Normalerweise interessiert mich die Welt der Mode und der Stars und Sternchen nur am Rande. Seit in Hollywood aber reihenweise Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Regisseure erhoben werden, wird auch dieses Thema sozialpolitisch interessant und gesellschaftsrelevant. An der diesjährigen Verleihung des Filmpreises Golden Globe nahmen fast alle Prominenten in schwarzer Kleidung teil, um sich mit der so genannten #MeToo-Bewegung zu solidarisieren. Der Name soll offenbar «Ich wurde auch belästigt» ausdrücken. Selbst Filmlegenden wie Woody Allen sind im Rahmen dieser «Bewegung» bereits wegen Missbrauchs in Ungnade gefallen.

 

Dann hörte ich auf Deutschlandfunk ein sehr interessantes Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken, die sich differenziert dazu äußerte, dass 100 prominente Frauen, fast alle Französinnen (Nation der Liebe!), darunter die Schauspielerin Cathérine Deneuve, in einer Veröffentlichung in Le Monde die «Freiheit, zu belästigen» fordern. Damit sollen auch weiterhin Männer beim Flirten und Umwerben einer Frau nicht befürchten müssen, sofort wegen sexuellen Übergriffs angezeigt zu werden. «Eine beharrliche oder ungeschickte Anmache» solle nicht strafbar sein. Natürlich soll nicht Vergewaltigung gerechtfertigt werden und eine Straftat bleiben. Dennoch wird das Thema dadurch verkompliziert, dass der Übergang hin zur Belästigung fließend ist. Das «Unterscheiden zwischen Galanterie und sexistischer Aggression» ist wesentlich. Vinken sprach, in meinen Worten, vom Gegensatz zwischen lustfeindlichem steifem angloamerikanischem Puritanismus und romanischer romantischer Lebens- und Liebenskunst. Da ist sicherlich etwas dran, doch ein wesentlicher Aspekt fehlt. Denn dieser moderne Puritanismus, der freilich seiner religiösen Komponente und damit seiner Lebendigkeit beraubt ist, geht eine unheilige Allianz mit dem Individualisierungskult und der völligen Rollen- und Bindungsbefreiung des linksgrünen Mainstream ein. Dieser wird durch die so genannten «Social Justice Warriors», also linke bis anarchistische Aktivisten, und deren zahlreiche Gesinnungsgenossen in Medien und Politik so weit vorangetrieben, dass es nun sogar Gruppenzwang bei der Kleiderordnung der Verleihung der Golden Globes gab.

Doch dieser Kleiderordnung haben sich nicht alle gebeugt. Das deutsche Model, die herausragende Schönheit Barbara Meier, widersetzte sich und trug ein farbenfrohes, blumiges und wundervoll feminines Kleid zur Schau. Der «Bunten» gab sie ein Interview dazu und zwitscherte auf Twitter: «Wir haben uns diese Freiheit lange erkämpft, dass wir tragen können, was wir möchten und es auch in Ordnung ist, sich sexy zu kleiden. Wenn wir das einschränken, weil sich einige Männer nicht unter Kontrolle haben, ist das in meinen Augen ein Rückschritt. Wir sollten nicht schwarz tragen müssen, um ernstgenommen zu werden. Wir Frauen sollten strahlen, farbenfroh sein und funkeln. So wie es in unserer Natur liegt!»

«In unserer Natur»! Die Social Justice Warriors würden sie dafür in der Luft zerreißen, wenn sie sie zu fassen bekämen. Solche Frauen braucht unsere Zeit: selbstbewusst und strahlend zugleich.

Ich bringe es noch einmal auf den Punkt: Es ist in dieser Debatte entscheidend, «zwischen Galanterie und sexistischer Aggression» zu unterscheiden. Das ist nicht immer ganz einfach, weil man dem Gegenüber nicht in Herz und Hirn schauen kann, aber dazu haben wir den gesunden Menschenverstand, und um unser womögliches Unbehagen auszudrücken, ist uns ein Mund gewachsen. Dem sollten allzu penetrante Herren dann aber auch Folge leisten, wie es der Anstand erfordert. Und die Regeln des Anstands gibt es schon lange, nicht erst seit mit «Hasthtags» verunstaltete Worte herumgezwitschert werden.


 

Quellen:
http://www.elle.de/golden-globes-2018-schwarze-kleidung
https://www.bunte.de/stars/barbara-meier-exklusiv-ich-kann-den-wirbel-nicht-verstehen-jetzt-meldet-sie-sich-zur-kritik-zu-wort.html
http://www.deutschlandfunkkultur.de/kritik-an-metoo-debatte-deneuve-setzt-auf-die-falsche.2165.de.html?dram:article_id=407940
http://www.deutschlandfunk.de/programmvorschau.281.de.html 14.1.2018. Die Kultur der Verführung und ihre Grenzen – Frankreich und die #MeeToo-Debatte. Ein Interview mit der Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken


 

 


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