Home Geschichte Die Trưng Schwestern – Kriegerinnen als Mythos einer Nation

Die Trưng Schwestern – Kriegerinnen als Mythos einer Nation

Es heißt, dass die Trưng Schwestern mit Schwertern bewaffnet auf die Schultern der marschierenden chinesischen Soldaten  hüpften und von einem Mann zum nächsten Mann springend ihre Feinde enthaupteten. Sie ritten auf Elefanten und kämpften mit dem Segen und dem Kriegsglück einer noch schamanistischen Geisterwelt, die den Kriegerinnen bei der Befreiung Vietnams vom chinesischen Joch beistanden.

Aber so funktioniert eben der Mythos – er verklärt und beschönigt, um einen bindenden Narrativ aus historisch komplizierten und teils vergessenen Ereignissen zu spinnen. Dass es die Schwestern Trắc und Nhị wirklich gab, steht außer Zweifel. Was sie wirklich im ersten Jahrhundert nach Christi, also vor über 1900 Jahren taten, ist zum Märchen geworden und kann heute nur noch sehr lückenhaft ergründet werden. Wichtig ist nur, dass sie den Ausgangspunkt eines historischen Narrativs einer Nation darstellen und den ersten Atemzug für ein Volk taten, das sich selbst als eigenständig und anders als die nördlich lebenden Chinesen definieren würde.  Denn die chinesische Invasion war es, welche wie einst auch bei den Deutschen mit Napoleon zum Geburtshelfer eines nationalen Bewusstseins wurde(auch wenn das selbige Bewusstsein bei den Deutschen schon lange vorher vorhanden war).

Für China ist die Rebellion dieser Stammeskriegerinnen eine Fußnote in seiner eigenen Geschichte. Für die Vietnamesen jedoch sind die Schwestern eine Abnormalität der nationalen Erinnerung und ihr Heldentod am Fluss Hat Giang in ihrer letzten Schlacht gegen eine chinesische Übermacht wurde vielfach verklärt und es existieren unzählige Versionen. Nicht der Tod, sondern göttliche Kräfte hätten die Schwestern in ein Nachleben geholt ! Nein, ganz anders! Sie sind zu Stein erstarrt im Angesicht der drohenden Niederlage oder wurden vom chinesischen General enthauptet und ihre Köpfe wurden dem fremden Kaiser geschickt.

Noch heute wird der Geburtsmythos der Vietnamesen im Frühjahr gefeiert. Der Moment, als die Schwestern in der Asche ihrer niedergebrannten Heimat erstmals zu den Schwertern griffen und ihre Waffen und ihren Heldenmut gegen einen fremden Unterdrücker richteten.

«Wenn wir(Amerikaner) ihre Geschichte gekannt hätten, dann hätten wir vielleicht verstanden, dass es keinen Sinn hat in Vietnam Krieg zu führen. […]»

Die Nation definiert sich auch über das, was sie nicht ist. Und Vietnam war nicht China. Die gesamte vietnamesische Geschichte ist vom Widerstand gegen größere und stärkere Mächte geprägt, die ersuchten Vietnam zu dominieren und immer letztendlich scheiterten. Die Chinesen, die Franzosen und dann die Amerikaner. Die Volkseele ist eine Realität, die von Relativisten im Westen vergessen und verdrängt wurde. Aber die Realität hat die Eigenschaft ungefragt den Träumer aufzuwecken. 2000 Jahre lang haben die Vietnamesen jede Fremdherrschaft bekämpft und versucht ihre Souveränität zu erhalten.

Die Deutschen sehnten sich eine ähnliche lange Zeit nach einer Nation der Deutschen. Sie werden sich dieser Sehnsucht alsbald wieder erinnern.

#Nation


 

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