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Die Barbaren aus Dunkeldeutschland!

Die Sachsen! Ein räuberisches Bergvolk! Barbaren aus Dunkeldeutschland, die plündernd und gröhlend über die liberale Zivilisation herziehen, Asylheime anstecken, Blumentöpfe umschmeißen und kleinen farbigen Kindern den Lolly wegnehmen! Sachsen! Die seien eine Gefahr für das demokratische Deutschland ! Hinterwäldler, die in Berghöhlen hausen und ahnungslosen Spiegel-Journalisten eins mit der Keule überziehen wollen. So in etwa hört sich das für mich an, wenn die deutsche Medienlandschaft über die Sachsen herzieht, wenn der Bundespräsident dieses Bundesland zu »Dunkeldeutschland« zählt und Wohlstandskinder der Gutmenschengruppe auf Twitter und Facebook nur zu gerne ein Millionen Volk in einen Topf werfen und so richtig übel vom Leder ziehen. Verallgemeinern ist gut, solange es gegen die Sachsen und vielleicht noch die Mecklenburger oder Brandenburger geht. Ossis im Allgemeinen, die in ihrer primitiven Bäuerlichkeit den Patriziern unseres Landes gehörig auf den Sack gehen. Sachsen? Das sind alles Nazis, wenn es nach manchen Stimmen geht. Der Hort des Bösen, der irgendwo zwischen Dresden und Bautzen zu finden ist, wo die Hillbillies vom Lande leben. Das Pack eben.

Wissen Sie. Ich empfinde das als scheußliche Propaganda und Hetze. Und da würde ich das Wort Hetze auch mal benutzen, weil es eigentlich sogar Volksverhetzung im Sinne des Paragraphen ist. Wenn es gegen die Menschen in Sachsen oder umliegende Bundesländer geht, fallen alle Hemmungen und da quillt ein richtiger Rassenhass aus so manchen Schreiberlingen, linken Aktivisten und sogar hohen Politikern heraus.  »Bomber Harris! Do it again«

Ist das nicht eigentlich Aufruf zum Massenmord oder vielleicht gar Völkermord? Gilt das nicht als Hassrede? Wie wäre es, wenn wir den Zusammenhang ändern würden? Wenn nicht eine linke Aktivistin, sondern ein Pegida Demonstrant zur Bombardierung von arabisch geprägten Vierteln in Berlin aufrufen würde? Innerhalb von ein paar Stunden stände der Staatsschutz vor seiner Tür und in seiner Tür und ich würde sogar sagen zu Recht. Aber unsere barbusige Volksverhetzerin wird sogar noch von ihrer Szene gefeiert. Da blühen echte Vernichtungsfantasien in einigen Köpfen, die völlig ungesühnt geäußert werden können, weil die Zielgruppe die richtige zu sein scheint. Und dabei bin ich überhaupt Niemand, der sagen würde, dass es in Sachsen kein Problem mit Rechtsextremen gibt. Das gibt es und wir können es nicht von der Hand weisen, dass die rechtsextreme Szene in Sachsen etwas stärker ist als anderswo in der Republik. Da ergibt die eigene Recherche schon genug hässliche Bilder von Glatzköpfen mit Neo-Nazi Symboliken, die vor Asylheimen üble Parolen brüllen oder in Dresden aufmarschieren und offen mit der Ästhetik der Nazis spielen. Das gibt es auch und das sollte man nicht herunterspielen. Ich bin nicht so schnell dabei mich mit jedem zu solidarisieren, der Kritik an der Einwanderungspolitik, dem Islam oder der Regierungselite äußert. Dafür habe ich schon zu oft gesehen, dass Leute Patriotismus sagen, aber Rassenhass, Chauvinismus und Totalitarismus meinen. Das erinnert mich auch an die ersten Momente von Pegida, wo dann langsam auch Zeitschriften(ich glaube es war Cicero) nüchterner berichteten. Damals zumindest, wo bis zu 25.000 Menschen zusammenkamen, wurden die sich unter die Menge mischenden Neo-Nazis noch rausgedrängt oder zurechtgewiesen. Und so empfinde ich auch die tatsächlich rechtsextremistischen Gruppierungen, die auf dem Trittbrett des Volkszorns in Sachsen mitfahren wollen. Dafür kenne ich mittlerweile zu viele Ossis, die das Gefühl haben, dass sich die DDR wiederholt und die Mechanismen der Repression zurückkehren, die man noch unter Honecker und Co. kannte.

Ich traf mich sogar kürzlich mit Herrn Hesse*(Name geändert) der lange als Journalist tätig war und in der DDR Widerstand gegen eben diese Repression leistete. Wo man wusste, dass man nicht frei seine Meinung äußern kann und als Volk nicht ernst genommen, sondern permanent an der Nase herumgeführt wird. Er lebt heute in einem multikulturell stark bereicherten Bezirk von Berlin und ist alles andere als ein Fremdenhasser. Aber die Zustände dort, wo Kriminalität siecht, Arbeitslosigkeit explodiert und ethnische bzw. religiöse Spannung unter der Oberfläche schwelt, möchte er andernorts verhindern. Da ist bei ihm der untrügliche Verdacht aufgekommen, dass sich die Unterdrückungsmechaniken, die er noch aus der DDR kennt, nun auch in der Bundesrepublik verbreiten und ganz heimlich Schule machen. Dagegen kämpft er und ich halte das für die grundsätzliche Motivation bei vielen, nicht allen, sogenannten Dunkeldeutschen. 

Ich glaube, dass die Ossis und womöglich vor allem die Sachsen einen Riecher  und ein natürliches Misstrauen gegenüber der Regierung entwickelt haben, das  in den Jahren der Verarschung unter SED und Freunden geboren wurde. Das heute ein Justizminister dann wieder sagen kann, dass man die Meinungsfreiheit nicht beschränken, sondern nur unpassende Kommentare zensieren und löschen will , sogenannte Hetze, lässt die Menschen in Dresden und andernorts sicherlich aufhorchen und wachsam werden, während wir im Westen diese ideologische Einengung erst kennenlernen. Hetze war auch ein Kampfbegriff in der DDR, unter den dann alles fallen konnte, was die SED wollte. Sehr schwammig und gerade weit genug, dass man alles darunter definiert bekommt, was der Partei gegen den Strich geht.

Das sich der Unmut der Bevölkerung über unsere Politiker, ja die Politikverdrossenheit und die Ablehnung des Status Quo nicht nur auf Sachsen beschränken, zeigt der Wahlerfolg der AfD. Die ist mittlerweile nicht nur im Osten der Republik erfolgreich, sondern hat auch Gewinne im Südwesten und teils auch im traditionell sozialdemokratischen Mittelwesten erzielt. Dunkeldeutschland wird also größer, würden jetzt sicherlich einige Zungen behaupten. Für manche Ideologen von Links entsteht hier wohl der Eindruck, dass sich Millionen Deutsche plötzlich doch noch als böse Rassisten und Fremdenfeinde entpuppen. Als hätten sie jahrelang auch im Westen eine Maskerade aufrecht erhalten. Übrigens haben die weißen Amerikaner damals mehrheitlich Obama ins Amt gewählt und alles war gut. Die Nation sei nun geheilt gewesen und frei von Rassismen. Nachdem mehrheitlich die weißen Amerikaner Trump ins Amt gewählt haben, bezeichnete man das als Rückfall in den Rassismus der Gründerzeit und feuerte aus allen Rohren so richtig gegen die dummen weißen Hillbillies vom Lande.

Bald ist ja auch wieder die große Wahl und man fürchtet und die Angst geht um, dass die Barbaren aus dem dunkeldeutschen Sachsenland ihr Stimmgewicht mit hinein bringen, um die AfD in den Bundestag zu katapultieren.

Na Gott sei Dank gibt es die Sachsen auch noch.


 

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