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Führen durch Vorbild

Führen durch Vorbild

Es ist sehr einfach zu sagen: »Mach mal!«

Schwieriger ist es mit gutem Beispiel voranzugehen. Am zweiten Tag der Schlacht von Gettysburg im amerikanischen Bürgerkrieg, sahen sich die stark dezimierten Soldaten des Unionsoffiziers Joshua Chamberlain einer überlegenen Anzahl Südstaatlern gegenüber. Mittlerweile war ihre Position übersäht mit den Leichen der Feinde und denen ihrer Kameraden und es war absehbar, dass die feindlichen Kräfte jeden Moment den Sturm auf den bewaldeten Hügel wagen würden, auf dem sich Chamberlains Männer derzeit aufhielten. Als sich am Fuße des Hügels die Südstaatentruppen zum Angriff sammelten und langsam hochkamen, fasste Chamberlain einen Entschluss. Im dem Wissen, dass seine Männer kaum noch Munition hatten, übermüdet und angeschlagen waren und sichtbar abgekämpft wirkten, zog er den eigenen Säbel zum Bajonettangriff. Da muss man verstehen, dass es in seiner Zeit nicht unüblich war, dass geschlagene Truppen sich dem Feind ergaben oder Offiziere  die Verteidigung befahlen und sich derweil in sicheres Hinterland begaben, während die einfachen Soldaten die Stellung halten sollten.

Ich glaube es war ein Soldat des Ersten Weltkriegs, der da sagte, dass der Stellungskrieg schnell vorbei wäre, wenn auch nur ein General die Hölle durchleben müsste, welche jeden Tag von den Soldaten dort durchgestanden wurde. Es erinnert mich auch an die Erfahrungen der Briten an der Somme, wo britische Generäle mit Ferngläsern die Frontlinie beobachteten, Tee tranken und Millionen Männer in den Tod schickten und dann völlig aus der Fassung fuhren, wenn die Moral der Truppe sank und selbst sehr loyalen Einheiten der Kampfesmut abhanden kam. Die Distanz zwischen Befehlsempfänger und dem Befehlshabenden ist manchmal sehr groß. Das sehen wir auch in der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst.



 

Chamberlain soll als erster Mann den Hügel heruntergestürmt sein, nachdem er den Befehl gab in einer schwingenden Bewegung den Feind zu flankieren und gleichzeitig frontal zu attackieren. Wenn ich bereit bin  mich in die selbe Gefahr zu begeben wie meine Männer, habe ich auch ihre Gefolgschaft verdient. Julius Cäsar hielt es ähnlich und war Vertreter der Ansicht, dass man die Lebensumstände der einfachen Legionäre teilen müsse, um ihre Treue zu verdienen und zu behalten. Vom hohem Rosse Befehle zu erteilen und den Ausgang des Kampfes in weiter und sicherer Entfernung zu beobachten, zeugte für ihn nur von einem schwachen Charakter. Und so sind wir wieder bei Joshua Chamberlain, der den Angriff anführte und sich einem tödlichen Risiko aussetzte.

Wenn ich alles aus den Menschen rausholen möchte und ihnen helfen Will die eigenen Ängste zu überwinden, muss ich ein Vorbild sein und den ersten Schritt machen. Es ist sehr leicht zu sagen, dass man dies oder jenes tun sollte und leicht Leuten Ratschläge zu erteilen, die man selber nicht befolgen würde. Aber indem ich meine eigene Angst überwinde, helfe ich anderen dabei das selbe zu tun. Es ist übrigens Napoleon gewesen, der die Loyalität seiner Soldaten über sein staatliches Amt hinaus behalten konnte. Er war einer der Staatsführer, die nicht so sehr dadurch bestachen, dass sie großartige Politiker waren. Napoleon wurde Kaiser, weil er die unerbrüchliche Treue seiner Soldaten gewonnen hatte. Seine Soldaten dienten ihm, weil sie an ihn glaubten und durch ihn Anerkennung erfuhren. Er machte Schluss mit dem alten System der adligen Offiziere und beförderte Männer nur noch aufgrund ihrer Leistung. Tapferkeit, Loyalität und Intelligenz wurden belohnt, während Karrieristen und Feiglinge bestraft wurden. Als er nach seinem ersten Exil zurückkehrte, machten ihn die Soldaten erneut zum Kaiser und leistetem ihm Gefolgschaft. Weil sie an ihn glaubten und wussten, was für ein Anführer er war.

Genau das gleiche Prinzip sehen wir bei Alexander dem Großen, der nur dadurch ein Weltreich gründen konnte, weil er für seine Männer in den Tod gegangen wäre und sie das selbe für ihn getan hätten und oft getan haben. Für ihn waren seine vertrauten Mitstreiter wie Brüder.

Thomas Alexander Dumas, der Vater von Dumas dem Älteren, folgte Napoleon ebenfalls in seinen Kriegen. Warum ist das wichtig? Weil Thomas Alexander Dumas der Vater von dem Mann werden sollte, der “Die drei Musketiere” schreiben würde, die sich einem wahren und aufrechten Leitspruch verpflichtet hatten. »Einer für alle und alle für Einen«

»Un pour tous, tous pour un« (franz.)

»Schaut! Ich werfe mich für euch vor diesen Speer!« Und weil ein Anführer dies sagt, kann er hoffen, dass sich Tausende statt seiner für ihn auf diesen Speer werfen.

»Folgt mir!« und »Mir nach!«  sind die Worte, die solches Handeln treffend beschreiben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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