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Die Angst vor dem Bruch

Die Angst vor dem Bruch

von: Ad renum
Es schmerzt. Es beängstigt. Es kränkt. Warum, warum, frage ich mich, muss ich mich gegen meine Freunde stellen, warum jenen widersprechen, die mir nahe sind? Warum muss ich fürchten, nicht verstanden zu werden, warum muss ich fürchten, zu verlieren, was mir lieb und recht ist? Gewiss kennt ihr das brennende, nagende Gefühl der inneren Zerrissenheit, die zu beiden Seiten an euch zerrt und euch in Ketten legt. Die eine Kette zerrend hin zum Recht, hin zu den eigenen Idealen, hin zu dem, was man als gut und richtig, vor allem als notwendig erkannt hat, die andere zerrend hin zur Gemeinschaft, zur Bequemlichkeit, zur vermeintlichen Sicherheit, dem sozialen Auffangbecken, das einen schützt vor dem Sturm des politischen Kampfes, das einen bequem einlullt mit Musik, Feiern und viel zu lachen. Wer will denn durch die Tür treten, alleine in den kalten Regen hinaus, der einem stürmisch ins Gesicht schlägt, während alle anderen noch in der warmen Stube hocken und ihre Gesellschaft bei gutem Getränk genießen und das Leben feiern? Das Unwetter ist schließlich nur draußen, warum sollte man sich dem also stellen?!



Einige von uns haben Freunde, die sich quer über das gesamte politische Spektrum verteilen. So auch ich. Die meisten meiner Freunde sind pro Immigration, pro dem, was sie als Toleranz betiteln, und gegen den bösen Rassismus oder zumindest das, was sie dafür halten. In den meisten Belangen halte ich meine Meinung für weit fundierter, gebildeter und zukunftsfähiger als die meiner Freunde. Auch ich will, genau wie sie, das Beste für alle. Das impliziert manchmal, dass es kurzfristig unbequem wird, und wo das große Ganze betrachtet wird, da kommt der Einzelne manchmal zu kurz. Etwas, das sie niemals einsehen und verstehen werden. Es gab eine Zeit, da war mein leibliches Wohl von der Einwanderung bedroht, weil ich das Pech hatte, wiederholt von muslimischen Jugendlichen überfallen, verprügelt und mit Messern bedroht zu werden. Ich habe das absolute Negativklischee der Einwanderung lange Zeit hautnah erlebt und es war eigentlich nur Glück, dass ich es auch überlebt habe. Wurde ich dadurch intolerant? Wurde ich dadurch ein schlechter, hasserfüllter Mensch? Nein. Aber es hat mir verdeutlicht, dass manches Mal eine gewisse Notwendigkeit zum Handeln besteht, da passives Abwarten genauso schreckliche Konsequenzen haben kann wie eine falsche, aktive Entscheidung.

Das Dumme war, diese Erkenntnis, dieses drängende Gefühl, handeln zu müssen, blieb nur so lange wie der Druck, die Angst vor weiteren potentiell lebensbedrohlichen Begebenheiten anhielt. Kaum war ich aus der Schule raus und nicht mehr dem Alltag eines bus- und zugfahrenden Schülers ausgesetzt, da vergaß ich sehr schnell, wie schlimm es „da draußen“ wirklich war. Ich war plötzlich bequem isoliert in der Sicherheit meiner eigenen vier Wände, der Fahrt zur Arbeit und dem Arbeitsplatz. Die Chance, da noch mal in Gefahr durch „kulturelle Differenzen“ zu geraten, war sehr gering und verlor daher schnell an Gewicht. Es war plötzlich viel einfacher, über die falschen Aussagen und die falsch verstandene Toleranz von Freunden hinwegzusehen, wo ich Wochen zuvor noch den Mund aufgerissen und aufbegehrt hätte, weil ich ja wusste, dass genau diese falsche Toleranz fast dazu geführt hätte, dass zwei gute Freundinnen vergewaltigt worden und ich beinahe abgestochen worden wäre. Es betraf mich nicht mehr so, wie es mich zuvor betroffen hatte, es war leichter, dem Konflikt davonzulaufen und in guter, positiver Stimmung etwas mit Freunden zu unternehmen, statt der unbequeme Dorn in der Seite zu sein, der mahnt und zur Handlung statt zum Hinnehmen antreibt.

Das war noch 2002. Ich fand die Lage damals schon desaströs. Vieles, was seither passiert ist, war für mich schon lange vorher klar (wie jedem, der Logik vor bequemliche, naive, falsche Toleranz stellte) und so waren die letzten Jahren nur eine traurige Anhäufung des Ich-hatte-leider-recht-Gefühls, bitter und unnötig. Aber die Zeiten wandeln sich und mit wachsender Not wachsen auch der Widerstand und die Einsicht. Zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, bin ich überzeugt, dass ein „Aufwachen“ stattfindet, dass wir nicht mehr in der Defensive sein müssen, dass wir endlich ausbrechen und zur Offensive übergehen können. Und damit zurück zum anfänglich angesprochenen Problem: Die meisten meiner Freunde stehen auf der anderen Seite des „politischen Zaunes“, und obwohl sie mich kennen und schätzen, werden sie mich für das verdammen, was ich glaube, tun und sagen zu müssen. Ich werde viele von ihnen verlieren und es hemmt mich, macht mir Angst und beklemmt, weil es ein so gefühlt sinnloses Opfer ist. Wenn sie doch nur begreifen würden! Wenn sie doch nur sehen würden, was sich abspielt! … Sinnlose Hoffnung, sinnloses Was-wäre-wenn. Werden sie nicht, haben sie nicht, auch nicht nach allem, was geschehen ist. Der Bruch ist also unvermeidbar. Je weiter ich meinen Weg gehe, desto größer wird der Spalt zwischen mir und den Menschen werden, für die ich das alles eigentlich tue. Jene, für deren Sicherheit ich mein eigenes körperliches und mentales Wohl aufs Spiel setze, weil ich sie unfassbar schätze, werden mich für einen Unmenschen, ein Monster, einen Rassisten, einen Nazi und was sonst noch alles halten. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, wobei der Hauptgrund wohl ist, dass sie, wie die meisten Menschen, verunsichert sind und sich blind und taub an das vermeintlich „Gute und Richtige“ klammern, ohne sich umzusehen.

Ich werfe ihnen nicht vor, dass sie denken und sind, wie sie sind, auch wenn ich es in der Vergangenheit getan habe. Ich bedauere es nur, dass ich die Bande, die ich zu meinen Freunden spürte, trennen und begraben muss. Ich kann mich nicht mehr auf sie verlassen und muss sogar damit rechnen, dass sie mir in den Rücken fallen werden. Ich weiß, dass es vielen von euch genauso geht und dass viele von euch sich noch immer fürchten, sich gegen den politischen Irrsinn dieser Zeit zu wehren, wegen all der sozialen Konsequenzen, die es mit sich bringt. Deswegen sage ich euch: Lasst uns gemeinsam voranschreiten, lasst uns zueinanderfinden und lasst uns all jenen Halt bieten, die ihren Halt im Leben aufgrund ihrer Überzeugungen aufgeben müssen. Vereint in der Liebe zur Heimat und ihren Menschen, vereint in der Achtung für die Kulturen dieser Welt, die nicht auf dem Altar des Multikulturalismus geopfert werden dürfen und vereint im gerechten Zorn im Angesicht all der schrecklichen Dinge, die die „Willkommenspolitik“ ermöglicht hat. Lasst uns unseren Zorn, unsere Hoffnung, unsere Schwächen und unsere Überzeugung teilen und lasst uns das Feuer des Mutes und der Entschlossenheit lodernd in unseren Herzen entfachen! Wir sind die Träger einer neuen Zukunft, die Schöpfer und Bewahrer eines neuen Europas.


von: “Ad Renum”
Lektorat: Jasmin T.




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