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Archiviert: Eisern wie Stannis Baratheon

ACHTUNG: Game of Thrones SPOILER

 

“Wir müssen alle unsere Pflicht tun; ob groß oder klein. Wir tun unsere Pflicht.”

Nicht des Ruhmes oder der Ehre wegen – Nein. Stannis Baratheon strebte nicht nach solchen Verlockungen, wie sie von anderen Männern gesucht werden. Er wollte nicht König von Westeros sein, weil er dies wünschte, sondern weil er musste. Die Pflicht gebot es ihm König zu werden.

“Pflicht” – Ein Mann dessen Leben und Handeln allein von diesem einem Wort bestimmt werden. Pflicht gegenüber seinem älterem Bruder Robert Baratheon ließ ihn gehorchen und seinem ungestümen Bruder in den Bürgerkrieg folgen. Pflicht gegenüber dem Königreich ließ ihn nach der Königswürde streben. Er wusste, dass Joffrey nicht der wahre König und ein Produkt von Inzest war. Er kannte die Wahrheit und glaubte an die Hohheit des Gesetzes, welches von ihm verlangte als nächster in der Erbfolge den Thron zu besteigen.  Stannis Baratheon ist ein komplexer Mann. Als mittlerer der drei Baratheon Brüder fühlte er sich stets hinter seinem älterem Bruder Robert zurückgestellt. Nicht nur während Roberts Rebellion, wo Stannis “Storms End”, die Festung der Baratheon Familie, gegen eine Übermacht verteidigen musste. Während Robert von Sieg zu Sieg haschte und zum populären Volksheld aufstieg, hatte die Welt Stannis Baratheon längst vergessen. Er hatte von Robert den Befehl erhalten die Heimatfestung der Familie zu verteidigen und tat dies trotz geringer Aussicht auf Erfolg oder Überleben. Ein Jahr lang wurde er dort belagert, abgeschnitten und vergessen von allen.  Hunger leidend und ausharrend im Angesicht des Todes. Aber Stannis hielt die Festung unter Aufbringung größter Opfer. Umso mehr kränkte es Stannis, dass Robert ihm nach dem Sieg im Kriege die Festung abnahm und nach “Dragonstone” verbannte. Ein abseits gelegenes Exil – nicht mehr als ein rauchender schwarzer Felsen im Nirgendwo. Eine Kränkung, die seinesgleichen sucht. Aber widerum ist es Stannis seine Art, sich nicht lauthals über diese Behandlung zu beschweren, sondern zu gehorchen. Aus Respekt gegenüber seiner Familienpflicht und der Hierarchie innerhalb der Brüder. Er gehorchte, schwieg und ging nach Dragonstone.

Stannis Baratheon, ein Mann dem man nachsagte, er würde niemals lächeln und Niemanden Honig um den Mund schmieren. Kein Politiker, Schmeichler und Wortkünstler wie sein jüngerer Bruder Renly. Und auch kein Volksheld wie Robert Baratheon, dessen Temperament und gesellige Natur ihm viele Freunde wie Feinde einbrachte.

Stannis ist aus Eisen geschmiedet.  Hart, dunkel und unbeugsam. Er würde sich niemals beugen und eher brechen. Unbeugsam ist wohl das Wort, dass seiner eisernen Natur gerecht wird. Der Grund warum Stannis Baratheons Charakter in “Game of Thrones” so beliebt ist, ist folgender:

Er ist ein aufrechter Mann in einer Grube voller Schlangen.

Und mit aufrecht meine ich nicht, dass Stannis Baratheon ein “guter” Charakter ist. Aber er ist direkt und geradlinig. Er redet nicht um den heißen Brei herum, sondern sagt was er denkt, auch wenn es andere verletzten könnte. Er schert sich nicht um die Befindlichkeiten der noblen Lords und Ladys, sondern spricht Recht, so wie er etwas als gerecht empfindet. Man kann Stannis lieben für seine Art die Dinge beim Namen zu nennen und sich nirgendwo einzuschleimen. Man kann ihn hassen für seine monströsen Taten und die Verbrechen, die er an seiner eigenen Familie begeht. Aber man kann ihn trotz allem zähneknirschend für seine Unbeugsamkeit respektieren. Selbst die Ermordung des eigenen Bruders und die Opferung seiner Tochter sind Taten, die er nicht aus Boshaftigkeit begeht, sondern weil er mit sich selbst und seinen Liebsten ebenso gnadenlos verfährt wie mit seinen Feinden. Er ist bereit sich selbst und seiner Familie furchtbaren Schaden zuzufügen, weil er glaubt, damit das Land retten zu können. Weil er glaubt den Thron besteigen und die Menschheit gegen die Weißen Wanderer führen zu müssen – die wandelnden Toten. Was spielt sein eigenes Glück da für eine Rolle? Oder das Leben seiner Tochter? Stannis Baratheon ist ein Fanatiker.



Stannis hielt sich womöglich wirklich für den Auserwählten, wie von Melisandre eingeflüstert. Er sollte derjenige sein, der die großen Opfer für das große Ganze bringen musste. Was war schon sein eigener Schmerz und das Leid seiner Familie im Vergleich zum Wohl der Sieben Königreiche? Eine gute Tat kann die böse Tat nicht reinwaschen und eine böse Tat kann auch die gute Tat nicht negieren. Man kann sich fragen, ob Stannis sich selbst am Ende bereitwillig der Exekution durch Brienne stellte, weil er sich seiner Untaten bewusst war und seinen Tod letztendlich als gerecht empfand.

Stannis Baratheon bleibt ein Mysterium. Man ist hin und her gerissen zwischen Verachtung und Bewunderung für diesen Charakter. Ein Mann, der trotz vieler Kränkungen und Rückschläge im Leben den Kopf stets aufrecht hielt. Einer der im Angesicht großer Gefahr beim Sturmangriff auf die feindlichen Mauern als erster das Feld betritt und seine Männer ohne Furcht in den Kampf führt. Ein König, der sein eigenes Wohl hinter die Pflicht stellt und als einziger Monarch verstanden hat, welche Gefahr im Norden auf die Menschheit wartet. Er war der Einzige, der sich wirklich um das Königreich und das Überleben der Menschen dort sorgte. Vielleicht werden seine Taten vor dem Hintergrund dieser Motivation erklärbar, wenngleich sie trotzdem grausam sind.

Warum kann man Stannis also bewundern?

Womöglich deshalb, weil er Niemals aufgegeben hat. Egal wie hoch der Preis, wie groß die Hürden und wie heftig der Widerstand. Er gab niemals auf und wich niemals zurück. In seiner Engstirnigkeit liegt eben auch Tapferkeit und bewundernswerte Charakterstärke. Stannis mag mit seinen Worten richtig liegen. Wir Menschen sind eben die Summe aus Gut und Böse und alle unsere Entscheidungen wirken in unseren Charakter mit hinein und machen ihn erst real. Es ist ironisch, dass der Mann, der sich selbst als rettende Lichtgestalt zeigen musste, selbst ein Produkt aus Schatten und Licht ist. Bruder- und Kindesmörder. Einer der dies jedoch nicht aus Grausamkeit tut oder aus dem Wunsch nach Bereicherung wie Joffrey oder die Boltons. All was er tat, tat er für das Wohl der Vielen. Das Wohl des Königreiches und des Volkes überwiegen die Bedürfnisse der Einzelnen bzw. Wenigen.