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Mein verlorenes Deutschland

Mein verlorenes Deutschland

Ich möchte ein paar Worte über ein Land verlieren, das es so heute gar nicht mehr gibt. Die Rede ist von der Bundesrepublik Deutschland meiner Kindheit und frühen Jugend, die irgendwo zwischen den 90ern und 201x Jahren verortet werden kann. Dieses Land existiert heute nicht mehr und ich bin der Meinung, dass das keine Glorifizierung meiner Kindheit aus Nostalgie heraus ist, sondern eine tatsächlich von vielen so empfundene Veränderung unseres Landes. Unsere Republik ist gefährlicher für uns Bürger geworden, und die Solidarität untereinander geht immer mehr verloren. Die Häme und der ganze Hass, der sich zwischen den Menschen mittlerweile abspielt, war mir vor einigen Jahren unbekannt. Heute klafft eine riesige Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, die sich darüber streiten, was der richtige Kurs für unser Land sein sollte. Die Spaltung zieht sich auch durch Familien, Freunde und ist überall zu sehen, wo unsere stark polarisierten Meinungen aufeinandertreffen. Menschen kündigen dir die Freundschaft und Verwandte wollen plötzlich nichts mehr miteinander zu tun haben, weil es unterschiedliche politische Ansichten gibt, die scheinbar so konträr zueinander stehen, dass man die Jahre der Freundschaft, Liebe und Vertrautheit lieber in die Tonne treten und diese Person vergessen will.

Das verlorene Deutschland? Der verlorene Frieden

Die Politik redet in letzter Zeit viel davon, wie gut es Deutschland geht. Wie gut wir wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich dastehen. Aber ich empfinde anders und denke oft, dass es unserem Land in meiner Erinnerung noch nie so schlecht ging wie heute. 2008 habe ich noch sehr zukunftsoptismistisch und hoffnungsvoll nach vorne auf die nächsten zwanzig Jahre geschaut. Das ist heute anders. Ich habe die westdeutsche Republik und die ostdeutsche nie kennengelernt und bin nach der Wende geboren. Dennoch reicht es, wenn ich nur fünf Jahre in meinem eigenem Leben zurückgehe und schaue, wie ich damals vor nur fünf Jahren die Welt wahrgenommen habe und wie ich gelebt habe.

Im Vergleich zu heute waren das beinahe idyllische Zustände, in denen sich unsere Republik befand. Ich kann mich bei bestem Willen nicht erinnern, dass wir beim Baden am Wansee oder anderen Berliner Seen jemals irgendwelche Probleme hatten. Es war eine glückliche und eigentlich sorglose Zeit, die wir damit verbrachten in der Sonne zu liegen, Limonade zu trinken und ein wenig von den heißen Temperaturen zu genießen. Das Freibad Seestraße, wo ich sehr, sehr, sehr oft war, muss hier ebenso genannt werden. Schon damals viel besucht von türkischen und arabischen Mitmenschen und doch verhältnismäßig ruhig. Wenn man heute jedoch eine Lokalzeitung aufmacht, wird man regelrecht überhäuft mit Meldungen von sexueller Belästigung, Gewalt, Diebstahl und regelrechten Mobs, die sich gegen die Bademeister zusammenraufen, um Stress zu machen. Und in meinem Kopf geht derweil folgender Denkprozess vonstatten: »War das früher auch so? Hast du das nur nicht mitbekommen? Verdrängst du es? Oder ist es WIRKLICH anders?«

Die Medien, vor allem linksorientierte, erzählen uns natürlich fleißig, dass es schon immer Gewalt, sexuelle Belästigung, Vergewaltigungen und dergleichen dort gegeben hat, wo Menschen zusammenkommen und das hier keine Zusammenhänge mit Migration, Integration oder Religiösität bestehen. Dennoch bin ich der Meinung, dass es »damals« nicht so schlimm war. Ich denke ich bin mit dieser Ansicht nicht alleine.

Und ich habe ja schon früher erwähnt, dass ich durchaus viele negative Erfahrungen mit Gewalt im Wedding und Moabit hatte. (Deutschsein gegen den Zeitgeist).  Ich weiß also aus Erfahrung, dass es durchaus schwierige soziale und kulturelle Umstände gab, die in Brutalität ausarteten. Aber war es SO schlimm wie es heute scheint? Solche Exzesse hat es nicht gegeben und wenn es sie gegeben hat, waren sie im Vergleich zu heute verhältnismäßig selten. U-Bahntreter, Massenvergewaltigungen, Mobs die Obdachlose anzünden? Bitte! Das gab es früher nicht in diesen Ausmaßen und ich möchte anzweifeln, dass sich jemals Männermobs von Hunderten Deutschen zusammenrotteten,  um Frauen zu begrapschen und zu vergewaltigen. Das gab es NICHT!

So einen derartigen Sittenverfall und Kontrollverlust im öffentlichen Raum, wie wir ihn heute erleben, kenne ich nicht und ich bin echt üble Dinge gewohnt.

Ich habe mich mit einem Bekannten unterhalten, der seit gut zehn Jahren hier in Berlin für die Sicherheit auf Festivals in den Stiefeln stand. Wir sprachen genau darüber und er schien ähnlich skeptisch ob der Zusicherungen unserer Medien und Regierung, dass wir uns das alles nur einbilden. Er war auch der Meinung und fühlte sich durch seine tägliche Arbeit auf Festivals bestätigt, dass seit etwa zwei Jahren die Lage völlig aus den Fugen geraten ist (er ist übrigens Albaner). Messerstechereien, Schießereien, arabische Sexmobs auf den Toiletten und Diebesbanden vom Balkan. Auch der übermäßige Konsum harter Drogen von deutschen Jugendlichen war ein Thema.

Wir kamen also beide zu dem Schluss, dass sich die Extreme der Gesellschaft immer weiter auseinanderbewegen. Mir ist auch nicht entgangen, dass die Rhetorik sich dramatisch verändert hat im Diskurs. Ob im Netz oder im Privaten. Wobei im Netz dann die Hemmungen völlig fallen, wenn einige Bürger wirklich wutempört ihren Gefühlen Luft machen und völlig entgleisen. Linksextremisten fordern die Abfackelung von AfDlern und irgendwo in den Focus-Kommentaren sagt einer, dass man am liebsten alle Schwarzköpfe wegballern sollte und bekommt dafür auch noch ein paar Likes.

Die verhältnismäßige Idylle unserer Kindheit

Als ich mit einer alten Kindheitsfreundin von mir über diese Themen sprach, verfielen wir beide sofort in Nostalgie. Das Deutschland vor einigen Jahrzehnten kommt uns heute rosiger und friedlicher vor, wenngleich ich natürlich weiß, dass sich die Probleme von heute damals schon zeigten und dafür sorgen würden, dass sich die von heute noch potenzieren. Dennoch lebten wir in schöneren Zeiten. Wir fuhren an die Ostsee, badeten im Meer, genossen die Sonne und schleckten Eiskugeln mit Vanillegeschmack. Alles heute immer noch möglich. Aber in meinem Hinterkopf pocht die innere Ahnung von einer drohenden Gefahr. Wie lange noch bis zum nächsten Anschlag? Wenn ich heute feiern gehe und im Club etwas passiert? Ich ertappe mich dabei, wie ich immer meine weiblichen guten Freunde frage, ob sie gut angekommen sind und sie lieber noch nach Hause bringe, wenn es dunkel ist. Das habe ich früher schon getan. Mittlerweile ist es zum Reflex geworden, weil ich ja genau weiß, was passieren könnte und ich weiß auch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, größer geworden ist. Da kann mir keiner was anderes erzählen. Keine geschönte Statistik kann darüber hinwegtäuschen, dass wir in unsicheren Zeiten leben und es um den inneren Frieden in diesem Land schlecht bestellt ist.

Seltsam, wenn ich plötzlich einer alten Freundin gegenüberstehe, die mir ins Gesicht sagt, dass ich ein Monster bin und sie nichts mehr mit mir zu tun haben will, weil ich die AfD gewählt hab. Sie schrie und weinte und wir haben nie wieder miteinander gesprochen. Und dann denke ich an die fast 15 Jahre zurück, die wir einander kannten und vertrauten und mochten. Alles vorbei und scheinbar vergessen. Man kennt sich nicht mehr, obwohl man Händchen im Sommergras hielt und nachts sich Geheimnisse unter einem Sternenhimmel erzählte.

Ironie, weil meine Einstellung und meine politische Aktivität ja gerade dazu dienen, Menschen wie sie zu schützen. Damit sie nicht irgendwann tot in der Gosse liegt. Über das »ich hab es dir doch gesagt« kann ich mich dann ausnahmsweise nicht freuen. Vielleicht empfindet ja der ein oder andere Leser hier ähnlich.

In diesem Sinne: Es war ne geile Zeit.



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