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Soldats Inconnus – Mémoires De La Grande Guerre

Soldats Inconnus – Mémoires De La Grande Guerre ist ein französisches Videospiel aus dem Hause Obisoft. “Valiant Hearts” heißt es auf Englisch und man würde es wohl mit “wackere Herzen” ins Deutsche übersetzen. Erinnerungen an den Großen Krieg. Wo Battlefield I durch bombastische Grafik und Geballer glänzen will, hat Soldat Inconnus eine ganz andere Strategie. Es geht um die persönlichen Geschichten von Menschen, die den Ersten Weltkrieg durchlebt haben. Die ganz intimen Einblicke in die Gefühlswelt der Soldaten der Front, die Liebesbriefe an die Heimat schreiben und vom Frieden träumen und mit dem Wort “Vaterland” auf den Lippen sterben. Dinge, die wir heute gar nicht mehr so richtig nachvollziehen kann. Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Heute ist der 03.11.2016. Vor 100 Jahren tobte an diesem Tag die Schlacht an der Somme, wo über eine Millionen Soldaten getötet oder verwundet wurden.

“Ich muss zur Front meine Liebste , vergiss mich nicht!”

Das Spiel ist im Comic-Stil gehalten und erinnert an die Adventure-Games der 90er und frühen 2000er Jahre. Man klickt sich und liest sich so durch die Geschichte und lauscht auch der guten Vertonung. Soldats Inconnus – Mémoires De La Grande Guerre? Das sind die gesammelten Geschichten von französischen Soldaten, die häufig zu kurz gekommen sind. Im neuen Battlefield tauchen sie ja überhaupt nicht auf. Dabei sagt man eigentlich, dass der Erste Weltkrieg für Frankreich der größere und schlimmere Krieg gewesen war. Das Spiel gibt sich hier sehr viele Mühe die historischen Tatsachen durch Einblendungen und Dialoge und ähnliches genau zu vermitteln. Das funktioniert auch meistens sehr gut und im Grunde spielt es sich so, wie ein interaktiver Film von “Arte”. So in etwa kommt mir das zumindest vor, wenn ich “Emile” durch die Landschaft marschieren lasse und im Hintergrund die Marseille gespielt wird.  “Pour la France!” schreit der Offizier plötzlich und wir stürmen vorwärts auf die deutschen Stellungen zu. “Für das Vaterland” steht auf der Flagge, die wir vor uns beim Sturm hertragen müssen.

Junge Menschen sollten nicht auf die Idee kommen, dass Battlefield I etwas mit dem Kämpfen im Ersten Weltkrieg zu tun hatte. Den Sturmangriff überlebt Niemand – die deutschen Stellungen erreichen wir nicht. Alle sind tot… oder? – So fängt das Spiel an.

Es wird aus der französischen Perspektive erzählt und erlebt. Da kommt der Deutsche nicht gut bei Weg. Schade eigentlich, dass sich dort nicht etwas mehr Mühe gegeben wurde. Ein wenig stumpf und sinnlos karrikativ böse erscheint mir da der Pickelhaubenträger schon. Dennoch kann man sich nur sehr schwerlich der gut erzählten Geschichte des Spiels entziehen. Für den Bruchteil von Battlefield I ist das Spiel schon erhältlich und kann durchaus ein paar Nachmittage ausfüllen. Manchmal etwas zu lustig und dann wieder zu traurig und bitter? Ich würde das Spiel keinem Kind geben, sondern mindestens einem heranwachsenden ab 12 Jahren, so wie es in der Usk-Freigabe empfohlen wird.

Da lernt der junge Mensch vielleicht spielerisch etwas mehr über den Weltkrieg, als in fünf Stunden Unterricht. Aber Geschichtsunterricht gibt es für 5. und 6. Klässler in Berlin ja sowieso nicht mehr, wie der Kurier berichtet. Mit etwas Kommentar vom Erziehenden kann ich mir gut vorstellen, dass der Heranwachsende da viel mitnimmt.