Minimalistisches Prepping für Stadtbewohner

 Private, diskrete Vorsorge für Krisenfälle

Wozu Vorsorge?

Deutschland war die letzten Jahrzehnte über eine Art Schlaraffenland mit Rundumversorgung – trotz aller Missstände garantiert der Staat mit weiteren Akteuren im Großen und Ganzen dafür, dass in diesem Land Leib und Leben geschützt sind. Die allermeisten Deutschen haben ein Dach über den Kopf, einen vollen Bauch, fließend Wasser, Strom und Internet. All diese Dinge sind scheinbare Selbstverständlichkeiten – man vermisst sie erst, wenn sie weg sind!

Dabei ist das System in den letzten Jahren, z.B. in der Logistik aufgrund des «Just-in-time-Ansatzes», wesentlich störanfälliger geworden. Krisenfälle müssen nicht zwangsläufig mit inneren oder äußeren Bedrohungen (z.B. einem großen Terroranschlag oder Angriffe eines militärischen Gegners) zu tun haben: Es reicht ja auch schon ein Erdbeben oder ein Brand in einem Umspannwerk, damit man schnell auf dem Trockenen bzw. im Dunklen sitzt. Kein Strom bedeutet: Kein fließendes Wasser, kein Licht, keine Kommunikationsnetze, evtl. auch keine Heizung. Auch soziale Unruhen und Kriege haben eins gemeinsam – vorher wollten die Wenigsten sich mit dieser Möglichkeit beschäftigen und bereuen es im Ernstfall, sich nicht besser vorbereitet zu haben.

Der weise Mensch bereitet sich auf ein breites Spektrum von Szenarien vor – angefangen vom optimistischsten Szenario, nämlich, dass man völlig unbeschwert und bestens versorgt bis zu seinem natürlichen Tod lebt bis hin zum anderen Extrem – Endzeitszenarien wie in der Mad Max Trilogie.

Unterschiedliche Lebenssituationen bedeuten unterschiedliche Preppingansätze

Wenn junge Menschen an Prepping denken, denken sie oft entweder an Survivalansätze a la Bear Grylls – also ein halbnackter gestählter Mann, der sich nur mit einem Poncho und einem Messer durchschlägt. Oder aber an Aussteigerfantasien von Akademikern, die von einem Einsiedlerleben in einer Blockhütte oder gar mit einem kommunenartigen Leben auf einem Bauernhof, der sich durch Tauschhandel aufrecht erhält, handeln.

All diese Szenarien erscheinen sicherlich romantisch, aber in der Praxis für die meisten unserer Leser für wenig praktikabel. Der typische YG-Leser ist vermutlich jung, hat einen Akademikerhintergrund und wohnt in der Stadt – diese Menschen haben typischerweise entweder wenig Geld, wenig Ausrüstung, wenig Platz, wenig handwerkliches Geschick oder Killerinstinkt. Vielleicht sogar keines dieser Dinge.

Aber auch diese Gruppe kann sich mit geringen Mitteln für kleinere Krisen vorbereiten.

Einstellung > Fähigkeiten > Ausrüstung

Ich halte es für wenig zielführend, sich einfach ohne Verstand die Dinge zu besorgen, die man üblicherweise meint für Prepping zu benötigen. Klar schadet es nicht, sich ein Bear Grylls Messer und einen tacticoolen Fluchtrucksack zu kaufen. Aber so ist das Pferd falsch herum aufgezäumt – es ist viel wichtiger, sich zuerst mental vorzubereiten und dann gezielt Fähigkeiten aufzubauen. Erst zuletzt besorgt sich der weise Prepper dann ganz bewusst Ausrüstung, die er wirklich benötigt. Diese muss dann aber auch getestet sein und beherrscht werden!

Ein plastisches Beispiel zur Illustration

Lieschen Müller ist aufgrund ihres Studiums in eine hippe WG in eine Großstadt gezogen. Eines finstren Winters erschüttert ein Erdbeben die Stadt – der Strom fällt aus und viele Straßen sind unbenutzbar. Da das Wasserwerk ebenfalls keinen Strom mehr bekommt, fällt die Wasserversorgung ebenfalls aus; die in den Supermärkten vorhanden begrenzten Vorräte werden auch mangels Kühlung in Kürze zum guten Teil unbrauchbar sein.

 

Sofort nach Erfahren des Ausfalls der Wasserwerke befüllt Lieschen mit dem Restwasser in den Leitungen die WG-Badewanne bis hin zur Oberkante. Obwohl es in der Wohnung dunkel ist, kann sie weiterhin dank der hunderten gelagerten Teelichter und ihrer Stirnlampe normal weiterleben. Die warmen Decken sowie hochwertige Outdoorausrüstung können den Ausfall der Heizung glücklicherweise zum Teil kompensieren. Kleinere gesundheitliche Probleme können mit der gut sortierten Hausapotheke im Zaum gehalten werden. Zum Glück hat Lieschen die ganze Zeit die WG-Vorräte auf dem Sollstand gehalten, sodass Keiner hungern muss. Diese bestehen aus Teelichtern, Gaskocherkartuschen, Hygieneartikeln, Dosenmahlzeiten, Nudeln und weiteren haltbaren Lebensmitteln, die im normalen Alltag konsumiert und regelmäßig ausgetauscht wurden. Da Lieschen und ihre Mitbewohner die Rationen kalt genießen und die Vorräte immer diskret in den Schränken verstaut hatten, stehen auch an Tag 7 keine hungrigen Bekannten und Nachbarn auf der Matte, die gern Verpflegung hätten. Der Gaskocher aus Lieschens Festivalausrüstung gewährt ihr auch weiterhin trinkbares Wasser – gut, dass sie die Dosenmahlzeiten kalt gegessen hat und regelmäßig die leeren Kartuschen durch volle ersetzt hat. Ihre Mitbewohner haben glücklicherweise auch keinen Helferkomplex und ein gesundes Maß an Überlebenswillen, sodass auch die weitere Beschaffung von benötigten Dingen kein großes Thema ist.

Ihre Mitbewohner gehen alle zwei Tage zur Gewinnung von Lageinformationen und benötigten Gegenständen durch das Viertel. Anfangs gingen sie mit dem selben Erscheinungsbild wie zuvor auf die Straße – da sie trotz ihrer behüteten Kindheit das Straßenabitur abgelegt haben, tragen sie stets einen Tactical Pen in der Hosentasche sowie ein Pfefferspray unter dem Kapuzenpulli. Als vorteilhaft erweist sich auch, dass die WG in guten Zeiten einen Vorrat an Sanitätsmaterial und nicht registrierten Edelmetallen angelegt haben – trotz der Wertlosigkeit des Geldes stellt der Handel ein beherrschbares Problem dar. Gerade bewusstseinsverändernde Mittel wie Kaffee oder Hygieneartikel wie Einweggeschirr, Taschentücher oder Tüten werden in kurzer Zeit mehr wert als pures Gold.

Dadurch, dass sich die Mitbewohner stets einen anderen Hin- und Rückweg wählen, konnten die vielen hungrigen, gierigen Mäuler bisher nicht feststellen, wo diese gut vorbereiteten Stadtbewohner leben und ihre Vorräte haben


Einkaufsliste und weiterführende Links

  • Wasser: Besorgt euch pro Person mindestens 4 Kästen Wasser. Der Sawyer Wasserfilter kostet 20€ und ist sehr gut. Zum Wassertransport gibt es günstige Faltkanister.
  • Hygieneartikel: Kauft euch pro Person 5 Packungen Taschentücher, 2 Rollen Mülltüten, 100 Einwegbecher, 100 Einwegteller und 100 Satz Einwegbesteck
  • Medikamente: Kauft euch pro Personen einen Erste-Hilfe-Kasten, fünf Packungen Pflaster, zwei Packungen Ibuprofen und Paracetamol sowie eine Packung Einweghandschuhe
  • Stirnlampe: Nehmt keine billigen. Die Petzl Tikkina ist gut. ~20€
  • Essen: Kauft das, was ihr mögt und prüft die Bestände regelmäßig
  • Gaskocher: ~20-30€, je nach Ausführung. Die Kartuschen sind relativ ergiebig und kosten etwa 10€. Nur zum abkochen von Wasser verwenden!
  • Teelichter: Kauft euch pro Person 200 Stück
  • Feuerzeuge: 50 Stück kosten etwa 10€ auf ebay
  • Beil: 15€ auf ebay
  • Tactical Pen: 5€ auf ebay
  • Pfefferspray: Geht ab 10€ los. Die günstigen funktionieren, nebeln aber den Raum komplett ein. Kann bei der Flucht genutzt werden, um den Verfolgern den Weg zu sperren.
  • Bewussteinsverändernde Stoffe: Kaffee, Kippen, (…)
  • Edelmetalle: Niemals bei der Bank kaufen (wird eingezogen im Krisenfall!)

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