Home Geschichte Als 10.000 Deutsche Soldaten zusammen starben

Als 10.000 Deutsche Soldaten zusammen starben

 

Vor 100 Jahren zündeten britische Pioniere 600 Tonnen Sprengstoff unter den deutschen Linien in Flandern. Die bis dahin größte konventionelle Detonation war angeblich bis London zu hören. 10.000 bayerische Soldaten fanden dabei den Tod. Als am frühen Morgen des 7. Juni 1917 unter den deutschen Landsern die todbringenden Ladungen explodierten, war binnen weniger Sekunden die gesamte 3. Königlich Bayerische Division von einem Krater buchstäblich verschlungen und zermalmt worden.



Hinter dem Begriff Messines oder Mesen, wie das Massaker gennant wird, verbirgt sich einer der blutigsten Materialschlachten des Ersten Weltkriegs. Der erzwungene Durchbruch an der Westfront sollte jedoch kaum Einfluss auf den Kriegsverlauf nehmen. Die britische Führung sah sich aufgrund von dramatischen Veränderungen damals gezwungen, die Initiative zurückzugewinnen. Die USA hatten zwar im April 1917 den Mittelmächten den Krieg erklärt, ob jedoch die ersten US-Truppen auch rechtzeitig in Europa eintreffen würden, um die Kriegswende herbeizuführen, stand noch in den Sternen. Nachdem die russische Revolution im Februar zum Sturz des Zaren führte, drohte der zaristischen Armee die Auflösung, was den Mittelmächten Luft verschaffen würde. Im Westen wurde allerdings die französische Armee ebenfalls von Meutereien und Desertion heimgesucht. Der britische Oberkommandierende Douglas Haig plante daher eine großangelegte Offensive in Flandern. Im Mittelpunkt standen dabei britische Pioniere, die bereits die nötigen Vorbereitungen für den Minenkrieg getroffen hatten.

Bei den Minen handelte es sich um unterirdische Sprengkörper, die von Pionieren mit Bergbauerfahrung unter die feindlichen Linien platziert wurden. So schreibt der Historiker Markus Pöhlmann: «Dabei konnte sich ein regelrechter unterirdischer Wettlauf zwischen den Miniertrupps entwickeln, die versuchten, durch Einbruch in den Stollen oder durch Ansatz von Quetschminen den gegnerischen Minenangriff zu vereiteln». Allerdings fand diese tückische Kriegsmethode bereits bei der Belagerung von Wien im Jahr 1683 ihre Anwendung, als Osmanen versuchten, die massiven Stadtmauern unterirdisch punktuell zu sprengen. Dieser hinterlistige Plan konnte jedoch im letzten Augenblick vereitelt werden. Zum Sinnbild des Minenkrieges wurde jedoch Messines.

Nach der Explosion von 600 Tonnen Sprengstoff 1917 wirkte die Front um Mesen in Flandern wie eine apokalyptische Mondlandschaft. Es muss eine gespenstige Stille für einen Moment geherrscht haben. Achtzehn Monate brauchten britische Soldaten, um die 22 Minen unter die deutschen Linien in Stellung zu bringen. Bereits Ende Mai eröffneten rund 2000 Geschütze ein Trommelfeuer auf die deutschen Stellungen, um die Verteidiger abzulenken und aufzureiben, das deren Nachschubwege weitgehend zerstörte. Zwar erkannte man auf deutscher Seite, dass ein Angriff bald bevorstand. Als der aber am 7. Juni um 3.10 Uhr mit der Zündung der Minen begann, traf es die Verteidiger völlig überraschend. Die meisten starben, die zermürbten und demoralisierten Überlebenden ergaben sich widerstandslos; zudem konnten Reserven nicht schnell genug herangeführt werden. Die tödlichen Detonationen verglich ein Überlebender mit «gigantischen Rosen mit glutroten Blättern». Dann tat sich der Höllenschlund auf.
Ihnen gelang ein tiefer Einbruch in die deutschen Linien. Bis zum Juni verlor das kaiserliche Heer 43.000 Mann.

Neun britische Divisionen, die von der neuen Panzerwaffe unterstützt wurden, konnten die deutschen Linien zunächst durchbrechen und 5 km weit vorstoßen. Dann versteifte sich der deutsche Widerstand jedoch. Das Gesuch des britischen Kommandeurs Herbert Plumer, den Angriff auszuweiten, lehnte Haig mit Hinblick auf die geplante Offensive bei Ypern ab. So gruben sich die Armeen erneut ein. Der bis dahin größte britische Sieg an der Westfront endete, wie so häufig im Grabenkrieg, ohne zufriedenstellende Resultate.

Kriegslist ist nach der Haager Landkriegsordnung erlaubt. So entwickelten sich die Schlachtfelder des Großen Krieges zu Erprobungsgebiete der Industriellen Vernichtung mit immer innovativeren Waffen, wovon nicht zu Letzt die Rüstungsindustrie profitierte. Die gefallenen Deutschen Soldaten des 7. Juni waren wahrlich zur falschen Zeit, am falschen Frontabschnitt und hatten nicht den Hauch einer Chance. Im Jahr 2013 untersuchten Archäologen die Reste der überwucherten Grabenbefestigungen. Das Labyrinth aus Gängen war viel größer und komplexer, als es die alten Karten vermuten ließen. Die Länge der Stollen betrug Insgesamt acht Kilometer, die englische und australische Mineure unter die gegnerischen Schützengräben gegraben hatten. Die größte Mine war mit gut 40 Tonnen Ammonal bestückt, einer Mischung aus Ammoniumnitrat und Aluminium, die als Sprengstoff vor allem im Bergbau zum Einsatz kamen. Die Krater von Messines wurden zu Kraterseen. Noch heute wird unter einem Bauernhof ein Blindgänger vermutet, denn es explodierten nur 19 Sprengsätze. Als 1955 ein Blitzschlag einen Blindgänger zündete, kam glücklicherweise niemand zu Schaden, ausser eine Kuh, die sich zuvor noch auf der Weide befand, wo nun ein 60 Meter breiter und 20 Meter tiefer Krater klafft.

Der Krieg, der alle Kriege beenden sollte, löschte in vier Jahren fast eine ganze Generation von jungen Männern aus und prägte die Nachkriegsgesellschaften wesentlich, und das bis heute. Wenn schwindelerregende Mengen an Mensch und Material aufgebracht wurden, um Mensch und Material zu vernichten, warum bringt man dann nicht wenigstens die halbe Menge auf, um bessere Bedingungen für Mensch und Material zu schaffen? Unsere Welt ist ebenso widersprüchlich wie der «Kampf für Frieden.»

Entgegen den Behauptungen von Pazifisten und Friedensstiftern, war ihr Tod nicht umsonst oder gar sinnlos: denn jene Männer starben gemeinsam fürs Vaterland in Erfüllung ihrer Pflicht, damit Deutschland lebt. London wollte die wirtschaftliche Vernichtung Deutschlands. Das Reich war ein Konkurrent auf dem Weltmarkt, ein Rivale im kolonialen Ringen um die Dominanz auf dem Ozean und sollte beseitigt werden. Umgedreht wollte das Reich seinen eigenen Platz an der Sonne und war bereit diesen auf Kosten des Empires einzunehmen.

«Soldaten! In dem Gefühl des Sieges, den Ihr durch Eure Tapferkeit errungen habt, haben Ich und die Herrscher der treu verbündeten Staaten dem Feinde ein Friedensangebot gemacht», verlas
Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg am 12. Dezember 1916 im Reichstag. Wir kennen die Antwort!

 


Quellen:

https://www.welt.de/geschichte/article160151081/Als-das-Deutsche-Reich-der-Welt-den-Frieden-anbot.html

Die Vorgeschichte des Krieges von Karl Hellferich, Ullstein Verlag, 1919, Berlin


 

 

 

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