Home Kultur Patriotismus im Metal

Patriotismus im Metal

Der Patriot möchte auch einmal etwas Gehaltvolles hören, nicht nur das, was man heute Popmusik nennt. Der eine hört dann Frei.Wild (sic), der andere Rammstein, die etwas ältere Garde hört Böhse Onkelz. Auch wer Hiphop dem Rock und Metal vorzieht, hat eine große Vielfalt an patriotischen Musikern zur Auswahl. Hier soll es nun um Patriotismus speziell im Metal gehen. Vom Feld des nationalsozialistischen Black-Metal (NSBM) grenze ich mich hier ausdrücklich ab, wie auch viele Metalbands es zurecht tun. Man übertreibt es allerdings mit der Abgrenzung, wenn man jeden, der einen Thorshammer oder eine Schwarze Sonne trägt oder Burzum hört, des Rechtsextremismus bezichtigt.

Metal ist martialische Musik, die Aggressionen weckt bzw. sublimiert. Während Humppa-Metal wie Finntroll die Fans zu halb-ernsten Prügelorgien im Moshpit anstachelt, gibt es für den Black-Metaler kaum etwas Entspannenderes als sich rasende Blastbeats um die Ohren zu hauen und dabei selbst förmlich zu Eis zu erstarren. Gewalt und Krieg sind dementsprechend ein großes Thema, was sich in satanistischen, heidnischen oder anderen Stilrichtungen widerspiegelt, die sich inhaltlicher Vorlagen quer durch alle Zeitalter bedienen. Die schwedische Band Sabbaton hat sich z.B. darauf spezialisiert, akustische historisch akkurate Schlachtengemälde darzubieten von der Antike bis in die Moderne. Auch Bands wie Motörhead (RIP Lemmy Kilmister) und Iron Maiden verwenden teilweise Symbolik der großen Kriege des 20. Jahrhunderts.

Patriotismus und das Kriegerische hängen eng zusammen, denn zumindest in der Vergangenheit mussten sich Stämme und Völker meist fremder Feinde erwehren. Da wird das Eigene natürlich gefeiert und beschwört. Diese archaische und extatische Urkraft gibt uns das Gefühl von Stärke und fasziniert uns bis heute. Unter anderem im Metal ist sie weiter lebendig. Die Grenze zwischen der Glorifizierung antiker oder mittelalterlicher Lebens- und Kämpfensart, dem wiederauflebenden Interesse am Glauben unserer heidnischen Vorfahren und Patriotismus im modernen Sinne kann naturgemäß nicht scharf gezogen werden. Vor dem Zeitalter der Nationalstaaten gab es ja auch schon das Gefühl der Heimatliebe, nur hatte man damals andere Bezugsgrößen. Es handelt sich um einen mystischen, numinosen Komplex, der vor allem unser Herz anspricht. Hier stelle ich nun eine Auswahl meiner Lieblinge vor:

Die irische Band Primordial mit „Heathen tribes“:
„From the frozen Baltic, I watched sunrise over Athena, walked the battlefields of Flanders and saw duskfall at Cintra. Beneath the spires of Sofia, fields of crosses at Arnhem. Armenius stood tall in Teuteborg. Senatus Populusque Romanus! To the fjords of Hordaland, shadows of ancient Albion. At the shore of a 1000th lake, Saint Vitus dance in Praha. Yet when to Ireland we return, I know that I am home at last and every sun that sets takes me closer to her Earth.“

Die Russen von Arkona spielen „In meinem Land“ („На моей земле“) mit vielen Bands aus Europa zusammen, die in ihren jeweiligen Sprachen singen. Darunter auch die Pagan-Metal-Band Menhir aus Thüringen. Dieses Lied ist eine Hymne des Europas der Vaterländer:
„Thüringer Land, wie bist du so schön, wie eine junge Maid. Die Gliederlein sind Tal und Höh‘n und Wiesenschmuck dein Kleid. Die frische Waldluft ist dein Hauch, dein Reden Vogelsang. Der Hain, das ist dein helles Haupt, dein Kuss ist Glocke Klang. Der Wald, er ist dein Mantel grün, dein Haarputz Ährengold. Zum bunten Strauße hier erblüh‘n die Blümlein zart und voll. Es ist der Wiesenschmuck dein Kleid, die Glieder Tal und Höh‘n. Du bist wie eine junge Maid, Thüringer Land, so süß, so süß.“

Die US-Amerikaner von Manowar haben insbesondere in Deutschland seit den 80er Jahren eine treue Fangemeinde. Manowar mit „Blood of the kings“:
„Our armies in England, Ireland, Scotland and Wales, our brothers in Belgium, Holland and France will not fail. Denmark, Sweden, Norway, Finland, Italy, Switzerland, Austria – Back to the Glory of Germany!“ (jubelnde Menge)

Besonders faszinierend finde ich ein Spannungsfeld, das sich im Bereich des Pagan- und Black-Metals auftut. Die schwedische Band Bathory waren Pioniere auf diesem Feld. Um ein paar neuere Namen zu nennen: Die Rumänen der Black-Metal-Formation Nebura Bunget haben die Neofolk-Band Dordeduh hervorgebracht, die auf spirituelle Weise das natürliche Wesen Rumäniens behandelt. Aus der norwegischen Black-Metal-Band Gorgoroth heraus hat sich die Gruppe Wardruna gebildet, die sich sehr anspruchsvoll mit den Geheimnissen der germanischen Runen befasst.

Ich ende mit der Übersetzung der letzten Strophe von „In meinem Land“ von Arkona:
„Oh, wie das rote Herz sich sehnte, oh, nach seinem Heimatland! Oh, in der Dämmerung eile dich, zu deiner Mutter, liebes Herz. Und dort erblickst du Rus, mit einem Lied in deinem Herzen, durch einen Strudel der Gefühle. Hier ist es, dein Heimatland! In den Ketten des Vergessens der herankommenden Kraft der Freude rufst du: Mein Land! Mein Land!“