Home Gesellschaft Was an der heutigen Bundeswehr scheiße ist und warum diese Missstände so bleiben

Was an der heutigen Bundeswehr scheiße ist und warum diese Missstände so bleiben

Meine Bundeswehrzeit war von Enttäuschungen geprägt. Zwar war ich von Berichten anderer intelligenter Freunde und Bekannten vorgewarnt und kannte aufgrund von Hobbybeschäftigungen bereits die zum guten Teil veraltete Ausrüstung, aber die große Ahnungslosigkeit und Abartigkeit der Truppe hat mich dennoch überrascht. Meine aktive Zeit und mein Engagement in der Eingreifreserve sind beendet und dennoch kann ich mich von dieser LEIDENschaft nicht völlig lösen. Habe mir lang überlegt, warum die Bundeswehr so uneffektiv und unspaßig geworden ist und wie man es ändern könnte. Dieser Artikel ist zu 50% eine Hyperbel, zu 50% die pure Wahrheit. Man kann ihn als subjektiven Beitrag mit der Absicht zur Diskussion anzuregen verstehen. Er wird in der Truppe wenig bis nichts zum Guten wenden können, aber vielleicht Gleichgesinnten beim Verarbeiten solcher Erlebnisse weiterhelfen.

Die Grundlage meiner Abhandlungen sind Erfahrungen aus der Infanterie und Gespräche mit Kameraden aus ähnlichen Verwendungen. Möglicherweise ist sie nicht auf die ganze Bundeswehr anwendbar – bei anderen Organisationsbereichen dürfte die Stimmung aufgrund der geringeren Einsatzbelastung besser sein, und somit auch der Umgang miteinander.

 

Die Führung und Personalpolitik

Die Bundeswehr ist derzeit aufgrund der demografischen Lage und ihrer Bestrebungen derzeit so wie noch nie um Nachwuchs bemüht. Das erste Mal seit ihrer Gründung wird eine effektive Werbung gefahren – die langweiligen Karriereoffiziere und drögen Bundeswehrshowtrucks waren gestern. Heute bedient sich die Bundeswehr hochmoderner und fetziger Mittel zur Nachwuchsgewinnung – allen voran natürlich der Youtubekanal der Bundeswehr mit informativen und lebensnahen Inhalten. Mein Lieblingsformat war #mitolli – dieses wurde trotz durchschlagenden Erfolgs eingestellt, weil der Hauptfeldwebel Oliver Bender nicht zum Berufssoldaten ernannt wurde.

Dies ist meine Überleitung zu einem der Punkte, wieso die Bundeswehr das Nachwuchsproblem nicht in den Griff kriegen wird: Viele hochqualifizierte, benötigte und hochmotivierte Soldaten werden vom Personalwesen einfach ins Zivilleben entlassen, obwohl die betreffenden Soldaten und ihre Vorgesetzten ihr Dienstverhältnis verlängern wollen. Außer besagtem HFw Bender fällt mir spontan ein befreundeter Hauptgefreiter ein, der im Fallschirmspezialzug war. Diese Bereicherungen für die Bundeswehr sind unrettbar verloren – wer erstmal sich im Zivilen sein Leben zurechtgebaut hat, ist selten bereit, dieses für einen unberechenbaren Arbeitgeber wieder aufzugeben.

Ein weiterer Punkt, der sicherlich viele gestandene Soldaten und potenziellen Nachwuchs vergrault haben müsste, war der Skandal um den Oberleutnant Franco A. Dieser ist mittlerweile wieder rehabiliert (Bericht hier), auch wenn die Welt dies in einem neueren Artikel bezeichnenderweise wieder behauptet ( hier ). Der eigentliche Skandal sind nicht (angebliche) Rechtsradikale in der Bundeswehr – diese gibt es und wird es immer weiter geben. Es wird aktiv weggeschaut. In meiner Dienstzeit hatten wir eine regelrechte Extremistenclique, bestehend aus (echten) Rechtsextremen und einem bekennenden Mitglied des Schwarzen Blocks.
Der Skandal ist viel mehr das Verhalten der Inhaberin der Befehls- und Kommandogehalt, Frau Ursula von der Leyen – diese hat, ohne die Faktenlage zu prüfen, alle deutschen Soldaten eine falsche (rechtsextreme) Haltung vorgeworfen und eine Art Hexenjagd ausgelöst. Im Rahmen dieser Untersuchungen hat die Bundeswehruniversität Hamburg ein Bild ihres namensgebenden Altkanzler Helmut Schmidt entfernt, weil dieser eine Wehrmachtsuniform trug!

Des weiteren wurde ein Kamerad vor kurzem offensichtlich aufgrund seiner AfD-Mitgliedschaft und losen Bekanntschaft zu Identitären vom Militärischen Abschirmdienst de facto aus der Bundeswehr entfernt (Entlassung aus der Laufbahn der Reserveoffiziere und Sperre für Reservistendienstleistungen bis 2022). Der Kamerad muss annehmen, dass auch zivil wegen dieser Sache gegen ihn ermittelt wird. Man denke hier auch an Frau Sarrach Wencke, die ebenfalls wegen kritischer Äußerungen schamfrei aus der Bundeswehr entfernt wurde. Ihr Dienst als Reserveoffizier im Wachbataillon werde nicht mehr benötigt, so die Bundeswehr. Wencke hatte sich kritisch gegenüber der Ministerin in der Presse geäußert und wurde unmittelbar danach darüber in Kenntnis gesetzt, dass man keinen Bedarf mehr an ihrem freiwilligen Reservedienst habe.

Ein ähnlicher Fall geschah mit Korvettenkapitän der Reserve  Kerber, der in sich in einem Interview bei der WELT ebenfalls sehr kritisch gegenüber Ursula von der Leyen und ihre «Gesinnungspolitik» im «Parteienstaat» geäußert hatte. Kurz darauf wurde ihm mitgeteilt, dass die «Bundeswehr keinen Bedarf» mehr an seinen Dienstleistungen habe.

All diese Vorgänge sind ein fatales Signal an die Truppe und potenziellen Nachwuchs mit Verstand – sie zeigt eindrücklich, dass die politische Führung ihren Soldaten misstraut und dass die militärische Führung ebenfalls kein Rückgrat oder keinen Verstand besitzt. Oder beides.

 

Auf der anderen Seite werden vor allem zwei Sorten von Soldaten bevorzugt rekrutiert und gehalten, die aus demokratischer wie rein militärischer Sicht her nicht besonders geeignet sind:

Unter den Offizieren bevorzugt man die aalglatten Karrieristen. Diese werden mit Aussicht auf ein bezahltes Studium in die Bundeswehr gelockt. Eine patriotische Einstellung, Interesse am militärischen Handwerk oder gar eine kritische Grundeinstellung spielen erfahrungsgemäß eine geringe Rolle oder sind sogar Einstellungshemmnisse. Wichtigere Punkte scheinen Lenkbarkeit und Sozialverträglichkeit zu sein. Damit rekrutiert man sich bereits die Sorte Offizier, dem das Wohl der Volkes und des Militärs höchstens zweitrangig sind. Das merkt man im Dienstbetrieb deutlich – unpopuläre Maßnahmen werden vermieden, die wenigsten Offiziere wirken schneidig oder an Belangen ihrer unterstellten Soldaten interessiert. Eigenständiges Denken ist auch so eine Sache – wenn man z.B. anmerkt, dass der Bataillonsgefechtsstand mangelhaft beschützt sei, kommt: «die Computersimulationen haben gezeigt, dass dieser nie angegriffen wird». Hoffentlich halten sich im Fall der Fälle die Speznaz an die Simulationen.

Unter den Mannschaften und Unteroffizieren (mit und ohne Portepee) findet man zu großen Teilen den Söldnertypus. Dass sie dem deutschen Volk die Treue gelobt oder gar geschworen haben ist eher Zufall –  sie interessieren sich im wesentlichen nur für Geld, das sie in dieser Höhe in der zivilen Wirtschaft nie verdienen können. Einsätze sind für diesen Typus eine willkommene Gelegenheit, schnell viel Geld für eine fette Karre zu verdienen. Nicht mehr, nicht weniger. Intrinsische Motivation – oder gar irgendeine Art der allgemeiner Motivation – findet man bei diesem Typus selten. Es gibt in diesen Reihen kaum mehr Abenteurer, Intellektuelle oder Idealisten. Man könnte von der Kevinisierung der Bundeswehr sprechen. Ich habe allen Ernstes zwei Soldaten kennengelernt, die dachten, sie hätten 52 Zähne!

 

Eine Armee, die sich aus solchen Soldaten zusammensetzt, kann man sehr leicht für un- oder antidemokratische Zwecke verwenden. Der Staatsbürger in Uniform ist passé, mit der Abschaffung der Wehrpflicht hat man die Truppe weiter verdummt und einen Staat im Staate geschaffen. Einen Soldaten vom Schlage Stauffenbergs würde man in der heutigen Bundeswehr schnell und elegant entsorgen!

 

Die Ausbildung

Die Grundausbildung besteht für den Rekruten in der Laufbahn der Mannschaften zu 25% aus Schlafentzug, zu 25% aus stumpfem Drill (vor allem Reinigungs- und Ordnungstätigkeiten), zu 25% aus Reibereien mit den Kameraden und zu 25% aus sinnvoll genutzter Zeit.

Während es freilich sinnvoll ist, dass der Soldat lernt, mit Schlafentzug zu leben und trotzdem effektiv zu funktionieren, sollte dies sich nicht über den Großteil der Grundausbildung erstrecken – das Erlernen und das Behalten von Ausbildungsinhalten wird damit erheblich erschwert. Die meisten Rekruten können nach der Grundausbildung gut reinigen, gut aussehen (…) und geradeaus schießen – von den Rechtsgrundlagen, die eine wichtige Grundlage für den Dienst darstellen, haben 90% der Rekruten nach der Grundausbildung keine Ahnung mehr.

Der stumpfe Drill, meistens bestehend aus Reinigen der Stuben, Reviere und Waffen, ist ebenso sinnlos. Man kann aus Müllis nur sehr begrenzt zivilisierte Menschen machen – dies musste ich in der Stammeinheit merken. Diverse Stuben von Unteroffizieren waren Müllhalden, in manchen Stuben konnte man die Luft schneiden. Aber auch die Mannschafter waren nicht gerade sauber – als während der Einsatzvorbereitung die Einsatzteilnehmer auf dem Übungsplatz waren, mussten wir in der Kaserne ihre Stuben reinigen. Der Anlass dafür war ein anstehender Besuch des Gesundheitsamtes, da die Einsatzteilnehmer von Parasiten befallen waren. Das Waffenreinigen ist bedingt sinnvoll – zwar lernt man die Waffen und ihre Funktionsweise in- und auswendig. Die dafür verwendete Zeit wäre aber viel sinnvoller für andere Drills, insbesondere im Bereich im Bereich der Gefechtsfeldmedizin und Waffenmanipulation (Magazinwechsel, Störungsbeseitigung etc.) investiert.

Der Ärger mit den Kameraden resultiert maßgeblich aus dem Zeitgeist, in dem Zusammenhalt, Motivation und Disziplin immer mehr in den Hintergrund rücken. Ein wesentlicher Grund ist die Kevinisierung der Bundeswehr, aber auch die Bevorzugung der weiblichen Soldaten. In anderen Armeen scheint Zweiteres besser zu funktionieren. Die Ausbildung der Feldwebel- und Offiziersanwärter findet mittlerweile gesondert statt – mit anderen Worten: Sie haben keine echte gemeinsame Grundlage mit anderen Dienstgradgruppen und lernen diese und ihre Modi Operandi erst spät kennen. Aus den Reihen besagter Anwärter hört man, dass diese die truppenferne Ausbildung als Manko wahrnehmen, da an solchen Schulen andere Inhalte vermittelt werden.

Die restlichen 25% bestehen aus Ausbildung, die sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen kann. Dies betrifft insbesondere das gefechtsmäßige Verhalten im Feld, die Schießleistungen des Einzelschützen und Notfallmedizin – mit diesen Grundlagen konnten wir bei gemeinsamen Ausbildungen mit diversen amerikanischen Einheiten immer wieder imponieren. («Are you a machine-gunner?», «Are you a medic?»)

Trotz all des Ärgers mit den Kameraden in der Grundausbildung sind wir zumindest nicht übereinander hergefallen, haben uns nicht gegenseitig bestohlen, die Gebäude waren sauber und wir haben unsere niedrig gesteckten Ziele (12 km Gepäckmarsch, 4 Tage im Wald bei -20° C überleben, geradeaus schießen lernen und nicht viel mehr) erfüllt. Dies änderte sich dann in der Stammeinheit.

In den Kampfzügen ist es ganz normal, wenn die Fäuste fliegen. Von vereinzelten Messerstechereien gab es auch Gerüchte, aber ich habe davon nichts mitbekommen. Zumindest ist dokumentiert, dass ein Kamerad aus einem Kampfzug zu meiner Zeit mit seiner Freundin einen Rentner umgebracht hat. Ich erinnere mich auch an eine Situation während einer Wache: es hing ein Zettel aus: «Oberfeldwebel XYZ darf das Wachlokal nicht betreten.» Unser Vorgesetzter meinte, dass dieser bei einer Wache ausgetickt sei und einem Kameraden eine fertig geladene Pistole an den Kopf gehalten habe «Wär doch jetzt scheiße, wenn ich ausrasten und abdrücken würde, oder?». Ich habe als Wachhabender grundsätzlich mit der Pistole unter dem Kopfkissen geschlafen. Bei solchen Kameraden weiß man nie, was nachts passiert.

Dazu gibt es insbesondere im Heer immer überhebliches, kleinliches Konkurrenzgehabe. Das fing bereits innerhalb des Bataillons an – ich war damals in einer Unterstützungskompanie und wir hatten unsere Spezialgrundausbildung mit den Kameraden aus den Kampfkompanien. Wir mussten uns unseren Respekt beinahe mit den Fäusten erkämpfen. Dies betrifft nicht nur die Landser – als mich ein befreundeter Oberstleutnant der Reserve fragte, in welcher Einheit ich genau war, erntete ich auch einen abwertenden Kommentar. Er bereute diesen sofort.

Kameraden aus anderen Teilen des Heeres oder gar der Luftwaffe gegenüber wurde oft unberechtigte Verachtung geäußert.

Der Kameradendiebstahl war auch so eine sehr negative Sache. Im Grunde genommen wurden insbesondere die Gefreiten und Obergefreiten beklaut, die sich dann in späteren Dienstjahren wiederum bei jüngeren Kameraden bedienten. Unser Gebäude lag gegenüber einer Luftwaffeneinheit, deren Feuerholzbestände bei unseren Zugabenden stets abnahmen. Auch die Kameraden der Fallschirmjäger vermissten neben einer Kompaniestandarte auch eine Türramme. Wieso sollte man Menschen sein Leben anvertrauen, denen man nicht einmal für fünf Minuten einen offenen Spind anvertrauen kann?

Wie bereits beschrieben – je tiefer Soldaten in der Schlammzone sind, desto überheblicher benehmen sie sich. Sie denken gerne, dass sie die «Killer vorm Herrn» seien. Als Feinddarsteller in der Endphase der Einsatzausbildung haben wir viele peinliche Nummern erlebt – ich nenne davon einen offensichtlichen Hinterhalt eines Panzervernichtungstrupps auf einen gepanzerten Kampfzug, der lediglich von zwei Gewehrschützen beantwortet wurde. Oder der Vernichtungshinterhalt auf einen anderen Kampfzug, bei denen wir mangels Feinddrucks an die Fahrzeuge der Einsatzteilnehmer rankamen und deren Sanitäter ausschalteten. Im Ernstfall eine mittlere Katastrophe! Wohlgemerkt – die Teilnehmer dieser Vorausbildung waren zum guten Teil kampferfahrene Afghanistanveteranen. Mir fällt dazu folgendes Sprichwort aus unbekannter Quelle ein: «War is a competition of incompetence – the least incompetent usually win.»

Die Ausbildung leidet auch unter falschen Schwerpunktsetzungen – wenn ich mir überlege, wieviele Ressourcen für Sinnlosmaßnahmen wie Bundeswehrsport (insbesondere die Ski- bzw. Sportzüge in gewissen bayerischen Einheiten) oder Lehrvorführungen verschwendet werden. Ich war Teil einer Informations- und Lehrübung, für die die Brigade allein schon vier Wochen auf dem Übungsplatz verbracht hat. Von der Vor- und Nachbereitung rede ich schon gar nicht. Vermutlich noch einmal der gleiche Zeitansatz. Auch, wenn es um die Kosten und Munition ging. Während der Grundausbildung war Munition stets rar, viele Munitionssorten waren schlichtweg nicht verfügbar. Auf dieser ILÜ haben wir etwa vierzig Durchgänge gemacht, bei der pro Durchgang viele tausend Patronen von 5,56 mm über 20 mm, TOW bis hin zu 155 mm verwendet wurden. Wir haben eine kleine Ortschaft gebaut, die nach der Übung wieder entsorgt wurde. Sogar einen simulierten Fluss mit Teichfolie für 19 000 € – die natürlich auch entsorgt wurde. Vom Maschinenaufwand zur Aufschüttung der «Ufer» ganz zu schweigen. Mir wurde berichtet, dass diese Übung 36.000.000 € kosten sollte – diese Zahl war bereits in der zweiten Woche überschritten. Am einfachen Soldaten wird im gleichen Zug gespart – wie oft wurden uns Stunden einfach nicht gutgeschrieben? Wie oft war keine oder zu wenig Munition für Übungsvorhaben da? Wieso rennen wir in Zeiten von Plattenträgern, hochintensiven Gefechten mit vernetzter Kriegsführung und IEDs immer noch mit Bürobekleidung, Wegwerfschuhen und einem Koppel mit drei lumpigen Magazintaschen durch den Wald? Der Dienstherr hat mir jedenfalls einen vierstelligen Betrag an Sold vorenthalten. Zivil habe ich solche Dimensionen nie erlebt.

Auch die hochgelobte zivile Ausbildung, ich spreche hier insbesondere vom Bundeswehrstudium und Berufsförderungsdienst, ist nur teilweise sinnvoll. Das frühe Studium in der Offizierslaufbahn führt dazu, dass viele Offiziere nach dem Studium ihre Laufbahn abbrechen und dafür anscheinend in vielen Fällen nicht mal das Studium komplett bezahlen müssen. Außerdem ändern sich Berufsfelder schnell – ein Berufseinsteiger, dessen Studium 8 oder 9 Jahre zurückliegt, ist unter Umständen nach der Offizierslaufbahn für zivile Arbeitgeber nutzlos.

Der Berufsförderungsdienst kann von den meisten Soldaten nicht effektiv ausgereizt werden – da ich aufgrund der Umstände meine Sprachprüfung mittels Einzelunterricht vorbereiten musste, konnte dieser im Gegensatz zu Gruppenunterricht nicht erstattet werden. Ein weiterer vierstelliger Betrag, auf den ich quasi nicht zugreifen konnte. Von den Taxikosten für die Abholung vom Bahnhof rede ich erst gar nicht – meines Wissens hätte uns der Kraftfahrer vom Dienst zugestanden. Dieser stand aber nur am ersten Tag der Grundausbildung zur Verfügung.

Zu meiner Zeit gab es die Bundeswehrradiowerbung, die immer wieder Anlass zur Belustigung gab: “Karriere minus Zukunft .de”

 

Die Einsätze

Um jedem einzelnen derzeitigen und vormaligen Einsatz der Bundeswehr gerecht zu werden, müsste man fast schon ein Buch schreiben. Dazu bin ich momentan nicht bereit, daher werde ich eine wenig fundierte Abhandlung verfassen.

 

Fangen wir mit dem zweiten Golfkrieg an. Die Bundeswehr hatte dort diverse Flugzeuge und Flugabwehrraketen stationiert und beteiligte sich vor allem logistisch. Die Einmischung in arabische Angelegenheiten erscheint fragwürdig – Angriffskriege während der Geschichte der UNO und NATO wurden häufig geführt, aber nur wenige wurden von diesen militärisch geahndet. Ein Eindruck der Willkür macht sich breit.

 

Die Einmischung in das jugoslawische Theater erscheint im Nachhinnein sinnvoll – eine Dekade voll Völkermord vor der Haustür der NATO wurde beendet. Dabei deckte die Bundeswehr allerdings auch fragwürdige Kriegsparteien bei illegalen Aktionen. Und trotz langer Besatzung nebst Hilfsmaßnahmen ist ein großer Teil der ehemaligen Volksrepublik Jugoslawien in der Hand der Organisierten Kriminalität, die auch Deutschland negativ beeinflusst

Afghanistan ist und war ein Affentheater, ein reines Politikum. 9/11 ist ein Fass, das ich hier nicht aufmachen werde, es soll hier nur um OEF, ISAF und Resolute Support gehen. Ich habe immer oft die Sinnfrage an aktive Soldaten gestellt – insbesondere an Einsatzteilnehmer und Offiziere. Ich habe nie eine zufriedenstellende Antwort erhalten: «Demokratie in Afghanistan aufbauen», «Leuten helfen» oder «Das muss doch einen Sinn haben» (sonst wären ja all die Opfer umsonst, der Dienstherr wird sich schon etwas dabei gedacht haben).

Erstere zwei Anliegen erscheinen auf den ersten Blick sinnvoll, doch Ersteres erscheint ein extrem anspruchsvolles Ziel zu sein. Mitteleuropa hat mehrere hundert Jahre benötigt, um die Demokratie zu etablieren – dazu gehört auch die innere Annahme der Werte durch die Bevölkerung. Laut meinem Ausbilder, der zwei ISAF-Einsätze bestritten hat, haben wir binnen zehn Jahren Afghanistan vom Hochmittelalter ins Spätmittelalter überführt. Also bräuchte man wohl noch mehrere Jahrzehnte, bis dieses hehre Ziel erreicht wäre.

Um «nur» Menschen zu helfen, sind die Energien meiner Meinung nach in Deutschland besser investiert. Stichworte: Obdachlosenhilfe, Bildungswesen, Plegewesen, Feuerwehr. Meiner Meinung nach scheitert der Afghanistaneinsatz daran, dass wir viel zu wenig Truppen einsetzen und die deutsche Bevölkerung zu viel Skrupel vor eigenen und Feindverlusten hat. Ich muss den Islamisten leider zustimmen, wenn sie Deutschland für ein verweichlichtes Land halten. Ein generelles Problem des Westens?

Es entsteht bei der Betrachung der Afghanistanmissionen der Eindruck, dass die Bundeswehr aus Loyalität mit den Amerikanern nach Afghanistan mitgegangen ist und noch da ist, um innenpolitisch ihr Gesicht zu wahren (das sie in dieser Hinsicht außenpolitisch schon längst verloren hat).

 

Die sehr geringe Größe der vielen Kontigente offenbart die Hilflosigkeit der Bundeswehr. Für die Bereitstellung von wenigen Schiffen zur Piratenjagd oder wenigen Kompanien in Mali wird die Bundeswehr auf Verschleiß gefahren: diese Einsätze bewirken quasi nichts, sie sind wie Tropfen auf den heißen Stein. Dazu kosten sie extrem viel Geld, das besser in die Bündnisverteidigung investiert wäre. Der Verschleiß an Mensch und Material ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die Erfahrungen mit Ausbildungs- und Unterstützungsmissionen der letzen 70 Jahre haben gezeigt, dass in den meisten Fällen das Know-How und auch die Waffen und Fahrzeuge entweder von den eigenen Schützlingen für Zwecke eingesetzt werden, die wir ganz und gar nicht gutheißen können, oder sie werden weiterverkauft und werden für ebenso verachtenswerte Zwecke von anderen Gruppierungen benutzt.

 

Der einzig grundsätzlich sinnvolle aktuelle Einsatz der Bundeswehr findet im Baltikum statt – eine lumpige Kompanie im Baltikum, die den Russen von der Annexion des selbigen abhalten soll. Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass die Rote Armee 1945 mit mehreren hundert Divisionen in Deutschland eingerückt ist! Wir reden hier von einer mindestens 10000fachen Unterlegenheit! Der Sparkurs der NATO inklusive Abschaffung von der Panzerwaffe und Verlusten von Fähigkeitsprofilen mehrerer Länder wird Westeuropa möglicherweise militärisch das Genick brechen.

 

Vergleich mit früher

An dieser Stelle übernehme ich von einem schneidigen Panzeraufklärungsoffizier das Konzept der fünffachen Demobilisierung: Personell, materiell, politisch, strukturell und mental.

Personell trage ich hier Eulen nach Athen: Zur Zeit des Mauerfalls hatten wir 500.000 aktive Soldaten, 800.000 mob-beorderte Reservisten und 1.500.000 nichtbeordere Reservisten. Dazu kam noch die NVA mit 155.000 aktiven Soldaten und zusätzlichen 70.000 in Mobilmachungsdivisionen. Heute haben weniger als 200.000 aktive Soldaten und nur noch wenige mob-beorderte Reservisten. Im Gegensatz zu den Schweizern haben die keine Waffe bei sich daheim. Sie haben oft nicht mal eine persönliche Waffe (macht ja Aufwand für den armen Waffenkämmerer, er hat dann keine Zeit mehr zum Kaffeetrinken). Die nichtbeorderten Reservisten kann man quasi vergessen, das sind erfahrungsgemäß zu 95% ergraute Stammtischsoldaten.

Materiell beziehe mich beispielhaft auf die Anzahl der Kampfpanzer – dabei sei aber gewarnt, dass Kampfpanzer in der heutigen Form der hybriden Kriegsführung mit schwarmintelligenten Killerdrohnen vermutlich nicht mehr den Stellenwert wie im Kalten Krieg haben. Die Bundeswehr hatte einst 2.125 Leopard 2 beschafft, das letzte Soll war 225, das nun auf ganze 328 revidiert wurde. Die mehreren Tausend Leopard 1, M48 und Jagdpanzer, die 1990 noch in der Truppe waren, lasse ich an dieser Stelle elegant unter den Tisch fallen.  Zumindest soll jede Einheit wieder eigenes Großgerät haben anstelle des unsäglichen Poolings, bei dem man oft keine vernünftige Ausbildung durchführen konnte und das Material verschlissen hat (weil es ja eh nicht das eigene war). Angesichts der Ersatzteillage fragt sich, ob man diese Zahlen überhaupt vergleichen kann – man könnte die heutige Anzahl an KPz als ein Zwanzigstel der vormaligen Anzahl sehen. Der Russe hat bei Weitem nicht so stark abgerüstet..

Politisch sind nur noch vereinzelte Funken von Wehrwille zu erkennen, da der Patriotismus in Deutschland immer unbeliebter wird, hat der Wehrwille auch kein geeignetes Fundament.

Strukturell ist Deutschland ebenfalls abgerüstet. Der Regierungsbezirk Oberfranken hatte die längste Grenze zum Warschauer Pakt und dementsprechend massig Militärpräsenz. Heute gibt es in Oberfranken maximal eine niedrige vierstellige Personalstärke, keinen einzigen Panzer oder Kampfeinheit. Von meinem Standort aus gibt es in 90km Umkreis keine Kaserne. Auch die zivile Infrastruktur nimmt immer mehr ab – ich rede hier zum Beispiel von zur Sprengung vorbereitete Brücken und MLC-Schildern. Anstatt die geringen verbliebenen Kräfte, wie es die Amerikaner tun, in Kasernenstädten zu bündeln, verteilt man die Verbände zu großen Teilen tröpfchenweise in strukturschwache Gegenden. Dadurch wird  die Attraktivität des Dienstes weiter reduziert und die Logistik verkomplizieren. Schon mal versucht, mit der Deutschen Bahn ein Panzerbataillon über eine Steilstrecke zurückzuverlegen? Wieviele junge Menschen wollen ihre Adoleszenz im Wald 30km von der nächsten Autobahn entfernt verbringen?

Mental lässt sich insbesondere bei den Deutschen im wehrfähigen Alter feststellen, dass ein extrem geringerer Wehrwille vorhanden ist. Dies ist das Resultat aus 70 Jahren Frieden und einem zunehmenden Einfluss von Schule und Universitäten, die immer pazifistischer werden und von Linken beherrscht werden. Diese verweichlichen die deutschen Männer außerhalb der Brennpunkte, sodass diese auch nicht mehr so gewaltbereit wie vorherige Generationen sind. Die antideutsche Bundespolitik bewirkt ihr Übriges.

 

Auch der Umgang unter Soldaten hat sich stark gewandelt

Wenn ich lebensälteren Kameraden über meine Erfahrungen im Dienst erzähle, insbesondere was die Disziplin, Kameradschaft und Ausbildung betrifft, ernte ich oft Fassungslosigkeit ob der herrschenden Zustände. Der in der Infanterie stark vertretene Kameradendiebstahl war anscheinend bis in die 1980er eine Art Todsünde. Freilich muss man solche Aussagen immer mit Vorsicht genießen, denn früher war ja immer alles besser und quasi jeder Ex-Soldat war in der allergeilsten Eliteeinheit und hatte den härtesten und besten Dienst. Allerdings waren die vielen Reaktionen bezüglich der mangelnden Kameradschaft immer dieselbe – da muss etwas dran sein.

Ebenso scheint der Übungsbetrieb früher wesentlich intensiver und in einem größeren Maßstab betrieben worden sein – wenn man sich so die alten Videos von Shilo, REFORGER, Fränkischer Schild und Ähnliche ansieht, könnte man das auch glauben. Heute sind die größten Highlights schon Brigadeübungen und die jährliche Informations- und Lehrübung (ich hasse sie!).

Das Verhältnis von Unterstützern auf Kampfsoldaten beträgt in der Bundeswehr etwa 12:1. Dies ist selbst im internationalen Vergleich sehr hoch – bei den Briten beträgt dieses Verhältnis etwa 7:1. Die Briten stellen übrigens mit einem vergleichbaren Wehretat mehr auf die Beine als die Bundeswehr inklusive einer effektiven Reserve. Selbst wenn die Bundeswehr gemäß des NATO-Standards 2% ihres Bruttoinlandproduktes auf die Rüstung verwenden würde, wäre das immer noch ein Bruchteil dessen, was Deutschland im Kalten Krieg für die Rüstung aufgebracht hat. War die Masse der Bevölkerung damals ärmer?

 

Wie man die Bundeswehr verbessern könnte

Ich persönlich bin bei diesem Thema sehr pessimistisch. Allerdings bin ich auch nur ein zerschlissener alter Landser. Junge, intelligente, integre Macher werden benötigt.

Wenn man diese Bundesagentur für äußere (und bald innere?) Sicherheit denn ernsthaft mit redlichen Absichten und Sachverstand verbessern wollte müssten die Deutschen bzw. die Bundeswehr

  • die komplette politische Führung austauschen
  • 90% der Offiziere austauschen
  • Kameradschaftsdelikte konsequent ahnden
  • die Ausbildung verbessern
  • die 41-Stundenwoche abschaffen
  • keine sinnlosen Auslandseinsätze mehr mitmachen
  • sich auf die Bündnisverteidigung konzentrieren
  • in Sachen Großgeräten die Sollstärke zu 150% erfüllen – so hat man Reserven für Ausfälle und kann zur Not aus mehreren kaputten Fahrzeugen ein funktionierendes machen
  • die Behandlung der Bundeswehr und der deutschen Soldaten entschieden verbessern (dies betrifft alle Ebenen und Gruppen der deutschen Bevölkerung)
  • den Zeitgeist verändern

 

Warum bleibt die Bundeswehr scheiße?

Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. Dem deutschen Michel ist die Sicherheitspolitik ziemlich egal, denn er kennt den Krieg gar nicht mehr. Er denkt, dass Kriege in Mitteleuropa nur Erinnerungen sind und bleiben werden: «Es passiert schon nichts». Dementsprechend wählt er Menschen, die Sicherheitspolitik weit hinten oder gar nicht auf ihrer Agenda haben oder gar die Bundeswehr abschaffen wollen. Zwar gibt es offiziell eine sicherheitspolitische Trendwende weg vom Sparkurs («Friedensdividende»),  aber diese greift viel zu kurz und wird an der Bundeswehrbürokratie und am mangelnden Nachwuchs scheitern. Wehrkraftzersetzende Maßnahmen wie die 41-Stundenwoche und die Kevinisierung der Bundeswehr werden nicht revidiert.

Der deutsche Michel sollte sich weder auf weitere 70 Jahre Frieden noch auf die Bundeswehr noch auf die NATO verlassen. Ich empfehle an dieser Stelle meinen Preppingartikel mitsamt den verfassten Kommentaren.

 

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