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50 Jahre Sechstagekrieg

In den Monaten vor dem Juni 1967 waren die Beziehungen zwischen Israel und seinen Nachbarn Syrien und Ägypten äusserst angespannt. Es gab Zusammenstöße an der syrischen Grenze, von beiden Seiten provoziert. Ägyptens Machthaber Gamal Abdel Nasser ging zur Unterstützung Syriens in die Offensive. Ägyptische Truppen wurden in den Sinai geschickt, und am 22. Mai schloß Nasser die Meerenge von Tiran ab und schnitt Israels Hafen Eilat vom Roten Meer ab, womit die wichtigen Handelsrouten nach Afrika und Asien gänzlich zum erliegen kamen. Am 5. Juni befahl der israelische Premierminister Levi Eshkol einen ersten Präventivschlag. Um 7:45 Uhr griffen israelische Jets Ägyptens Luftstützpunkte im Sinai und Suez an: Am Vormittag war die ägyptische Luftwaffe de facto vernichtet und der Kampf um die Luftherrschaft war entschieden. Die israelischen Panzerdivisionen stießen nach Süden in den Sinai und das ägyptische Militär floh. Die jordanischen Streitkräfte griffen in Jerusalem an, aber ihre Luftwaffe wurde schnell ausgeschaltet.

Am 6. Juni kämpften sich israelische Fallschirmjäger ihren Weg in den jordanischen Osten der Stadt frei und am nächsten Tag nahm Israel die historische Altstadt und die Westmauer. Andere Einheiten drängten sich in die Westbank. Die syrische Luftwaffe war zerstört und die israelischen Streitkräfte nahmen die Golanhöhen. Am 10. Juni wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet. Israel hatte drei arabische Armeen besiegt. Es war Moshe Dayan, der 1967 zum israelischen Kriegsheld wurde, welcher nun den Ton angab: «Wir warten auf einen Anruf», sagte damals der einäugige General spöttisch, nachdem seine Truppen den Staaten von Vorder-Arabien , Ägypten, Jordanien und Syrien eine vernichtende Niederlage beibrachten. Über die Palästinenser – der neu eroberten Bevölkerung von Ost-Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen – wurde kaum ein Wort verloren. Der Sechstagekrieg sollte sie dennoch in den Mittelpunkt eines Konflikts mit Israel stellen. Sie sind seitdem dort geblieben. «Selten hatte ein so kurzer und lokaler Konflikt, so lang anhaltende globale Konsequenzen», kommentierte der Historiker Michael Oren. «Israels Triumph», wie jemand anmerkte, war «ein verfluchter Segen». Die Wahrnehmungen haben sich nach 50 Jahren so sehr verändert, dass es heute schwer fällt, die damaligen Sympathien wiederzubeleben, die man für das kritisch beäugte Israel einst empfand, wenn etwa die Bewohner von Tel Aviv der ägyptischen Mobilmachung zum Trotz, Sandsäcke auffüllten. Wenn die Führer des Landes emotional über die verletzlichen «Auschwitz-Grenzen» nach ihrem Unabhängigkeitskrieg von 1948 sprachen, stützte die blutrünstige arabische Rhetorik das Bild von Israel als unbeugsamen Underdog. In der israelischen Armee dienten 264.000 bis 275.000 Soldaten mit gerade einmal 800 Panzern und 400 Flugzeugen. Ägypten, Syrien und Jordanien waren zahlenmäßig überlegen. Zusammengenommen umfasste die Truppenstärke 360.000 Soldaten, 1800 Panzer, sowie 650 Flugzeuge. Hinzu kamen 10.000 irakische Infanteristen zur Unterstützung. Aber der kleine David, der erst 19 war, wurde schnell zu einem hölzernen Goliath.

Als euphorische Israelis die jordanische Grenze in Jerusalems Altstadt durchbrachen und die jüdischen und muslimischen heiligen Stätten eroberten, floh währenddessen ein wenig bekannter Guerillakommandeur namens Yasser Arafat aus Ramallah mit seinen Männern, die an den Kontrollen und Sperrstunden der neuen Besatzung angepasst waren. «Die Wahrheit der Sache war, dass, als die Araber endlich anriefen, Israels Leitung entweder besetzt war oder niemand auf der israelischen Seite da war, um ans Telefon ranzugehen», schrieb der israelische Gelehrte Shlomo Ben-Ami später über Dayans lakonischem Witz. Israel schien sich weniger um Frieden als Territorium zu kümmern, denn es hatte «Tatsachen auf dem Boden» geschaffen durch den schnellen operativen Sieg und dies ausgerechnet durch die bewehrte Blitzkriegstrategie der Wehrmacht, die den Israelis zum Sieg verhalf. Welch eine Ironie der Geschichte, denn wie im Westfeldzug 27 Jahre zuvor, ging es entgegen aller traditionellen Strategien aus der Not in die Offensive, um den zahlenmäßig überlegenen Gegner in Kesselschlachten vernichtend zu schlagen. Bis zum Waffenstillstand am 10. Juni kam es immer wieder zu schweren Gefechten und doch war der Krieg wenige Stunden nach dem Erstschlag bereits entschieden worden. Das Waffenarsenal der arabischen Streitkräfte bestand überwiegend aus sowjetischen Rüstungsgütern. Diese waren meistens nicht mehr auf dem neuesten Stand, wie der altbewährte, aber durstige T-34 Weltkriegspanzer, der sich durch seine Robustheit auszeichnete, ausgestattet mit einem 85-Millimeter-Geschütz, welches die Wehrmacht schon bluten ließ. Ägypten hingen verfügte bereits über moderne Kampffahrzeuge wie den T-54 und den T-55, jedoch nur in geringer Stückzahl.

Das Königreich Jordanien, das an sich dem Westen zugewandt war, setzte neuere amerikanische Modelle der Reihe M-47 und M-48 ein. Die syrische Armee hatte neben sowjetischen auch noch nach 1945 gelieferte deutsche Panzer IV im Einsatz. Der Vorschlaghammer der Israelischen Landstreitkräfte bildeten kampfwertgesteigerte Sherman Panzer und französische AMX-13, ausgestattet mit einer 75-Millimeter-Kanone mit langem Rohr. Dabei handelte es sich um eine weiterentwickelte Version der Hauptwaffe aus dem deutschen Panzer V Panther. Der Staat Israel war durch die Blockade existenziell bedroht, welcher nun gezwungen war, alles auf ein Blatt zu setzen. Doch das Kriegsglück war auf ihrer Seite. Man könnte etliche Diskussionen darüber führen, ob Israel eine frühe Gelegenheit für den Frieden verpasst hat. Aber der Blitzfeldzug liess der Politik keine Zeit, über territoriale Aspekte zu debattieren. Es gab auch keine Strategie, die militärischen Erfolge diplomatisch umzuwandeln, um die Beziehungen zur arabischen Welt zu verändern. Die Gebietsgewinne sind nach 50 Jahren noch immer umstritten und doch hat sich gezeigt, dass militärische Erfolge der Diplomatie zum Trotz, eine handfeste Realität schaffen. Bis heute werden die operativen Erfolge und die Einsatzbereitschaft der israelischen Armee in Militärkreisen international gewürdigt.

 

 


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