Home Gesellschaft Empathielosigkeit? Zur Debatte um den Mord an der Freiburger Studentin.

Empathielosigkeit? Zur Debatte um den Mord an der Freiburger Studentin.

Empathielosigkeit? Zur Debatte um den Mord an der Freiburger Studentin.

Die Aufklärung des Falles – dessen Ablauf uns allen bekannt sein dürfte – hatte einige Reaktionen im Volk ausgelöst die gegensätzlicher nicht sein könnten. So gibt es eine nicht kleine Gruppe die komplett enthemmt und schamlos den Fall instrumentalisiert um gegen Flüchtlinge und „den Ausländer“ an sich zu hetzen. Dabei ersäuft sich der ein oder andere Kommentator in exzessiven Horrorszenarien, oft fantastische Versatzstücke realer Fälle.

Eine andere Gruppe ist nicht minder „enthemmt“, wenn sie sich auch etwas gewählter im Ausdruck ist. Es geht hier natürlich meist um Angehörige des Establishments, gerade der Presse. Für sie geht es nicht nur um den offensichtlichen Pöbel sondern um die Sache, dass man diesen Fall überhaupt mit der Flüchtlingsproblematik in Verbindung bringt.  Diese „Einzelfälle“ dürfe man nicht „generalisieren“ – was man bei „rechten“ Gewalttaten gerne tut.  Sofort ist man „fassungslos“ (Richtig, Götz Kubitschek hat das letztens sehr treffend in der Sezession ausgeführt) riecht „Menschenfeindlichkeit“ und ist deswegen so entsetzt „wie weit unsere Gesellschaft schon gekommen ist“.

Das denke ich mir meistens nach der Lektüre solcher Kommentare der einen oder Artikel der anderen Seite auch. 

Denn natürlich ist es kompletter Quatsch in JEDEM Flüchtling einen Vergewaltiger zu sehen (mit dieser Logik, bei der dann auch jeder Mann ein potentieller Vergewaltiger ist beehren uns die FemiNazis schon zu genüge) und auch das jede Kritik an der Flüchtlingspolitik, die auf solche Fälle beruht „menschenfeindlich“, „rassistisch“ oder gar „bösartig“ sei, stellt für mich ein abzulehndes Extrem da.

Denn dieser ganze Vorgang ist nichts Neues. Seit Jahren kommt es immer wieder durch Flüchtlinge oder Migranten zu Vergewaltigungen einheimischer Frauen, die nicht immer im Mord enden aber oft das Sicherheitsempfinden ganzer Städte längerfristig stören können. Oft versteppen Nachrichten über diese Fälle auf Regional- oder Landesebene. Durch Filterwahrnehmung in den Netzwerken, können allerdings einige Menschen mit solchen Meldungen regelrecht täglich bombardiert werden. Für andere wirken diese Fälle wie ein kaum hörbares Nebenrauschen, dass von einigen Leuten nur störend hochgepitcht wird. Dann gibt es meist eine Debatte. Über einige Monate. Dann wird es meistens bis zum nächsten Fall wieder stiller.

Interessant ist, dass für letztgenannte Gruppe die Filterblase in eine andere Richtung geht: Hier wird gerne jedes irgendwie angekokelte Flüchtlingsheim als Teil einer Welle „rechter“ Gewalt gedeutet, jede sich halbwegs patriotisch gebärdende Person für mitschuldig erklärt und die Geschehnisse auch nicht als „Einzelfälle“ gewertet. Auf der anderen Seite wird von einer „nie dagewesen Welle an Verbrechen durch Flüchtlinge“ fantasiert. Gegenseitig wirft man sich Empathielosigkeit vor, was auch stimmt: Nur sind beide Seiten empathielos.

Die eine Seite sollte verstehen, dass Häme, Hohn und Verachtung angesichts eines solchen Falles hochgradig unehrenhaft ist und das gemeinschaftliche Klima verpestet. Die  andere Seite sollte verstehen, dass es hochgradig fanatisch rüberkommt, wenn man im Angesicht dieser Fälle ein stures „Weiter so” ausspricht und jeden(!) Zusammenhang verneint und versucht wortreich Kritik daran zu verhindern. Es ist eben – bei aller „Gleichheit“ vor dem Gesetz – um einiges schlimmer wenn ein Schutzsuchender, ein Gast sich auch noch an den Kindern der Gastgeber vergeht, diese schändet oder gar umbringt. Dieses ungeschriebene Gesetz  reicht weit über viele unterschiedlichste Kulturkreise und Zivilisationen hinaus. Diese Gefühlsregung und Anteilnahme gänzlich zu meiden, nur weil man sich keiner „Gruppe“ zurechnen möchte, weil man „Individualist“ ist, ist nicht minder empathieunfähig. Sich an den Rachegelüsten zu besaufen, jede Gastfreundschaft in den Wind zuschlagen, ist das andere Extrem.

 

 

 


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