Home Geschichte Flüchtlinge & Heimatvertriebene im Vergleich mit den Migrationsbewegungen heute

Flüchtlinge & Heimatvertriebene im Vergleich mit den Migrationsbewegungen heute

In den rhetorischen Werkzeugkasten der Multikulturalisten und Einwanderungsbefürworter gehört die gleichsetzende Gegenüberstellung mit der Situation im Jahre 1945, als Deutschland, so heißt es, ja auch mit mehr Flüchtlingen unter schwierigeren Bedingungen fertiggeworden ist. Und weiter heißt es, auch seinerzeit habe es Ressentiments gegenüber den Neuankömmlingen gegeben, die sich letztlich als unbegründet erwiesen. Die Botschaft solcher Betrachtungen ist klar: alles halb so schlimm, die Befürchtungen sind aufgebauscht, wir haben nichts zu befürchten. Kurzum: Wir schaffen das!

Nun beruhen solche Erwägungen vermeintlicher Gemeinsamkeiten auf einer – womögllich bewußten – Verdrehung der Begriffe der damaligen wie heutigen Situation. Bezogen auf die damalige Situation gilt es festzuhalten, daß beileibe nicht alle, die in Westdeutschland eine neue Heimat fanden, Flüchtlinge waren, sondern Vertriebene. Dies ist ein nicht unerheblicher Unterschied. Flüchtlinge waren jene, die sich vor den Kampfhandlungen und dem anschließenden Terror der Roten Armee in Sicherheit brachten. Diese Menschen hatten keineswegs die Absicht, sich auf Dauer in Westdeutschland anzusiedeln, sondern wollten wieder zurück, sobald es die Lage erlaubt hätte. Meine Großmutter mit ihren beiden Töchtern fällt in diese Kategorie, die, nachdem sie vor der anrückenden Roten Armee aus Niederschlesien über Prag nach Niederbayern flohen, und sich erst später auf Dauer in Niedersachsen einrichteten, nachdem an eine Rückkehr auf lange Sicht nicht mehr zu denken war.

Gänzlich anders verhielt es sich bei den Vertriebenen. Diese Menschen hatten den Krieg in ihrer Heimat überstanden und wurden nun auf Ratschluß der »Befreier« nach Ende der Kampfhandlungen einem Vorgang unterworfen, der heute als ethnische Säuberung bekannt ist: der gewaltsamen und für viele von ihnen tödlich endenden Umsiedlung aus Gebieten, in denen das Deutschtum ausgelöscht werden sollte – also Opfer von etwas wurden, das man nicht anders als ein Verbrechen nennen kann.

Begriffsverwischung

Dieselbe Begriffsverwischung prägt heute die Debatte, indem alle, die nach Deutschland kommen, pauschal zu Flüchtlingen erklärt werden, es aber keineswegs sind. Flüchtling ist jemand, der sich aus einem Gebiet, in dem eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben droht, wegbewegt, nicht, wer sich in bestimmtes Land seiner Wahl hineinbewegen will. Schon gar nicht ist Flüchtling, wer sich woanders ein besseres Leben erhofft. Daß jemand aufgrund wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit sein Land verläßt, mag als Motivation verständlich und nachvollziehbar sein. Flucht ist es hingegen in keinem Sinne, Vertreibung auch nicht. Für niemanden, der auf der Welt tatsächlich vor Krieg oder Gewalt flüchten muß oder vertrieben wird, ist Deutschland ein naheliegendes Ziel.

Hier zeigt sich schon, daß allein hinsichtlich der Begrifflichkeiten kaum eine Übereinstimmung zwischen der damaligen Situation und dem heutigen Migrationsgeschehen herzustellen ist. Die Aspekte, in denen sich beides voneinander unterscheidet, sind indessen noch weit vielschichtiger und sollen im Folgenden zusammengefaßt aufgeführt werden. Doch zunächst sollen gerechterweise die Punkte genannt werden, die tatsächlich oder scheinbar eine Parallele aufweisen.

Vorbehalte der autochthonen Bevölkerung damals und heute

Es ist nicht zu leugnen, daß in den westdeutschen Gebieten, in denen sich Flüchtlinge und Vertriebene wiederfanden, ihnen gegenüber eine zum Teil durchaus aggressive Ablehnung unter der eingesessenen Bevölkerung herrschte. Das kann kaum verwundern, denn auch in diesen Gebieten war die Not groß, Wohnraum teilweise zerstört und knapp. Zusätzliche Esser konnte man nirgendwo gebrauchen. Somit erscheinen die damaligen Vorbehalte nachvollziehbarer als heute, da sich die hinzugekommene Kokurrrenz um Nahrung und Wohnraum seinerzeit viel unmittelbarer bemerkbar machte. Heute können Sozialsysteme  die Belastung in einem gewissen Umfang abfedern, wobei dies die materiellen Lasten für die autochthone Bevölkerung aber nicht aufhebt, sondern nur verschiebt. Zu erwähnen ist auch, daß die Anzahl der Menschen, die im Restdeutschland versorgt und untergebracht werden mußten, die Zahl der heutigen Zuzügler weit überstieg.

Aber nicht nur Versorgungsaspekte spielten damals bei der Ablehung der Zugezogenen eine Rolle, sondern durchaus auch Befürchtungen vor einer Überfremdung. Man muß dabei wohl eine gewisse Verschiebung der Maßstäbe in Rechnung stellen; es sei daher zugestanden, daß für damalige Verhältnisse hinzugekommene Pommern oder Ostpreußen in Schwaben möglicherweise nicht weniger kulturfremd erschienen als heute Syrer in Deutschland, da sich damals die Regionen in Deutschland nicht allein aufgrund verschiedener Dialekte weit deutlicher voneinander unterschieden als es heute der Fall ist. Auch das konfessionelle Gefälle war weit ausgeprägter – vielen Menschen in damals rein katholischen Regionen erschienen die zugezogenen Protestanten aus Preußen nicht weniger fremd als heute einwandernde Moslems.

Richtig ist, daß die große Anzahl der aufzunehmenden Vertriebenen und Flüchtlinge den Charakter der Aufnahmeorte nachhaltig veränderte. Nicht nur in der Weise, daß für viele Dörfer und Städte durch Neubausiedlungen ein Größenwachstum einsetzte, das die Gestalt und Struktur gewachsener, über lange Zeit unveränderter dörflicher und kleinstädtischer Strukturen dauerhaft veränderten. Selbstverständlich haben sich auch die kulturellen Eigenarten der Menschen abgeschliffen; Dialekte wurden zurückgedrängt, Hochdeutsch dafür immer mehr zur Verkehrssprache. Man kann sagen, daß die Aufnahmeregion dadurch an Lokalkolorit eingebüßt haben, und es zu einer innerdeutschen Homogenisierung kam. Aber auch die Flüchtlinge und Vertriebenen selbst haben ihre kulturellen Eigenarten zu großen Teilen verloren. Ihre Dialekte spricht heute niemand mehr, ihre Kultur findet sich noch in Vereinen und Museen, wird aber nicht mehr gelebt. Sie ist fort und kommt nie wieder. So gesehen waren die damaligen Befürchtungen berechtigt und sind auch eingetreten.

Eine scheinbare Parallele zu heute besteht auch in der großen Zahl derer, die heute »minderjährige ungebleitete Flüchtlinge« genannt werden.

Doch zu jeder der hier aufgeführten Gemeinsamkeit lassen sich eine ganze Reihe gravierender Unterschiede aufführen, die letztendlich das Gemeinsame so stark überwiegen, so daß die genannten Parallelen nur scheinbare sind. Ich werde bei der Darlegung der Unterschiede ausführlich darauf zurückkommen.

Deutsche in Deutschland

Hier wäre der erste Punkt, der die Situation damals und heute ganz grundsätzlich unterscheidet: Damals waren die Flüchtlinge und Vertriebene Deutsche, die innerhalb Deutschlands aufgrund eines von Deutschland geführten und verlorenen Krieges migrierten. Ob es den anderen Deutschen, die sie aufnehmen mußten, gefiel oder nicht: es war eine Aufgabe, welche die Deutschen in nationaler Solidarität gemeinsam zu tragen verpflichtet waren – und zwar völlig unanhängig davon, wer den Krieg und die Niederlage zu verantworten hatte. Wer sonst wäre denn dafür zuständig gewesen?

Dahingegen ist keinerlei Verpflichtung erkennbar, die Opfer weit entfernter Konflikte nach Deutschland dauerhaft übersiedeln zu lassen. Hilfeleistung – ja, die ist nach allgemeinem menschlichen Ermessen Pflicht, wie auch jeder verpflichtet, einen Ertrinkenden aus dem Wasser zu ziehen, nicht aber, ihn anschließend bei sich aufzunehmen.

Demographische Zusammensetzung

Hinsichtlich ihrer demographischen Zusammensetzung könnten die Flüchtlinge von damals und die Einwanderer von heute kaum verschiedener sein. Handelt es sich heute zu über drei Viertel um junge Männer im wehrfähigen Alter, die ihre Frauen und Kinder in den Kriegsgebieten zurückgelassen haben in der gar nicht mal abwegigen Spekulation, sie alsbald nachkommen lassen zu können, war es bei den deutschen Flüchtlingen und Vertriebenen genau umgekehrt. Es handelte sich zunächst vorwiegend um Frauen und Kinder, die zusehen mußten, wie sie zurecht kamen, während die Männer im wehrfähigen Alter in den Kriegsgefangenenlagern saßen, nicht selten dort starben und ihnen nur mit viel Glück entkamen und ihre Familien wiederfanden.

Auch die bereits erwähnten, heute so genannten »unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge« waren tatsächlich minderjährig und wurden nicht von ihren Familien als Vorhut vorgeschickt, sondern hatten meist tatsächlich keine mehr.

Integration und Assimilation

Trotz aller bereits erwähnten Vorbehalte gegenüber den Neuankömmlingen gelang ihre Integration und Assimilation reibungslos und ohne größere Mühen, da die Unterschiede doch nur oberflächlich waren. Zudem machten sich die Vertriebenen sogleich ans Werk, um sich am Wiederaufbau des Landes zu beteiligen und sich eine neue Existenz aufzubauen.  Sie waren bald geschätzte Arbeitskräfte und sorgten mit ihrer Tatkraft und ihrem Fleiß dafür, daß die wirtschaftlichen Kriegsfolgen weit schneller überwunden wurden, als man dies seinerzeit angesichts des Ausmaßes der Zerstörungen für möglich halten konnte. Angesichts dessen haben sich vorhandene Ressentiments, die sich vornehmlich in gehässigen Bemerkungen vernehmlich machen, alsbald in Luft aufgelöst.

Niemand von den Vertriebenen wäre jemals auf die Idee gekommen, gegenüber der Aufnahmegesellschaft eine Anspruchshaltung an den Tag zu legen. Und auch hat nie jemand von Ostpreußen- und Schlesierbanden gehört, die in Westfalen oder Schleswig-Holstein die eingeborenen Frauen belästigten oder sich im Bereich der organisierten Kriminalität hervortaten.

Instrumentalisierung der Geschichte

Die geschichtspolitischen Debatten in Deutschland sind davon durchdrungen, daß die Vergangenheit stets für alles Mögliche herhalten muß, daß die Vergangenheit dazu benutzt wird, um die angebliche Alternativlosigkeit einer politischen Agenda zu vertreten. So werden nun auch die geflüchteten und vertriebenen Deutschen dafür in Anspruch genommen, den Irrsinn einer Grenzöffnung und den Anspruch auf Vollversorgung für alle, die sich besseres Leben wünschen, zu begründen.

Nicht unerwähnt soll der kleine Unterschied bleiben, daß jene, die sich in moralistischer Selbsterüberhöhung Mitgefühl für die angeblichen »Flüchtlinge« von heute einfordern, für die deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung oftmals nicht mehr als ein zynisches »Selbst schuld!« übrig haben.

Keine Chance dem Revanchismus!

Als Abschluß erscheint es mir noch geboten, ein paar grundsätzliche Erwägungen zu einem Vorwurf anzufügen, der immer wieder erhoben wird, wenn Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten thematisiert wird, nämlich der des sogenannten »Revanchismus«. Gemeint ist damit das Ansinnen, das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs nicht anzuerkennen und das Bestreben, es rückgängig zu machen. Dem ist selbstverständlich in alle Richtungen scharf entgegenzutreten.

Einerseits leitet sich aus der Feststellung, daß es sich bei der Vetreibung Deutscher aus ihren angestammten, zur Tschechoslowakei und nun zu Polen gehörenden Siedlungsräumen um ein durch nichts zu rechtfertigendes Unrecht gehandelt hat, selbstverständlich kein Ansinnen ab, am Ergebnis etwas zu ändern. Auch ist dieses Ansinnen strikt abzulehnen, da eine Änderung nicht möglich wäre, ohne neues Unrecht zu begehen.

Für jeden Patrioten muß es heute zu den unverhandelbaren Positionen gehören, daß die Völker Europas nie wieder Krieg gegeneinander führen dürfen, und daß die Konflikte, die früher zu Krieg führten, überwunden und auf friedlichem Wege beigelegt werden müssen. Dazu gehört die Überzeugung, daß wir heute zusammenstehen müssen, um Europa als Ganzes zu verteidigen. Über die Frage, wer Anspruch auf die früher deutschen Gebiete hat, ist die Zeit hinweggegangen, und das ist gut so, denn nur darauf läßt sich die Zukunft bauen. Durch den Druck der aus der »Dritten Welt« eindringenden Menschenmassen stehen wir heute vor Herausforderungen, die mit denen von damals nichts gemein haben. Die Frage, die sich heute und in Zukunft stellt, ist nicht, ob Schlesien oder Pommern wieder deutsch werden, sondern, ob Europa zu Afroarabien wird. Für jeden Patrioten muß daher heute die Völkerverständigung ein Herzensanliegen sein!

 

Foto : Bundesarchiv, Bild 183-1990-0927-501 / Krämer / CC-BY-SA 3.0


 


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