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Unser Wochenende in Bamberg

Unser Wochenende in Bamberg

Liebe Leserschaft,

am Freitag Morgen um 6 Uhr in der Früh hab ich meine Reise nach Bamberg angetreten, die auch durch eure Spendenunterstützung möglich gemacht wurde. Dafür möchte ich mich herzlich bei euch bedanken! Ich möchte euch hier von der Reise und der Zusammenkunft der Young-German-Autoren berichten. Schon jetzt möchte ich sagen: Was für ein geniale und atemberaubend schöne Stadt!

 

Punkt 5 Uhr am Morgen klingelte mein Wecker und ich machte mich fertig. Der Rucksack war gepackt und alsbald fand ich mich auch schon am Berliner Hauptbahnhof wieder. Ein kühler Wind pfiff dort bereits und kündete vom baldigem Wetterwechsel. Die Bahnfahrt nach Franken gestaltete sich sehr entspannt und ich erreichte am späten Vormittag auch schon die Stadt, wo wir Young-German-Autoren uns zum ersten Mal persönlich treffen wollten. Cundar ist hier wohnhaft und hatte uns angeboten, dass er uns die Stadt zeigen würde. Als Berliner, der selten aus Berlin herauskommt, wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Weserlotse fuhr mit dem Auto, während Ad Renum sich ebenfalls mit dem Zug von Österreich aus auf den Weg gemacht hatte.

Ich muss gestehen, dass ich von Bambergs Hauptbahnhof unterwältigt war. Ein hässlicher graubrauner Betonklotz stand drohend vor dem alten Bahnhofsgebäude, wo sich am Vormittag bereits Dutzende Asylsuchende herumtrieben. Viele dieser (ausnahmslos) Männer waren bereits alkoholisiert und soffen Dosenbier. Als ich auf die Ankunft von Ad Renum wartete, fielen mir drei arabischstämmige Männer auf, die im Rauchverbot rauchten und laut miteinander scherzten. In guter deutscher Ordnungsliebe wies ich sie höflich darauf hin, dass sie sich bitte mit den Kippen in den ausgewiesenen Raucherbereich begeben sollten. Ohne zu Mucken kamen die Jungs dieser Weisung nach und entschuldigten sich im schlechten Englisch bei mir. Nicht die Reaktion, die ich erwartet hatte. Aber durchaus positiv.

Nach einigen Stunden des Wartens erreichte mich dann endlich die Nachricht von Ad Renum. Er würde jeden Moment am Bahnhof ankommen und ich sollte nach dem massiven einarmigen Muskelprotz Ausschau halten. Der Mann war schwer zu verfehlen und wir begrüßten uns wie alte Bekannte, obwohl wir uns ja eigentlich zum ersten Mal sahen. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg in unser Hotel, das glücklicherweise direkt in der Innenstadt lag. Schon auf dem kurzen Weg dorthin fiel mir auf, wie sauber die Stadt auf mich wirkte. Etwas, worüber Ad Renum nur lachen konnte. Für einen Berliner war Bamberg natürlich sehr sauber. Aber ich solle doch mal in sein Dorf kommen, wenn ich sehen will, wo es wirklich sauber und ordentlich ist. Dennoch kann man doch sagen, dass die Stadtstraßen in einem guten Zustand sind, und man konnte sogar wirklich Passanten und Anwohner sehen, die vor ihrer Tür fegten. Ich war mehr als erstaunt. Auch die Gebäude wirkten, je näher wir der Altstadt kamen, immer traditioneller und angenehmer für das Auge.

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Erster Blick in die Innenstadt. Ungewohnte Architektur für einen Berliner

Nach dem Einchecken ging es auch schon direkt weiter. Cundar und Weserlotse würden erst später zu uns stoßen und so erkundeten Ad Renum und ich die Stadt auf eigene Faust. Ich muss sagen, dass mir die Architektur und eine gewisse Provinzialität von Bamberg sehr gefallen hat. Wir suchten die Altstadt auf, tranken unseren ersten Glühwein und labten uns an den vielen historischen Gebäuden. Weihnachtsmärkte und Fressstände säumten unseren Weg und für einen Berliner war es doch recht schön, mal kein Großstadtflair zu erleben. Am Freitag Nachmittag war der Kern gut besucht, aber nicht überfüllt. Das sollte sich am morgigen Tag ändern.

Hier überquerten wir die Brücke zur Altstadt.
Hier überquerten wir die “Kettenbrücke” zur Altstadt.

 

Auffällig war leider, dass Bamberg als Universitätsstadt wohl nicht vom linken Zeitgeist seiner Studenten verschont geblieben war. Die Anzahl von Stickern mit linken Botschaften war einfach gigantisch. An jeder Laterne oder Säule fanden sich welche. Wir korrigierten so gut wir konnten, indem wir sie schlichtweg entfernten.

Am Abend kamen wir endlich alle zusammen und ließen uns von Cundar zu den guten Gaststätten der Stadt ausführen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und jedem Besucher empfehlen, die vielen verschiedenen Biersorten in Bamberg zu probieren. Die meisten schmeckten mir sehr gut! Allerdings bestätigte ich dann scheinbar das Vorurteil über Berliner, als mir das Rauchbier nicht so zusagte. Es schmeckt wirklich wie schwarzwälder Schinken. Nicht so mein Fall!

Bei guter fränkischer Küche begannen wir unseren Abend in Bamberg. Die Gaststätten dort haben unglaublich mitteralterlichen “Flair” und verstrahlen Tradition und Brauchtum. Holzdielen, Wappenschilder und rustikale Einrichtung! Keine Hipster-Läden, sondern urige deutsche Lokalitäten. Sehr zu empfehlen! In unserem zweiten Lokal brachte uns Cundar dann auch mit einigen Trinkfreunden zusammen, die wie angekündigt etwas “links” waren. Ich weiß nicht mehr warum genau oder wie es dazu kam … Aber am nächsten Morgen wachte ich in meinem Hotelbett auf und bemerkte allerhand kleine Blutflecken auf meinem Hemd und auf der Decke. Im Spiegel betrachtete ich dann einige Kratzer im Gesicht und am Arm und da kehrte dann die Erinnerung zurück. Am späten Abend hatte ich scheinbar eine kurze politische und dann körperliche Auseinandersetzung mit einem der “irgendwie linken Typen”, mit dem ich mich kurz gerauft und dann beim Bier wieder vertragen habe. Die Details sind etwas vage. Allerdings möchte ich zum Protokoll geben, dass ich gewonnen habe, auch wenn ein Ringrichter den Kampf als unentschieden wertete. Spaß beiseite. Wir haben uns mehr aus Spaß gerauft und ich fand es sehr angenehm sich mal zu hauen, ohne dass es gleich um Leben und Tod geht. Da wo ich aufgewachsen bin, zücken viele sofort ein Messer wenn es zu Gewalt kommt. Wir konnten uns kurz raufen und dann gemeinsam Spaß haben, Bier trinken und einander im Guten verabschieden. Die gesamte Runde war von diesem “Zwischenfall” sehr belustigt.

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Vier Freunde sollt ihr sein!

Am Samstag ging es für uns früh los. Ich werde ehrlich sein und sagen, dass ich mit einem leichten Kater und Kopfschmerzen zu kämpfen hatte. Doch die kalte und frische Luft in der Stadt vermochte es mich schnell zu regenerieren und wir ließen uns am Samstag von Cundar durch die Stadt führen. So zeigte er uns seine Heimat, Bamberg und ich möchte nicht viel reden, sondern euch einfach die Bilder zeigen. Einige davon zumindest.

 

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Maximiliansbrunnen in der Altstadt auf dem Maxplatz.

 

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Der “Bamberger Reiter” (13. Jhd.) im Dom.
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Die Verspieltheit der Architektur. Ganz im Gegensatz zur Tristheit der glatten modernen Bauklötze und Glaskästen. Eingangstor zur “Alten Hofhaltung”.

 

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Blick auf das “Alte Rathaus” von der Domstadt aus.

 

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Dichter Nebel begleitete uns noch am Morgen. Hier erkundeten wir das Gebiet im und um den Hain.
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Ich fühlte mich oft wie ein Zeitreisender. Blick auf die Villa “Concordia”, vermutlich von Johann Dientzenhofer entworfen.

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Das Denkmal für die Heimatvertriebenen in Bamberg.
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Hier soll E.T.A. Hoffmann einem sprechenden Hund Berganza begegnet sein. Der preußische Autor soll sich in Bamberg nicht so wohl gefühlt und deshalb dem Alkohol gefröhnt haben. In der Schule musste ich seinen “Goldenen Topf” lesen. War nicht so mein Fall.

 

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Ein Gedenkstein für die Opfer der Judenpogrome, von denen es in Bamberg mehrere gab. Das letzte zur Zeit des Nationalsozialismus. An der Stelle dieses Gedenksteins stand bis 1938 eine prächtige Synagoge die sich großartig ins Stadtbild einfügte. Ein Bild davon gibt es hier (Wikipedia). Ebenfalls gab es vor einigen Jahrhunderten auch eine rege “Hexenverfolgung” in Bamberg. Gedenksteine und Tafeln erinnern an die schrecklichen Ereignissen in der Stadt und mahnen zu Recht. Wir hielten vor den Gedenktafeln der Heimatvertriebenen und der Judenverfolgung etwas länger inne als sonst. Cundar wies uns sehr kenntnisreich in die lange sowie hin und wieder turbulente Geschichte der Stadt ein, während wir den Aufstieg nach oben machten. Danach genehmigten wir uns fränkische Spezialitäten in einer Gaststätte.

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Oben angekommen gönnten wir uns die wundervolle Aussicht auf die Stadt, nachdem wir auch den Bamberger Dom besichtigt hatten, der sicherlich eines der imposantesten alten Gebäude sein dürfte, in denen ich jemals war. Als Katholik und Stadtkenner konnte uns Cundar viele Details zur Geschichte des Glaubens und der Besiedlung Bambergs erzählen. So diente die Stadt auch als Ausgangspunkt für die Christianisierung des heutigen östlichen Teil des Landes um 1007.

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Ein kleines süßes Rotkehlchen am Wegesrand im Hain.

 

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Eine weiße Katze beobachtete uns neugierig.
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Eindrücke von der Architektur in Bamberg

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An manchen Straßen hatte ich das Gefühl, dass uns jeden Moment eine Truppe Kreuzritter entgegen kommen könnte.

 

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“Schäuferla”

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Perspektiven der Altstadt.

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Altes Rathaus im Detail.

 

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Eine Gedenktafel in St. Jakob für im Ersten Weltkrieg gefallene Mitglieder der Kirchengemeinde und Klöster.

 

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Innenraum von St. Jakob. Zeitgleich mit dem Dom entstanden. In dieser Kirche heiratete der Hitlerattentäter Stauffenberg seine Frau Nina.

 

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Ausblick gen Osten auf die Stadt. Links das ehemaligen Kloster Michael, rechts der Dom.

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Ein überaus fluffiger Hund, den ich euch unbedingt zeigen wollte.

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Und bei unserem abendlichen Bierchen in den urigen Kneipen endete das Wochende auch schon. Vorher sprachen wir natürlich noch lange und ausführlich über die Zukunft von Younggerman.de und wie es nächstes Jahr weitergehen soll. Mehr, besser und hübscher! Dazu im Januar dann mehr.

Als wir uns dann verabschiedeten und am Sonntag die Heimreise antraten, hatte ich das Gefühl, dass ich mich schon von guten Freunden verabschieden musste. Bamberg ist auf jeden Fall eine Reise wert.


 

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