Home Geschichte Age of Empires lehrte mich mehr über Geschichte als die Schule

Age of Empires lehrte mich mehr über Geschichte als die Schule

Age of Empires lehrte mich mehr über Geschichte als die Schule

Wer kennt es nicht?

»Die Jugend heute nur am Zocken! Verbringen alle viel zu viel Zeit vor dem Computer! Nur Matsche im Kopf! Geht mal in die Schule, wo ihr was gelehrt bekommt!«

Solche Kommentare kenne ich und kann sie verstehen. Aber sie gehen von einer falschen Annahme aus. Nämlich der, dass der Unterricht heute noch die selbe Qualität hat wie früher. Nehmen wir beispielsweise das Fach Geschichte, welches so in Berlin mit Erkunde und Politische Bildung zusammengelegt wurde. Wesentlich mehr Stunden gibt es nicht, sondern alles soll komprimiert werden und Lerninhalte fallen weg. Schade! Denn ich erinnere mich ganz gut daran, wie mager und dürftig mein eigener Geschichtsunterricht damals schon war.

Aber kann man sich nicht auch spielerisch etwas beibringen? Heute möchte ich ein paar Worte über ein uraltes Computerspiel verlieren. Es heißt Age of Empires und stammt aus grauer Vorzeit, als PC-Spiele noch in riesigen Pappschachteln gekauft wurden und man CD-Träger in das CD-Laufwerk hineinschob. Damals, als wir noch Windows 95 hatten!

Und jetzt übertreibe ich nicht. Die Age of Empires Spiele I und II haben mehr Interesse an Geschichte in mir geweckt, als 200 Stunden Unterricht in der Schule.

Ab der fünften Klasse im Gynasium hatte ich das Pech einen Lehrer zu haben, der für die nächsten zwei oder drei Jahre nicht viel anwesend war und unseren Geschichtsunterricht mit Mandalas füllte. Über Geschichte lernten wir wenig. Wenn ich auch sonst viel Gutes über den Mann sagen kann, muss ich ihm übel nehmen, dass wir bis zur 8. Klasse keinen guten Geschichtsunterricht hatten. Und ab der 8. Klasse ging es dann auch schon langsam mit der Weimarer Republik, Deutschland ab 1933 und so weiter los. Bis zur 11. Klasse behandelten wir im Grunde nur das letzte Jahrhundert und der spezielle Fokus lag natürlich(wie könnte es auch anders sein) auf dem Krieg. Nicht so sehr der Verlauf des Krieges, sondern das was die Deutschen in ihm getan hatten und wem sie was angetan hatten. Alles sehr wichtig. Aber mir fehlen ein paar Jahrtausende Menschheitsgeschichte und die habe ich mir alle selbst beigebracht.

Geholfen hat dabei Age of Empires, ein Strategiespiel aus dem Hause Ensemble Studios, veröffentlicht über Microsoft. Ein richtiges Urgestein der PC-Spiele und sicherlich dem ein oder anderem noch bekannt. In Age of Empires I geht es noch um die Antike, ein in meinem Schulunterricht kaum beleuchtetes Kapitel der Menschheitsgeschichte! Und dabei gibt es gerade in der Antike so viel Fantastisches zu erfahren! Wer waren denn die Phönizier? Ich wette, dass ich dieses Wort einem durchschnittlichen 10. Klässler hier an den Kopf werfen könnte und der arme Junge würde sich »vor Verwirrung selbst verletzten«(hehe).

Dabei waren die Phönizier ein ruhmreiches und fortschrittliches Volk von Seefahrern im heutigen Mittelmeer. In Age of Empires I kann man sie als Volk spielen, ihre Entwicklung begleiten und ihre Armeen zum Sieg über die anderen Rivalen in der Levante führen!

Karthager, Ägypter, Griechen! Oder doch lieber Mazedonier, Minoer und Yamato? Untergangene Kulturen und Völker, und solche, die bis heute existieren und ihren Fußabdruck in der großen Landschaft menschlicher Zilivisation hinterlassen haben. Age of Empires I entfachte in mir den Funken, der dann mit höherem Alter sich zu einem wahren Feuer für Geschichte entwickelte. Das Buch Lexikon der Antike, die Odyssee und die Ilias von Homer (Reclam) stehen heute noch bei mir im Regal.  Die damals angefachte Flamme zieht ihre Spuren bis ins Studium hinein, wo mich Denker und Philosophen wie Aristoteles und Platon begleiten. Aristoteles Rhetorik  – sollte jeder mal gelesen haben!

Zorn des Achilles

 

Und vergessen wir nicht den zweiten Teil von Age of Empires, wo die liebevoll erzählten Geschichten über die Reconquista Spaniens durch El Cid, Isabella von Kastilien und die tapferen Kämpfer von Aragón Eindruck auf mich gemacht haben. Ich habe übrigens später Spanisch gelernt, weil mir die Sprache und Mentalität durch die erlebte Geschichte imponiert hat. Age of Empires II führt den Spieler durch wunderbar liebevoll erzählte Episoden unserer Menschheitsgeschichte, die uns auch demütig machen sollte. Europa ist groß, die Welt ist noch viel größer und die Menschheit ist vielfältig. Auch Vielfältig in ihren Taten, ihrem Wirken und ihren Zeugnissen. Atilla der Hunne, die Seeschlacht von Lepanto, japanische Kriege im Mittelalter und der Tod Barbarossas auf dem Kreuzzug! Das erfährt man alles in relativer historischer Genauigkeit durch das Spiel.  Unsere Geschichte besteht eben nicht nur aus 1933-1945, sondern summiert die Taten und Leben unserer Vorfahren aus Jahrtausenden zusammen. Was wir heute sind, wie wir denken, was wir tun und warum unsere Gesellschaften so ticken, wie sie ticken, hat auch mit dem zu tun, was im Jahre 1200 mal gesagt oder getan wurde.

Wenn Johanna von Orleans nicht den verzweifelten Franzosen erschienen wäre…

Was wäre dann wohl passiert? Sie war Frankreichs Rettung und trug maßgeblich zum Sieg über England bei.  Was passierte an jedem schicksalhaften Tag im Jahre 1521, als spanische Conquistadoren an der Küste der Atzteken landeten. Es veränderte Amerika, Europa und am Ende die ganze Welt für immer.

Age of Empires lässt uns fühlen, als ob wir dabei gewesen wären. Ersetzen kann ein Spiel fundiertes Studium und Unterricht natürlich nicht. Aber es kann inspirieren und helfen das Interesse am Schatz der Menschheitsgeschichte zu wecken. Indem wir die Welt mit den Augen von Menschen betrachten, die früher gelebt haben oder gelebt haben könnten, bekommen wir eine gute Portion Demut mit auf den Weg. Unsere eigene Existenz wird kleiner, aber nicht weniger reichhaltig und wertvoll.

 


 

 

 

Bild: fair use ( Ensemble Studies / Microsoft)

 



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