Home Geschichte Leserkommentar zu Libertarismus, Staatsmacht und Völkermord

Leserkommentar zu Libertarismus, Staatsmacht und Völkermord

 

Einer unserer treuen Leser, Johannes K, ein deutschstämmiger Chilene, hat eine eigene Meinung zu Höckes Schandmal Rede. In Essenz geht es aber um Libertarismus, überhöhte Staatsmacht und die Frage, ob der staatspolitische Leviathan den Menschen wirklich nützt. Ob Massenmord an Völkern oder Vertreibung bzw. Bevölkerungsaustausch(Umvolkung). Ein großer Austausch wäre womöglich in einer Direktdemokratie mit Abstimmungen über die Einwanderung undenkbar.

 

Ich möchte nicht auf die parteiinternen Querelen der AfD eingehen. Allzu sehr erinnern sie einen an die historisch sich wiederholende Unfähigkeit der bürgerlichen Kreise Deutschlands, ihre überzüchteten Egos zu opfern, um einer größeren Sache zu dienen.

Nein. Bei dieser kurzen Polemik möchte ich auf die Ansprache Höckes selbst eingehen und innerhalb dieser Ansprache, auf den Satz, der so viel mediale Aufregung verursacht hat.

Wir Deutschen sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“.

Herr Höcke begeht mit diesem Satz, eben den einen Fehler der historischen Bewertung, den er mit seiner Rede angeblich beseitigen möchte. Er stellt die Shoah als Ereignis, in direkten Zusammenhang mit dem deutschen Volk und begeht den gleichen logischen Fehlschluss, denn auch seine politische Gegner begehen.

Historisch gesehen, ist der Holocaustdenkmal, kein Mahnmal an die Sünden des deutschen Volkes. Das kann es nicht sein, da das deutsche Volk als Kollektiv nicht für den Holocaust verantwortlich gemacht werden kann, genau so wenig wie die US-Amerikaner für die Ausrottung der Indianer, die Kambodianer für die Killing Fields, die Russen für die Gulags oder die Chinesen für die Lao-Gais kollektiv verantwortlich gemacht werden können.

Warum nicht? Weil die uns zugängliche Geschichte nicht die Basis dafür liefert. Die Shoah wurde begangen, von einer Minderheit die wusste, dass sie hierfür keine Unterstützung des deutschen Volkes hätte. Deswegen die Geheimhaltung und deswegen die Reden die Himmler vor seinen „Mitarbeitern“ diesbezüglich führte. Wäre das deutsche Volk überzeugt gewesen, von der Güte und Notwendigkeit des Massenmordes, dann hätten sich die Verantwortlichen nicht so sehr um Geheimhaltung kümmern müssen, da sie dessen Unterstützung sicher gewesen wären und keine ihrer Pläne abträglichen Reaktionen, zu befürchten gehabt hätten. Es würde sich auch im Nachhinein kaum einer als „geschändet“ empfinden, wenn man aktiv oder passiv, zum Vollzug des Massenmordes beigetragen hätte. Schande könnten somit nur jene empfinden, die sich des Bösen bewusst waren, dass da angerichtet wurde und trotzdem mitgemacht haben. Dies stimmt weder für die überzeugten und eingeweihten Nazis, da diese von der Notwendigkeit ihres Handelns überzeugt waren, noch für das deutsche Volk. Das beweisen solche Maßnahmen wie die Geheimhaltungsbemühungen.

Man kann dem gegenhalten, dass das deutsche Volk durch die Wahl Hitlers überhaupt die Möglichkeit erschuf, damit der Massenmord stattfinden konnte. Dieses Argument beinhaltet, wie auch das bereits oben angegangene, mehrere deutlich erkennbare Fehler:

1.- Die Deutschen waren keine Seher. Die Fähigkeit in die Zukunft zu blicken, war ihnen als Volk nicht eigen. Die Wahlentscheidung kann also nur bewertet werden, auf der Basis des Wissenstandes, der den Menschen damals zur Verfügung stand.

2.- Die Mehrheit des deutschen Volkes hat nie in einer freien Wahl für Hitler gestimmt. Das taten die politischen parlamentarischen Eliten, die ob von Links oder Rechts, systematisch das Feld vorbereiteten, für das Kippen der Weimarer Republik in einen totalitären System, wobei sie natürlich davon ausgingen, dass das System zu ihren Gunsten umstürzen würde.

3.- Die extrem eingeschränkte Möglichkeit, Informationen miteinander auszutauschen, machte spätestens nach der Machtergreifung, das Koordinieren einer Gegenöffentlichkeit und Opposition, zu einem praktisch undurchführbaren Unterfangen, sodass auch die Mehrheit des Volkes nicht mehr in der Lage war, die politische Gestaltung Deutschlands maßgeblich zu beeinflussen.

4.- Zu guter Letzt sollte man auch die Hilflosigkeit des normalen Bürgers gegenüber dem Staat bedenken. Man erinnere sich daran, dass Deutschland, obwohl jetzt eine Republik, mit weitgehend funktionierenden Rechtsstaat, systematisch gegen den in Meinungsumfragen erfassten Willen der Bevölkerung regiert wird. 63% der Deutschen sind gegen die Zuwanderung wie sie jetzt stattfindet. Über 66% gegen den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Eine große Mehrheit gegen den Abschluss von TTIP und CETA und über 70% ist für die Direktwahl des Bundespräsidenten . Was hat das gebracht? Die Herrschenden setzen sich über den Willen und gar den erklärten Interessen des Volkes hinweg und dieses ist einfach unfähig dagegen vorzugehen. Nicht aus mangelnden Willen, sondern aus mangelnder Gelegenheit, fehlenden Mitteln und Konzentration der Kräfte. Wieviel schwieriger ist also ein Widerstand in einem totalitären Regime, dass nicht nur mit Geld oder Haftstrafen, sondern direkt mit der physischen Vernichtung der Oppositionellen reagieren kann?!

Wenn also das deutsche Volk nicht der richtige Adressat ist, für das in Berlin stehende Mahnmal, wer denn dann?

Meiner bescheidenen Meinung nach steht das Mahnmal dafür, dass wir nicht vergessen, unserem Staat zu misstrauen. Das wir nicht die Ketten, mit denen wir unseren Leviathan gebunden haben, verlängern oder lösen. Es steht dafür, um uns zu ermuntern, dafür zu kämpfen, jene die Macht haben, in den Joch der Dienerschaft gegenüber dem Souverän zu zwingen. Das Holocaustmahnmal steht aber hauptsächlich für alle Massenmorde und Verbrechen, die im Namen von staatstragenden gesellschaftsperfektionierenden Ideologien begangen wurden. Es steht um die demokratischen Politiker daran zu erinnern, dass diese Massenmorde Folge ihres Versagens gewesen sind. Und es steht dafür,  um totalitäre und ideologisch Verblendete daran zu erinnern, wohin ihre Gesellschaftsexperimente unweigerlich führen. Nämlich zu Tod und Vernichtung.

Und es ist richtig, dass es in Berlin steht. Es müsste auch in Paris, Moskau, Washington, Peking und jede andere Hauptstadt stehen, damit die Herrschenden tagtäglich mit den Folgen des Versagens von ihresgleichen konfrontiert werden und die Völker daran erinnert werden, dass jene, die uns beherrschen, nicht unbedingt edler sein müssen, als wir selbst.

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ttip-grosse-mehrheit-der-deutschen-sieht-freihandelsabkommen-kritisch-a-1090908.html

http://www.wiwo.de/politik/europa/freihandelsabkommen-umfrage-auch-fuer-ceta-keine-mehrheit/14547616.html

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/5393/umfrage/afghanistan-weiterer-aufenthalt-oder-rueckzug-der-bundeswehr/

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/mehrheit-fuer-direktwahl-von-joachim-gaucks-nachfolger-14279141.html

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