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Die Rückkehr der Kriegerkaste

Die Rückkehr der Kriegerkaste

Sie flogen über den Staub von Afghanistan, marschierten über seine schneebedeckten Berge und kämpften gegen den internationalen Islamismus, den Präsident Obama nicht einmal beim Namen nennen möchte. Sie, das sind die Soldaten der North-Atlantic-Treaty Organization oder kurz NATO. Sie, das sind die Söhne und Töchter Amerikas und Europas, die seit über 15 Jahren fernab von Idaho und der Champagne ihren Dienst für Regierungen tun, die sich eigentlich wenig um das Leben ihrer Soldaten scheren. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man beobachtet, wie Millionen von Kriegsversehrten und Veteranen sich in ihren eigenen Organisationen zusammentun und versuchen untereinander solidarisch miteinander umzugehen, da ihnen oft größere und nützlichere Hilfe von der Seite des Staates aus versagt wird. Vor allem in den USA, dem Land, dass seine Soldaten eigentlich in der breiten Masse schätzt, landen so viele dieser Männer und Frauen abseits der Siegerstraße der Zivilgesellschaft. Aber nicht nur dort gibt es Probleme. Immer wenige junge Menschen melden sich überhaupt für den in den westlichen Nationen meist freiwilligen Dienst an der Waffe und noch viel weniger von ihnen gehen jemals in den Einsatz im Ausland. Darunter gibt es dann wieder solche, die nur im Büro ihrer Basis hocken und niemals einen Terroristen oder Aufständischen zu Gesicht kriegen. Andere schießen sich die Läufe heiß und bekämpfen Feind auf Feind.

Auf der Straße und im Kriege geblieben

Die US-amerikanische “National Coalition for Homeless Veterans” versucht statistisch zu erfassen, wie viele ehemalige Soldaten nach ihrem Dienst und/oder nach ihrem Dienst im Ausland auf der Straße landen und versucht ihnen Hilfe anzubieten. Zu diesen Menschen durchzudringen, die teils schreckliches erlebt haben, ist sehr schwierig. Es hat sich in den letzten Jahrzehnten ein enormes außerstaatliches Netzwerk gebildet, welches zumeist aus ehemaligen Soldaten bzw. Angehörigen von Soldaten besteht, die sich um ihre eigenen Leute kümmern möchten, da staatliche Hilfe meist nicht zu erwarten ist. Viele Invalide kämpfen viele Jahre juristisch um Entschädigungen oder Anspruch auf psychologische Behandlung. Die Trauma, die man im Kriege erlebt hat, kann man meist nur mit denen teilen, die ähnliches erlebt haben. Gleich und Gleich gestellt sich gern und so kommt es eben, dass sich die Soldaten in ihren eigenen Gruppen und Vereinen organisieren. Man trifft sich in den lokalen Bars der Kleinstädte in den Südstaaten, wo sehr viele amerikanische Soldaten herkommen. Gemeinsame Campings, Jagden, Schießübungen, Paintball und Sport. Alles Programme, die gänzlich von den Kameraden für Kameraden veranstaltet wurden. Es sind Orte, wo erwachsene Männer und Frauen sich abends betrinken, über ihre Probleme in der Heimat und im Einsatz sprechen und auch die Tagespolitik Amerikas zum Thema machen. Vielen ist jedoch eines gemein: sie können den Krieg nicht vergessen und das Erlebte bestimmt ihr Handeln und Sein selbst Jahre nach der Rückkehr in die Heimat. Da gibt es einen Mann, der nicht mehr mit seiner Frau in einem Bett schlafen kann, weil ihn nächtliche Alpträume plagen. Ein anderer leidet unter grausamer Angst vor Menschenmassen, die ihn regelrecht in Todesangst verfallen lassen, weil er auf einem überfüllten Marktplatz in Kabul angesprengt wurde und Körperteile dort verloren hat. Der Krieg, das wissen diese Männer, ist nicht verständlich für die Teenies in New York und San Fran oder London, wo die vitale und lebensbejahende Studentenjugend einen auf Kriegsgegner macht und die dienenden Männer als Buhmänner auserwählt hat.

 

Abgekapselt von der Zivilgesellschaft

Und die Soldaten, die dem Tod gemeinsam begegnet sind, ticken einfach anders. Selbst hier in Deutschland, wo es immer mehr dieser meist halb versteckten Vereine gibt, muss man den Männern dort nur gut genug zuhören. In den Rocker-Clubs und Jagdvereinen tummeln sich einige von ihnen. Obwohl viele hier einen besseren Anschluss an die Zivilgesellschaft finden und tatsächlich auch hin und wieder etwas Hilfe vom Staat erhalten, gibt es eben doch einen ganzen Nexus aus desillusionierten Kameraden. In Amerika wählen sie alle Trump oder gar nicht. Man pflegt die Südstaatenflagge oder ist bekennender Christ. Harley Davidson, Autos, Titten und Pistolen. Plump und manchmal viel zu tiefgründig, als dass man es länger bei ihnen ertragen könnte.  “Wir waren jung”, hört man oft und dann ist das Thema wieder die illegale Einwanderung über die Grenze, islamistische Umtriebe in den Staaten oder die verleumderischen Aussagen der Demokraten, die keinen guten Stand bei diesen Soldaten haben. Das trennt viele dieser Männer und auch einige der Frauen von ihrer Umgebung. Es fällt schwer über das Erlebte zu sprechen und doch muss man es tun, wenn man sich dem Gegenüber wirklich öffnen will. “Das verstehen die nicht” – Es gibt keinen Satz, den ich so oft gehört habe und welcher leider so viel Wahrheit beinhaltet. In allen Sprachen und in allen Nationen ist es scheinbar ähnlich. “Die”, das sind die Zivilisten. Und “das” ist das Erlebte im Krieg. Wie soll man der naiven Sportstudentin und Umweltaktivistin denn erklären, was man in Afghanistan gemacht hat? Was man gesehen hat? Ich sprach einmal mit einem US-Veteranen, der in mir einen Gleichen erkannt hatte und mit dem ich locker über dieses Thema reden konnte. Denn die Bilder in unseren Köpfen verlassen uns nicht und zerren viele dieser Männer wie Steine nach unten und beschweren ihren Weg und isolieren sie wie eine Mauer von der Umwelt. Der US-Soldat erzählte mir davon, wie er seine Freundin verlor, weil er ihr nach monatelanger Diskussion wirklich alle schrecklichen Details berichtet hatte. Sie wollte nicht locker lassen und sorgte sich um ihren Freund, der selbst nach seiner Rückkehr keinen Frieden fand und die Beziehung belastete. Also erzählte er ihr davon, wie er mitansehen musste, wie US-Ärzte einem minderjährigem Chai-Boy (Sexspielzeug) den Darm versuchten wieder in seinen Körper zu stopfen, weil ein afghanischer Polizeichef den Jungen Anal so brutal vergewaltigt hatte, dass der Junge übelste schwere Verletzungen davon trug. Dies hatte der Soldat dann gesehen, aufgenommen und am nächsten Tage musste er diesem Polizeichef die Hand schütteln, weil die Vorgesetzten seiner Einheit die Anweisung haben, mit diesem Mann zusammenzuarbeiten. Die Hilfspolizisten sind Garanten für die “Sicherheitspolitik” der Nato in Afghanistan und sollen als lokale Milizen für Recht und Ordnung sorgen. Das genau diese Leute meist ehemalige Kriegsverbrecher oder sogar aktive und echte Banditen sind, interessiert scheinbar die übergeordnete Führung nicht. Sie kann zumindest darüber hinwegsehen. Genauso konnte jener US-Soldat nicht darüber hinwegsehen, dass er in der Helmand Provinz innerhalb von 4 Jahren Dienst mehrmals den selben “Compound”(quasi ein ummauertes Gehöft) erobern und verteidigen musste. Immer wieder mussten er und seine Jungs rein, es von den Taliban zurückerobern, um dann nach mehreren Tagen Gefecht es einfach aufzugeben, weil die Führung die Strategie geändert hatte. Wenige Monate standen sie dann wieder an der selben Stelle und taten das Gleiche und jedes mal ließen sie Kameraden dabei im Felde zurück, die gefallen waren oder aber schwer verwundet die Heimreise antreten durften. “For what?” fragt sich doch der Soldat und richtet diese Frage nach oben. Warum, wofür, weshalb und für wen tue ich das? Als der Mann dann seiner Freundin erklärt hatte, was er alles erleben musste und warum er eine solche Wut in sich fühlt, verließ sie ihn, weil sie keinen Mann “voller Zorn” bei sich haben wollte.

Eine Geschichte von Millionen, die sich meist alle etwas ähneln. Viele Partnerschaften entstehen sowieso innerhalb des Militärs oder expandieren in den öffentlichen Dienst. wo Polizei und Justiz tätig sind. Gleichgesinnte, die einander suchen und finden. Aber beunruhigend daran ist vielleicht, dass es so wenige sind, wenn man sie Prozentual an der Bevölkerung misst. Kaum jemand hat wirklichen Kontakt zu den Soldaten, die gezwungenermaßen und manchmal selbstbestimmt in ihren Parallelwelten leben. Oft stellen sie auch fest, dass die Länder in die sie heimgekehrt sind, nicht mehr ihre Heimatländer sind. Die Treue, die man einst zur Regierung verspürte, wich oft einer emotionaleren Bindung zur gewünschten Nation. Amerikas Soldaten sind in allen Umfragen überdeutlich Unterstützer der Republikaner, sehen sich selbst als Konservative, Libertäre oder als apolitisch. Ähnlich sieht es in Großbritannien aus, wo nicht wenige UKIP Anhänger ehemalige Militärs sind.  Was die linksliberale Gemeinschaft den Vertretern von Armee und Polizei oft vorwirft, nämlich, dass sie heimlich mit der politischen Rechten oder Libertären sympathisieren, ist vermutlich wahr. Denn sie erhalten ohnehin keine “Liebe” oder Unterstützung von der Linken, die sich dennoch aber nicht zu Schade ist, diese Männer und Frauen für ihre Politik zu benutzen. Und die Tatsache, dass viele ehemalige und aktive Militärs dies durchschaut haben, könnte eine Erklärung für diese ganz offene Ablehnung sein. Amüsant ist hier nur, dass die politische Linke darin einen versteckten Weißen Nationalismus sucht und dabei verkennt, dass Kameraden keine Hautfarben haben. Es ist ganz selbstverständlich, dass der weiße Marine und der schwarze Marine Hillary Clinton verabscheuen und ihr den Tod der Kameraden in Benghazi und vieles mehr vorwerfen. Wir sind dann vielleicht die einzigen als Beobachter, die etwas anderes in diesen Männern sehen können als zwei ex-Marines. Die ehemaligen Soldaten passen nicht ganz rein in das “saubere Image” der westlichen Liberaldemokratie. Wer keinen Kontakt zu ihnen hat, weiß oft gar nicht, dass es diese Parallelwelt gibt. Die Soldaten als geheime Kriegerkaste oder wie die Veteranen in Deutschland es sagen : “Der unsichtbare Veteran”.

 


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