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Saudi-Arabiens Herrschaft am Golf

Saudi-Arabiens Herrschaft am Golf

Schiitische Gläubige attackierten im letzten Jahr die saudische Botschaft in Teheran. Steine flogen und dicke Rauchwolken waberten über dem kleinen Gebäude, welches das diplomatische Refugium für die saudischen Botschafter im Iran ist. Nach der Exekution des hohen schiitischen Geistlichen Bakel Al-Nimr explodierte die Stimmung bei den vermeintlichen “Apostaten”, wie die Schiiten von den Sunniten häufig genannt werden. Es konkurrieren zwei religiöse und geopolitische Machtblöcke um die Herrschaft am arabischen Golf, den die Iraner als persischen Golf betrachten. Von oben betrachtet handelt es sich um einen überregionalen und möglicherweise sogar globalen Krieg, der zwischen der Sunna und der Schia ausgetragen wird. Wer hat das Sagen in der islamischen Gemeinschaft? Rein demographisch müssten es die Sunniten sein, die mehr als 80% der ca. 1,5 Milliarden Muslime stellen. Aber mit dem erstarkten Iran ist im Mittleren Osten eine Regionalmacht entstanden, die nahe am Herz des Wahhabismus operiert und den Saudis sowohl ihr Öl als auch ihre Kontrolle über den Seehandel streitig macht. Es sind übrigens die US-amerikanischen Interessen, die hier ebenso betroffen sind. Eine Kontrolle oder gar Schließung des Golfs durch die Iraner ist für die USA nicht tolerierbar, was sich deutlich in dem uneingeschränkten Zuspruch der Obama/Clinton Administration für das saudische Königshaus zeigt.

Stellvertreterkriege

Für die USA sind es also wirtschaftliche Interessen, die sie nötigen sich zu involvieren. Die islamische Republik Iran und das Königreich Saudi-Arabien dürften allerdings zusätzlich auf einer grundsätzlichen theologischen Ebene miteinander streiten. Es ist nicht erst seit gestern, das die 15% Schiiten auf saudischen Territorium von Fanatikern terrorisiert werden. Bombenanschläge, Morde und Drangsalisierung sind fast alltäglich. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich in Saudi-Arabien in einer schiitischen Moschee in die Luft und tötete unzählige Betende. Und nur ein paar Kilometer südlich kommt es auch heute noch zu blutigen Gefechten zwischen vom Iran unterstützten schiitischen Kämpfern und saudischen Militärs. Die Berichterstattung über den Krieg im Jemen, der immer noch andauert, ist mager und deutlich eingefärbt. Laut UN-Berichten sind dort bereits über 10.000 Menschen getötet worden, wobei die Dunkelziffer deutlich höher sein könnte. Die gesamte Region destablisiert sich dramatisch, was sich in den Flüchtlingsbewegungen in den geographischen Norden, Westen und Osten zeigt. Über 3 Millionen Einwohner haben das Land bereits verlassen, während die Regierung dort von Saudi-Arabien, den USA und anderen sunnitischen Ländern wie der Türkei unterstützt wird. Selbst Frankreich ist dieser Koalition des politischen Islam beigetreten. Etwas früh für, selbst für Frankreich. Soweit ist es mit der Islamisierung des Landes schließlich noch nicht, dass es sich am Glaubenskrieg beteiligen muss. Die Regierung von Hollande hofiert ja in guter französischer Tradition das saudische Königshaus und die angrenzenden islamischen Ländern schon seit Jahrzehnten und unterhält substanzielle Handelsbeziehungen mit diesen. Es dürfte uns also nicht verwundern, dass internationale Reporter implizieren, dass sich die Franzosen zusammen mit den USA und den Saudis an der Bombadierung von schiitischen Rebellen beteiligen.

Hollande hat letztes Jahr seine Unterstützung für die saudische Koalition erneut bekräftigt. Die Fronten in diesem Krieg und damit die medialen Feindbilder sind scheinbar geklärt. Die Houthi Rebellen und ihre Unterstützer sind das Böse, sind Terroristen und dürfen daher gnadenlos weggebombt werden. Das sieht der stärker werdende Islamische Staat im Jemen übrigens ähnlich. Die schiitischen Houthis sind Ketzer und müssen getötet werden. Kein Wunder also, dass Regierungstruppen und Islamisten dabei beobachtet wurden, wie sie zusammen gegen die Rebellen kämpften. Aber diese haben natürlich auch ihre eigene Agenda, die dem Kurs der Hadi-Regierung nicht schmecken würde. Die IS-Kämpfer bleiben der Feind aller.

In Syrien läuft ein ähnliches Spiel, welches in unseren Medien kaum beleuchtet wird. Assads Regime ist ein wichtiger Partner für die iranischen Glaubensbrüder und wird nicht nur deswegen, sondern auch wegen seinem Zugang und damit dem iranischen Zugang zum Mittelmeer unterstützt. Die USA, Saudi-Arabien und andere Helden der Menschenrechte wie Katar helfen selbstverständlich den Anti-Assad Rebellen, die sich hauptsächlich aus Islamisten zusammensetzen, welche die Scharia durchsetzen, die Ketzer (Schiiten) und Ungläubigen vernichten und eine göttliche Ordnung herbeiführen wollen. Damit wäre dann auch das letzte säkuläre Land im Nahen Osten der Instabilität und letztendlichen Zerstörung preisgegeben worden. Hillary Clinton versicherte ihren Wählern, dass sie diesen Kurs nach ihrem Wahlsieg selbstverständlich weiterverfolgen will. Assad muss weg. Egal wie! Dass sich die verschiedenen Islamisten bereits in einer Warteschlange befinden, bereit die Machtpositionen im Land zu besetzen, kümmert die westliche Medienlandschaft und die Politiker der Regierungen eher wenig. Der IS sei schließlich noch das größere Übel hier. Nach Assad? Mir stellt sich eher die Frage, ob ein institutioneller islamistischer Staat auf den Gebiet von Syrien nicht gefährlicher wäre, als der Flickenteppich des IS. Wir sehen doch, welche Politik von Saudi-Arabien aus geführt wird. In Syrien soll, wenn es nach den Saudis geht, eine neue sunnitische Bastion entstehen. Auf den Leichen der Ketzer und Ungläubigen erbaut.

Am Golf wird große Politik gemacht. Saudi-Arabien könnte als Sieger aus diesem Ringen hervorgehen. Die Konsequenzen eines solchen Triumphes sind kaum abzusehen. Abgesehen von Autos, Golfplätzen und Hotels, fließt das Ölgeld schließlich vor allem in eine große Agenda – die Verbreitung des wahhabitischen Islam in der ganzen Welt.

 

 

 

 

 

 

 

 

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