Home Militär Großmachtfantasien in Ankara: “Wir können Europa in drei Tagen erobern” – Ach wirklich?

Großmachtfantasien in Ankara: “Wir können Europa in drei Tagen erobern” – Ach wirklich?

Die türkische Zeitung Yeniz Söz tätigte 2017 die recht gewagte Behauptung, dass «die Türkei Europa in drei Tag einnehmen könne» und dass den Europäern nachweislich der Wille zum Kampf fehle.  So würden die Türken innerhalb eines Nachmittages im Schloss Bellevue zum Abend essen, nachdem sie Frankreich und Deutschland unterworfen hätten.  Wenn eine deutsche Zeitung, egal welche, solche Aussagen auch nur umgekehrt gedacht hätte, stände der Verfassungsschutz wahrscheinlich bereits mit einem Fuß in der Tür der Redaktion. Aber eine staatsnahe Zeitung in der Türkei kann solche Dinge einem Millionenpublik und der ganzen Welt obendrein auftischen, ohne dass sie dafür Konsequenzen fürchten muss.

Derweil erzählt uns die Kanzlerin, dass die Türkei unser Partner und ein wichtiger Verbündeter innerhalb der NATO ist. Sie wissen schon, dieses Verteidigungsbüdnis, in dem die Mitglieder angeblich einander verschworen sind und einander schützen sollen. Eine ganz ähnliche Drohung gab es schon einmal von einer türkischen Pro-Regierungszeitung (gibt es auch noch oppositionelle Zeitungen?) getätigt.  Yenit Akit erklärte ihren Lesern, dass die Niederländer nur 48.000 Soldaten hätten, aber ca. 400.000 Türken in den Niederlanden leben. Eine eigentlich glasklare Drohung gegenüber den Niederlanden und einem Mitglied der EU, welcher hier völlig klar mit Krieg und Übernahme gedroht wird, sollten die Niederlande sich nicht so verhalten, wie die Türken das wollen.

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Natürlich war das nicht die direkte Aussage der türkischen Regierung, sondern lediglich die einer Zeitung. Dennoch scheint es so, dass die türkische Außenpolitik auf Konfrontation mit Europa aus ist, auch wenn uns unsere Politikexperten und Journalisten immer weiß machen wollen, dass die Erdogan-AKP noch unser Freund ist. Auch wenn sie Europa mehrfach als «faschistisch» und als «Kreuzfahrerstaat» bezeichnet haben oder sich aber einen Heiligen Krieg herbei träumen, der bald in Europa beginnen könne.  Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass ein türkischer Abgeordneter in der Türkei für die Osmanen Germania in Deutschland Geld überwies, damit diese sich Waffen kaufen können. Explizit ging es darum, dass sich die Osmanen bewaffnen können.

Nun ist es so, dass man sicherlich skeptisch sein kann, wie ernst es manche Scharfmacher mit ihrer heißen Rhetorik wirklich meinen. Unsere Presse sagte damals, soweit ich mich noch erinnern kann, dass die Beziehungen zwar angespannt sind, aber die Türkei natürlich ein wichtiger Verbündeter und Partner für Europa bleibt.

Dass hört sich für mich eher so an, als ob ein Schulkind nach Hause zu seiner Mutter geht und im Verlauf von einer Woche jeden Tag erzählt, dass es auf dem Schulhof einen bösen großen Jungen gibt, der ihn verhauen will. Die Mutter erklärt ihrem Sohn, dass der böse dicke Junge das sicherlich nicht so gemeint hat und schickt ihren kleinen Sohn wieder zur Schule, ohne die Drohungen ernst zu nehmen. Der kleine Kevin liegt dann ein paar Tage später mit einem Schädelbruch im Krankenhaus.

Wenn mir jemand wiederholt erzählt, dass er mich angreifen will, mir mit Krieg droht und mich antidemokratischen Faschisten bezeichnet (gegen die ja jedes Mittel recht ist), dann sollte mir das schon zu denken geben oder? Vielleicht sollte ich es glauben, wenn er es immer wieder und mit Nachdruck wiederholt, wie sehr er mich hasst und mich erobern will. Da empfinde ich die Beschwichtungen der deutschen Medienlandschaft als eher beleidigend gegenüber meiner Intelligenz. «Der Türke meint das nicht so» oder «der will doch nur spielen!» hört sich halt wenig beruhigend an, wenn wir auf die Situation unserer eigenen Streitkräfte in Mitteleuropa blicken, die quasi mit runtergelassenen Hosen dastehen (im Vergleich zu vor 20 Jahren).

Ob die Türkei wirklich Europa in drei Tagen einnehmen könnten, kann ich hier tatsächlich nicht beurteilen. Aber dass der Wille dazu bei einigen Vertretern der türkischen Regierung vorhanden ist und diese Absicht auch von der türkischen Presse offen kundgetan wird, sollte uns eigentlich beunruhigen. Vor allem aber sollte endlich klar werden, dass die Republik von Kemal Atatürk nicht mehr da ist. Die gute und angenehme Türkei ist Geschichte und wir haben es heute mit einem Neo-Osmanismus zu tun, der keine freundlichaftlichen Ambitionen mehr mit Europa hegt.

Vom Bosporus bis Oberhausen – ein Reich, ein Volk, ein Führer. Nur eben auf türkisch.

Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein […] Unsere Brüder auf der Krim, im Kaukasus, in Aleppo und Mossul mögen jenseits der physischen Grenzen sein, aber sie sind innerhalb der Grenzen unserer Herzen.   – Erdogan

Foto1 : https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tag_des_Sieges_2.JPG

 

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