vor dem großen Bahnhof auf offener Straße. An einer Laterne stehen zwei junge Mädchen, beide Deutsche. Die eine steht völlig entsetzt neben ihrer Freundin, die hockend auf den Boden kotzt. Ein lautstarkes Plätschern erfüllt die Nacht. «Scheisse! Boah ey…» stöhnt die eine, die nicht kotzen muss und wirkt als wäre sie auf Droge. «Mindy musst du kotzen Mindy(oder vielleicht war es Minni, keine Ahnung)?» fragt sie atemlos, während ihre Freundin sich die Seele aus dem Leib würgt. Ich bleibe kurz stehen.

«Braucht ihr Hilfe?»

«Was, nein?» erwidert die Stehende. Ihre Augen sind blau, glasig und sie schwitzt stark, obwohl es Minustemperaturen sind und sie extrem dünn angezogen ist. Die Party kann nicht weit weg gewesen sein.  Sie trägt eine blaue Jeansjacke, keinen Schal um den blassen Hals und die braunen Haare zum Zopf gebunden. Irgendwie nimmt sie weder mich, noch ihre kotzende Freundin richtig war. Wie war das? 40-50% aller Partygänger in Berlin nehmen harte Drogen? Sagte zumindest eine Studie kürzlich. Ich glaube das gerne. Nichts ist einfacher als zugedröhnte Mädels im Club abzuschleppen, wenn man das will. Da fallen bei denen die Hemmungen schneller als die Höschen, während sie einem erzählen, dass sie einen Freund haben, den sie lieben und nie betrügen würden. Aber deswegen geh ich auch nur noch selten in den Club.  Darüber muss man sich übrigens nicht wundern bei mir. Ich merke mir die Gesichter und Merkmale von Menschen fast immer sehr gut. Man könnte mich auf die Streckbank packen und mich fragen, welche Augenfarbe und Nasenform Person XY hatte, die ich vor 10 Stunden kurz vor mir in der S-Bahn auf dem Sitz gegenüber gesehen hatte und ich würde es wahrscheinlich wissen. Ich wüsste vielleicht auch noch was sie trug, wie groß sie war und so weiter. Ich halte das ja eigentlich für eine nützliche Eigenschaft an mir.

Dem Mädel am Boden, die sich halb selbst bereiert hat, gebe ich noch ein Taschentuch, bevor ich weiterziehe. Am Ostkreuz kriege ich tatsächlich noch einen Burger bei Mcdonalds und freue mich darüber, dass ich in der Großstadt wohne. In einer Kleinstadt wäre ich wohl hungrig nach Hause gegangen. In der Bahn teile ich mir die Strecke mit einem Alpha-Kevin in Jogginghosen und Basecap, dessen rot unterlaufenen Augen mich von der Sitzbank vorne hin und wieder mustern. Eine Station oder zwei später steigt ein weiterer Kerl hinzu, der wohl westasiatische Eltern hat. Vielleicht ein Pakistani, der sich ebenfalls kurz umsieht und dann Musik hört. Auch er wirkt für mich wie ein Student oder jemand, der hier zumindest einer geregelten Arbeit nachgeht. Er ist anständig gekleidet, ohne Fusselbart und wirkt einfach nicht so, als sei er mit sonderlich viel Testosteron gesegnet. Ich schalte ab, lasse die Augen kurz ruhen und gestatte mir unachtsam zu sein. Kurz vor meiner Endstation steigt dann echt noch einer zu, mit dem ich nicht gerechnet habe. Hier im tiefsten Südosten gibt es sie noch. Ein Kerl mit Thor-Steinar Jacke, grauem Bart und breiten Schultern. Er guckt mich und den Pakistani kurz streng an, als wolle er uns wissen lassen, dass er uns hier gesehen und registriert hat. Okay. Ich versuche ihm das nicht prinzipiell zu verübeln und nehme mir vor den schwarzen Bart etwas zu stutzen. Noch ein paar Zentimeter mehr und ich könnte in einem spontanen Anfall von Allahu-Ackbar explodieren. Zumindest denkt Mr. Thor-Steinar das wohl. Der Pakistani ist ein waschechter Berliner in dieser Hinsicht. Denn er tut einfach so, als sei er unsichtbar. Derweil liefere ich mir ein kurzes Duell der Blicke mit dem Thor-Steinar Kerl, ehe ich aufstehe und aussteige.

Wird die Marke nicht von einem Araber in den arabischen Emiraten oder so vertrieben? Mir war so.

Kurz vor meiner Wohnung sehe ich dann tatsächlich, dass das Licht in der ominösen Pizzeria noch brennt und zwei südländische Typen sich darin unterhalten. Obwohl die Pizzeria ja eigentlich um 23 Uhr oder so schließt.  Ein schwarzes Auto parkt auf dem Bürgersteig gegenüber, obwohl dies natürlich nicht erlaubt ist.

Kurz vor 2 Uhr in der Nacht schaffe ich es tatsächlich ins Bett zu kommen.

 


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