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Europas Armeen vergreisen und schrumpfen schnell

Europas Armeen vergreisen und schrumpfen schnell

 

Zum Teil sind die Sollstellen nur halb oder weniger besetzt, beispielsweise im Fliegerischen Dienst oder bei den Unteroffizieren des Heers. Auch bei der Elektronischen Kampfführung oder bei Luftwaffe und Marine klaffen Lücken. Und dazu kommt eben: “Die Bundeswehr als Ganzes wird im Moment rasant älter”, was heißt, es besteht dringender Bedarf an neuen Soldaten und Soldatinnen. Etwa die Hälfte des jetzt aktiven Personals wird bis 2030 die Bundeswehr verlassen haben

– Telepolis

Deutschlands Soldaten werden immer älter, die Armee schrumpft, auch wenn kurzfristige Rekrutierungsschübe darüber hinwegtäuschen können, dass der allgemeine Trend in den nächsten Jahrzehnten nach unten gehen wird. Der demographische Wandel betrifft aber nicht nur Deutschland, sondern auch ganz Europa. In Großbritannien kämpft man ebenso mit Personalmangel, überfetten und unfitten Soldaten, und hat kürzlich das Maximalalter für reguläre Soldaten nach oben korrigiert. Auch sollen nun Männer und Frauen 50+ in die militärische Reserve eintreten dürfen, welche in den letzten Jahren seit 2013 wieder mehr Aufmerksamkeit erfährt und die reguläre Truppe auf vielen Baustellen unterstützen soll. Europas jugendliche Population schrumpft drastisch, trotz Einwanderung.

Die sogenannte Alterspyramide steht heute genau falsch herum und sorgt dafür, dass nur noch ein sehr kleiner Anteil der Gesellschaft aus jungen und wehrfähigen Personen besteht. Das hat zur Folge, dass die Streitkräfte um die wenigen zur Verfügung stehenden jungen Menschen mit den Firmen der freien Wirtschaft konkurrieren und hoffen müssen, dass sie die Jugend an sich binden können. Ungeachtet der Werbekampagnen der Bundeswehr wird jedoch unvermeidbar sein, dass die Streitkräfte Deutschlands ohne Korrektur der Geburten/Demographie auf lange Sicht weiter schrumpfen werden. Vor allem wenn die Soldatengruppe, die sich in den 90ern und frühen 2000ern verpflichtet hat und ihren teilweise Dienst noch fortführt, dann endgültig aus der Armee ausscheidet. Ähnlich wie in Gesamteuropa wird das langsame Ausscheiden und Absterben der einst geburtenstarken Generationen und ihrer Kinder dafür sorgen, dass um das Jahr 2030 herum ein drastischer demographischer Einschnitt zu spüren sein wird. In Zeiten in denen die Politik angesichts von Massenmigration, Terror und Kriminalitätsepidemien mehr Sicherheit fordert, dürfte die demographische Problematik in Europa ein großes Hinderniss sein. Sowohl in Großbritannien, als auch in Polen, Belgien und nun auch in Deutschland erhalten die nationalen Reservestreitkräfte mehr Aufmerksamkeit, weil man sich erhofft, dass die altgedienten Ex-Wehrdienstleistenden die demographische Katastrophe der Streitkräfte noch etwas abbremsen können. Dazu eine Meldung der Presse:

Der Reservistenverband macht sich laut einem Zeitungsbericht für die Einführung einer Dienstpflicht für Männer und Frauen stark. In einem Leitlinienentwurf des Verbandspräsidenten Oswin Veith fordere er den Aufbau einer „Nationalen Reserve“ von 30.000 Reservisten. Das berichtet die „Bild“-Zeitung am Samstag.

Daraus sollten „16 regionale Landesregimenter“ gebildet werden. Für die Reservearmee sollen alle Frauen und Männer zwischen 16 und 35 Jahren zum „Dienst an der Gesellschaft“ verpflichtet werden.

 

Der Vorschlag scheint angesichts der sich auftuenden Konfliktpotenziale in Westeuropa sinnvoll, greift aber zu kurz, wenn er als alleiniges Mittel zur Bekämpfung der demographischen Probleme der Streitkräfte verstanden wird. Ohne Trendwende in der Familienpolitik  bzw. einer gesünderen Alterspyramide mit mehr jungen Menschen, lässt sich der demographische Kollaps der europäischen Sicherheitsstruktur nicht abwenden. So hat beispielsweise die britische Armee(Landstreitkräfte) innerhalb von drei Jahren ca. 15% ihres Personals durch normalen Verschleiß und Mangel an neuen Rekruten eingebüßt. Bei derzeitiger Entwicklung würde dies bedeuten, dass die British Army bis 2030 unter die 50.000 Marke fallen könnte, wovon dann auch die Teilstreitkräfte der Marine und Luftwaffe natürlicherweise betroffen wären. Die Folge wäre eine Reduzierung britischer Präsenzen in Konfliktzonen und in Übersee, sowie der Verlust operativer Fähigkeiten, wie dies bereits durch US-amerikanische Seite kritisiert wurde, welche sich um seinen traditionellen Partner Großbritannien sorgt.

Europas Armeen vergreisen.

 


Foto: Bernado Fuller

Quellen:

https://www.heise.de/tp/features/Bundeswehr-meldet-groesseres-Interesse-und-mehr-Einstellungen-2016-3608319.html?seite=2

http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Population_structure_and_ageing

http://nationalinterest.org/blog/the-buzz/the-british-army-cant-find-enough-soldiers-19237

https://www.theguardian.com/uk-news/2014/nov/14/army-reservists-over-50s-recruits-soldiers-officers

http://www.express.co.uk/news/uk/822512/Britain-s-army-too-small-unprepared-war-General-Mark-Milley

http://www.bbc.com/news/uk-39968776

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83977217.html

http://www.focus.de/politik/videos/organisiert-in-landesregimentern-fuer-nationale-reserve-reservisten-wollen-30-000-frauen-und-maenner-verpflichten_id_7359378.html


 


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