Home Militär Wie unsere Armee dem Verfall preisgegeben wird und warum uns das angeht

Wie unsere Armee dem Verfall preisgegeben wird und warum uns das angeht

 

Ich wünschte ehrlich, dass ich dem geneigten Leser mit guten Neuigkeiten zu unserer Bundeswehr dienen könnte. Aber neben nicht seetüchtigen U-Booten, fehlenden Waffen und niedriger Moral, erreichte uns kürzlich eine neue Schreckensmeldung. Die einsatzfähigen Schiffe sind aus. Die Marine soll laut Hans Peter Bartels (SPD-Wehrbeauftragter) die maritimen Einsätze zurückfahren.

Die Bundeswehr hat viele Baustellen: die größte ist jedoch ihr anhaltendes Führungsproblem, welches sich von der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aus durchzieht bis hinunter in die Mid-Level militärische Führung, die in absoluter Hörigkeit und mit abgestumpften Hörnern die Zustände hinnehmen kann, ohne dagegen offen zu protestieren. Am Wochende beriet ich mich in meinem Heimatort mit einem alten Kameraden, einem Luftlandepionier aus Seedorf, der nach DZE zum Vollzeitvater geworden ist. An ihn war in den letzten Wochen ein alter Kamerad der Reserve herangetreten, der ihn am frühen Vormittag in ein längeres Telefongespräch verwickelte. Der Grund: man wollte ihn als ehemaligen Soldaten und erfahrenen Luftlandepionier für die sogenannte RSU-Kompanie in unserem Rheinland gewinnen. Er lachte herzlich und legte dann irgendwann auf. Und das tat er nicht, weil er die Bundeswehr hasst oder das Soldatsein verschmäht!

Er tat es, weil uns allen bewusst ist, dass die Dienstbedingungen in der von Ursula von der Leyen und der CDU geführten Truppe miserabel sind und sich in naher Zukunft auch nicht bessern werden. Hinzu kommt, dass die RSU-Kompanien am unteren Ende der Nahrungskette der Bundeswehr stehen und nur sehr dürftig ausgerüstet sind. Als Vater von zwei Kindern und Ü30 Mann hat man(n) doch besseres zu tun, als fürs Vaterland in ausrangierter Ausrüstung durch den Wald zu pirschen, dafür das freie Wochende zu opfern und weder genug Geld noch Respekt von der Bevölkerung zu bekommen.

Dennoch legte er beim Kaffee eine besorgte Miene auf und ich verstand ihn sehr gut. Unsere Bundeswehr ist weder einsatz- noch verteidigungsbereit. Mein Kamerad engagierte sich auch einige Jahre in der freiwilligen Feuerwehr bei uns und weiß, wie schlecht unsere Region auf echte Ernstfälle vorbereitet ist und wie fatal es für die Bürger wäre, wenn man unser Land wirklich mit einer Katastrophe prüfen würde. Die RSU-Kompanien sind eine gute gemeinte Idee, kommen aber zu spät und sind längst nicht stark genug, um ein umschließendes und funktionierendes Schutzsystem zu bieten. Unsere Armee verfault, was größtenteils die Schuld schlechter Führung und fehlender Priorisierung der Politik ist. Aufhalten lässt sich die Abwärtsspirale nicht mehr und wir stimmten darin überein, dass der mündige Bürger sich umschauen muss, wie er sich besser mit seinen Mitmenschen im Ort vernetzen kann. Also tauschten wir Kontaktdaten aus, sprachen über verlässliche Leute in der Nachbarschaft, diskutierten Fähigkeiten und machten uns daran, eine Telefonkette zu organisieren, die es bis dato im Ort nicht gab und vielleicht einmal nützlich sein könnte, wenn wirklich etwas passiert. Wer informiert wen, wenn die «Kacke am dampfen ist»?

Danach involvierten wir auch die Frau des Hauses, die uns dabei half den Keller zu entrümpeln und dann mit dem Audi losfuhr, um Einweggläser und einige andere Gefäße zu besorgen. Ich beschäftigte mich derweil mit den Kindern im Garten, denen der mögliche Ernst unserer Lage im Land gar nicht bewusst war. Mit etwas Glück würden sie natürlich niemals in eine solche Situation kommen und ich bete dafür, dass Gott uns ein Leben in Frieden ermöglicht. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Zeiten wieder dunkler werden und uns die marode Bundeswehr dann nicht schützen kann, wenn etwas passiert.  Hier im Raum Aachen, im Herzen der westdeutschen Bundesrepublik, verdient man zwar gut Geld und lebt in relativen Komfort. Jedoch ist für jeden mit Augen im Kopf ersichtlich, dass der Staat an Substanz abgebaut hat und der Wiederaufbau dieser Substanz wohl Jahrzehnte dauern würde, wenn denn der politische Wille dafür vorhanden wäre.

Und das ist er nicht.

 

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