Als ehemaliger Wehrdienstleistender beobachte ich die Entwicklungen in und um die Bundeswehr in den letzten Monaten mit wachsender Sorge. Es gab Berichte über Erniedrigung, sexuelle Herabwürdigung und Schikane in Pfullendorf, Bad Reichenhall und Sondershausen. Es gab den skurrilen Fall des Oberleutnants Franco A., der gemeinsam mit Komplizen einen Anschlag auf Politiker geplant haben soll und merkwürdigerweise als syrischer Flüchtling anerkannt wurde. Da gibt es für mich keinen Zweifel: In solchen konkreten Fällen hat man gemäß Wehrdisziplinarordnung und Strafgesetzbuch vorzugehen und gegebenenfalls die Schuldigen ihrer Strafe zuzuführen. Das bräuchte keinen großen Medienrummel, sondern unaufgeregtes, ordnungsgemäßes Handeln. Was aber tatsächlich geschieht, ist, dass Verteidigungsministerin von der Leyen ein Klima der Diffamierung und der Verwerflichkeit in und um die Bundeswehr erzeugt und diese somit pauschal in ein schlechtes Licht rückt. Von der Leyen erhebt Vorwürfe eines latenten Rechtsextremismus in der Bundeswehr, der Führungsschwäche und der Haltungsprobleme beim Umgang von Vorgesetzten mit Rechtsverstößen in der Truppe.

Mittlerweile ist eine regelrechte Hexenjagd entbrannt. Kasernen sollen umbenannt werden, weil die Namensgeber nicht mit dem politischen Zeitgeist zu vereinbaren sind, und «Wehrmachtsdevotionalien» werden in einer politischen Säuberungsaktion gesucht. Ein Portrait von Helmut Schmidt in Wehrmachtsuniform wurde gar in der nach ihm benannten Bundeswehr-Universität abgehängt. Was geschieht hier? Es wird ein Zusammenhang zwischen einem Wehrmachtshelm in einer Vitrine in einer Kaserne und einer postulierten rechtsextremen Gesinnung der Soldaten hergestellt, die ihn dort hingestellt haben und ihn dort stehen lassen. In den Fällen, wo es klar ersichtlich ist, dass der Wehrmachtshelm in einem Kontext eingebettet ist, der der Verherrlichung des Nationalsozialismus dient, ist dieser Zusammenhang vorhanden und disziplinarische Schritte sind einzuleiten. Dient der Helm aber keinem politischen Zweck, dient er zunächst der geschichtlichen Bildung wie in einem Museum. Weit wichtiger aber, dient er dann auch einem zweiten Zweck, nämlich dazu, Anerkennung und Achtung für die soldatischen Tugenden der Wehrmachtssoldaten auszudrücken. Daran ist nichts Verwerfliches. Wer kämpft, braucht Vorbilder für Mut und Tapferkeit. Die jüngere Geschichte bietet uns natürlich reichlich Material dafür, dem wir einfach zeitlich besonders nahe stehen. Daneben können militärische Ausrüstungsgegenstände, Karten oder Bilder aus dem Ersten Weltkrieg, aber auch aller Kriege und aller Völker diesen Zweck erfüllen. Ein römisches Kurzschwert, ein mittelalterliches Kettenhemd, eine sowjetische Maschinenpistole, ein Wehrmachtshelm – all dies sind Symbole für militärische Leistungen und soldatische Tugenden, die unsere Achtung verdienen. Sollen bald all diese Dinge aus den Museen getilgt werden, damit der Krieg ja keine Verherrlichung mehr erfahre?



Das Liederbuch «Kameraden singt!» wird zensiert, weil Lieder wie das Panzerlied und das Westerwaldlied in der Vergangenheit zur nationalsozialistischen Überhöhung verwendet wurden. Vom Panzerlied wird sowieso nur noch die erste, weltanschaulich völlig unverfängliche Strophe gesungen. Vermutlich dauert es nicht mehr lange, bis auch das Singen der dritten Strophe des Deutschlandlieds verboten wird, weil die erste Strophe chauvinistisch ist. Was das Westerwaldlied betrifft, habe ich mich bereits als Soldat über die dritte Strophe gewundert, wo es heißt: «Ist das Tanzen dann vorbei, gibt es meistens Keilerei. Und dem Bursch, den das nicht freut, sagt man nach, er hat kein’ Schneid.» Von Nationalismus keine Spur, aber zumindest irgendwie gewaltverherrlichend. Vor dem alles riskierenden Sprung aus dem Schützengraben muss das Testosteron allerdings in Wallung kommen, weshalb ein nüchtern-ziviler Blick auf das Kämpferische hier fehl am Platz ist. Ich sehe keinen Grund, ein solches Lied nicht mehr beim Marschieren zu singen. Marschmusik hat den Zweck, den Körper und den Geist des Soldaten im größeren Ganzen seiner Einheit aufgehen zu lassen und ihm das Gefühl von Stärke zu geben. Als Einzelner ist er im Krieg verloren, nur ein massenpsychologischer Effekt kann ihm die Kraft und den Mut geben, so zu kämpfen, wie er es tun muss, um überleben zu können. Muss das jemand unserer Verteidigungsministerin einmal erklären?

Der Personalmangel der Streitkräfte seit der Aussetzung der Wehrpflicht ist ein bekanntes Problem. Man sollte doch meinen, die Bundeswehr müsse sich darum bemühen, das Ansehen von Soldaten in der Gesellschaft zu steigern, um neue Rekruten anzuwerben. Was aber geschieht? Die Anerkennung wird durch die Vorwürfe des latenten Rechtsextremismus weiter reduziert. Der linksliberale Tenor der Medien und Politiker geht weiter, tiefer hinein ins postheroische Zeitalter. Statt an archaische Kräfte in jungen Menschen zu appellieren, die sie motivieren könnten, für ihr Volk und ihren Staat ihr Leben zu riskieren und dabei Ehre und Anerkennung zu gewinnen, macht von der Leyen Wohlfühlangebote wie Fernseher auf den Stuben und weitere Anpassung des Soldatenberufes an Zivilberufe. Darunter leiden Durchhaltekraft, Kampfgeist, Entschlossenheit, Mut, Opferbereitschaft bis zum Äußersten und überhaupt die Bereitschaft von aktiven und ehemaligen Soldaten, im Ernstfall nicht nur passiv den Kopf hinzuhalten, sondern auch aktiv sein Leben einzusetzen. Glaubt von der Leyen, die nächsten Kriege werden nur noch von Drohnenpiloten und Cyber-Spezialisten vom sicheren Bunker aus geführt? Glaubt sie, diese Armee bräuchte keine soldatischen Tugenden mehr? Dann wird uns der nächste Feind überrollen, der diese Tugenden noch hat.

Wir haben es hier mit einem klaren Widerspruch zu tun, den sie nicht sehen will oder kann. Die Bundeswehr soll in mehr Auslandseinsätze gehen, um den Terror in aller Welt zu bekämpfen. Trump hat ihr Dampf gemacht, den Militäretat auf 2 % des Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Normalerweise kann es unseren Politikern nicht schnell genug gehen, zu tun, was der große Bruder aus Amerika sagt. Aber was tut sie? Sie arbeitet weiter im Einklang mit dem linksliberalen, individualistischen, pazifistischen Zeitgeist daran, den Kampfwert der Bundeswehr zu senken. Offenbar ist der politische und wirtschaftliche Weg hin zur Einen Welt eingeschlagen, und nur wenige widersetzen sich dem. Streitkräfte, die historische Bezüge herstellen, auch wenn diese unpolitisch sind, sind den Globalisten und Eurokraten, wie von der Leyen natürlich eine ist, ein unbequemes Werkzeug. Weder mit Merkel noch mit Schulz wird sich an dieser Entwicklungsrichtung etwas ändern.

 

Quellen:

“Von der Leyen in Erklärungsnot – Was läuft falsch in der Truppe?” – phoenix Runde am 04.05.2017 https://www.youtube.com/watch?v=oHMQ9BXn0bc
http://www.zeit.de/kultur/2017-05/bundeswehr-franco-a-terrorgruppe-wehrmacht-weimarer-republik
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-findet-in-weiterer-kaserne-wehrmachts-devotionalien-a-1146414.html
http://www.huffingtonpost.de/201 7/05/13/ursula-von-der-leyen-verbietet-gesangsbuch-bundeswehr-rechte-gesinnung-heino_n_16591304.html