Home Gesellschaft Archiviert: Die Erste Ordnung und ihr treuer Sturmtruppler

Archiviert: Die Erste Ordnung und ihr treuer Sturmtruppler

Achtung! Spoiler! Wer den Star Wars- The Force Awakens Film noch nicht gesehen hat, sollte hier wohl nicht weiterlesen!

 

Ich mochte den Film. Er hatte die Kinomagie der alten Trilogie eingefangen und neu verarbeitet. Aber das hier wird kein “Review”, sondern eine kleine Analyse der politischen Hintergründe im neuen Star Wars mit Reflektion auf die Wirklichkeit. Außerdem wollen wir uns mit dem Sturmtruppler Finn und seinen weißen Kameraden befassen. Vor allem  TR-8R und seinen 30 Sekunden auf der Leinwand, die ihn unsterblich gemacht haben. Ihr wisst schon.

 

 

Ich will TR-R8 oder FN-2199 wie er offiziell im Star Wars Film Kanon heißt, eingehender betrachten. Vor allem will ich an ihm und seinem Kameraden “Finn” zeigen, warum “TR-R8” der eigentliche “Held” des Films war und was Finn als Helden eher unglaubwürdig macht. (Mit einem Augenzwinkern). Und wir wollen die Chance nutzen, um über Imperium und Republik zu diskutieren. Also über die zwei verschiedenen großen Konstanten der politischen Systeme, die auch in einer weit entfernten Galaxie scheinbar immer noch ein großes Thema sind. Welches System ist das bessere? Der Konflikt der Ideologien wird auch in Star Wars weiter ausgetragen.

 

Finn der Sturmtruppler – Verräter oder Held?

Sturmtruppler FN- 2187 oder auch “Finn” war ein Soldat der “Ersten Ordnung“, jener Nachfolgeorganisation des Imperiums, welche nach der aus den Filmen bekannten Schlacht von Endor und der Zerstörung des zweiten Todessterns, aus den Resten des besiegten Imperiums hervorgegangen ist. Die Erste Ordnung ist im Film eine Art Militär-Junta, die vor allem dadurch besticht, dass sie in Symbolik und Rethorik, sowie ihren Idealen, eng an das alte Imperium anknüpft. Wieder sind es weiße Sturmtruppen, welche die Ideologie von Ordnung und Stabilität durchdrücken sollen. Finn oder FN-2187 ist einer dieser Männer der Ersten Ordnung. Aufgewachsen in einem System, dessen eigene Geschichtsschreibung das besiegte Imperium zum Retter einer im Chaos befindlichen Welt gemacht hat. Finn wuchs vermutlich in dem Glauben und der ideologischen Indoktrination auf, in welcher das Imperium Frieden und Wohlstand nach den Klonkriegen brachte und erst durch die Rebellen/Terroristen zerstört wurde. Und wer könnte schon dem Argument widersprechen, dass die Zerstörung von zwei Kampfstationen mit Millionen von Soldaten und Zivilisten an Bord (Todessterne) Terrorakte waren?

Wir können davon ausgehen, dass Finn diese imperiale Version der Geschichte vorgesetzt bekommen hat, welche zumindest ein Körnchen Wahrheit enthält. Von Geburt an kennt er Nichts anderes als seine Kampfeinheit, seine Kameraden und den Sternenzerstörer auf dem er dient. Das Produkt einer Militärmaschine, die ihn schon von Kindheit auf zum Diener des Staates erzog. Finn kennt nur das Imperium und die Propaganda dieses Imperiums. Nun kommen wir zum Knackpunkt und der im neuen Film beginnenden Handlung rund um Finn und die Erste Ordnung.

In den ersten 10 Minuten des Films wird Finn an Bord der imperialen Landungsbarken nach Jakku verschifft. Wir sehen wie die Sturmtruppen das Dorf der vermeintlichen Rebellen-Sympatisanten attackieren und den Widerstand relativ leicht brechen. Finn ist unter den angreifenden Sturmtruppen und muss dort mit ansehen, wie sein langjähriger Kamerad und Freund “FN-2003” von einem Rebellen erschossen wird. Der junge Sturmsoldat fällt zu Boden und greift nach Finns Helmvisier. Die blutbefleckte Hand zieht rote Spuren über das Visier Finns. Es ist der Wendepunkt im Leben des jungen Sturmtrupplers. Seine erste Schlacht wird zum Martyrium und er wird nicht nur gezwungen mit anzusehen wie sein Kamerad fällt, sondern er erhält auch noch den Befehl die zusammengetriebenen Dorfbewohner zu erschiessen, obwohl diese offensichtlich keine Bedrohung mehr darstellen. Finn ist der einzige Soldat, welcher sich diesem Befehl letztendlich widersetzt. Seine Vorgesetzte Captain Phasma scheint dies jedoch bemerkt zu haben und spricht ihn nach der Schlacht darauf an. “Lassen Sie ihren Blaster überprüfen” – Finns Motivlage hier lässt sich auf verschiedene Weisen deuten. Es ist klar, dass der junge Mann unter Schock stand. Vom brutalen Tod seines Kameraden schockiert, mochte er nicht in der Lage gewesen sein klar zu denken. Vielleicht hat ihn die Ermordung der Dorfbewohner auch in den grundfesten seiner ideologischen Überzeugung erschüttert. Schließlich musste er wohl geglaubt haben, auf der Seite der “Guten” zu stehen. Die tiefere Motivation Finns lässt sich nur erahnen und wird im Film nur angeschnitten. Fest steht, dass der junge Soldat desertieren will und jetzt sogar muss. Denn sobald seine Waffe überprüft worden wäre, wüssten seine Vorgesetzten wohl, dass keine Waffenfehlfunktion vorlag und er ganz bewusst den Schiessbefehl nicht ausgeführt hat. Er hätte somit den Befehl verweigert und in einem System wie der Ersten Ordnung, wäre dies wohl ein äußerst schwerwiegendes Dienstvergehen. Finn muss die Erste Ordnung verlassen und das schnell. Hier macht der Film es richtig und lässt den jungen Truppler nicht automatisch zum Rebellenkämpfer werden. Er will nichts mit den Rebellen zu tun haben, sondern will einfach nur weg von der Ersten Ordnung. Allerdings geschieht in den folgenden Minuten der Handlung etwas, was MICH persönlich mehr als stutzig gemacht hat.

Finn hilft dem Piloten Po Dameron bei der Flucht aus dem Imperialen Sternenzerstörer. Dabei steigen die beiden in einen TIE-Fighter und Finn sitzt an den Hebeln der Bordwaffe. Im ganzen Hangar tummeln sich Finns Kameraden. Sturmtruppler wie er. Männer mit denen er sein Leben verbracht hat. Und zwar jede Sekunde, Minute und Stunde seines gottverdammten Lebens. Er hat mit diesen Männer in einer Barracke geschlafen. Er hat mit ihnen gegessen und mit ihnen Freud und Leid geteilt. Es sind seine Waffenbrüder – es sind Kameraden.

Ich kann verstehen, dass Finn desertieren möchte. Aber nicht verstehen kann ich, wie er OHNE zu zögern, das Feuer auf seine EIGENEN Kameraden eröffnen kann. Er massakriert seine Brüder ohne mit der Wimper zu zucken und tötet binnen Sekunden DUTZENDE. Er war nicht in der Lage ein paar vermeintliche Rebellen zu töten und schafft es dann doch, jene Menschen zu ermorden, die eigentlich wie Geschwister für ihn sein sollten. Der Film schafft es nicht, ihn auch nur zwei Sekunden mit sich hadern zu lassen. Wo ist der Zweifel in seinem Gesicht? Finn möchte nicht vors Kriegsgericht oder an die Wand gestellt werden für seine Befehlsverweigerung. Dies ist verständlich und nachvollziehbar. Aber ohne auch nur zu zucken, ballert der Kerl seine Kameraden zu Brei.

Es ist eine Sache zu desertieren. Es ist etwas völlig Anderes, wenn man dafür über die Leichen seiner Waffenbrüder geht. Das hätte ausgebaut werden können und tiefere Motivationen wären nötig gewesen.  Finn ist jetzt kein Monster. Er sorgt sich um die junge Rey und entschließt sich letztendlich, aus eher egoistischen Motiven (Zuneigung zu Rey), den Rebellen zu helfen und die Starkiller Basis zu zerstören. Er weiß um die Genozid-Pläne der Ersten Ordnung und empfindet es scheinbar als moralische Pflicht zu dagegen aufzulehnen.  Und trotzdem empfinde ich seinen Verrat an den eigenen Kameraden als ungeheuerlich. Das wirkte einfach sehr gehetzt, wenngleich natürlich von der Sache her nicht grundlegend unverständlich.

 

“Verräter!” – das ruft ihm letztendlich auch FN-2199, der famose “TR-8R” Trooper, welcher Finn auf dem Waldplaneten Takodana zum Zweikampf auffordert. FN-2199 ist einer dieser Kameraden von Finn, welcher sich ganz offensichtlich von ihm verraten fühlt. Man muss sich mal in diesen Sturmtruppler reinversetzten, der den Verräter mit dem Lichtschwert in der Hand zum Duell herausfordert. Dort steht ein Mann, welcher die eigenen Brüder ermordet hat und die gemeinsame Sache verraten hat. FN-2199 dachte wohl, dass er Finn gekannt hat. Wie ist das wohl, wenn man zwanzig Jahre mit einem Menschen zusammen lebt und ihm vertraut und dann feststellen muss, dass dieser bereitwillig den Dolchstoß in den Rücken vollzogen hat. FN- 2199 bezeichnet Finn als Verräter und das völlig zu Recht. Vielleicht kämpfen die Sturmtruppen für eine schlechte Sache. Aber das ändert nichts an der tiefen Verbundenheit zwischen Soldaten. FN-2199 schwingt seinen “Riot Baton”, wirft sein Schild weg und macht sich nicht mal die Mühe, den Verräter Finn mit einem Blaster einfach niederzuschiessen. Er stellt sich dem Zweikampf gegen ein Lichtschwert mit nicht mehr als einem Prügel. So dicke Eier muss man erst einmal haben. Am Ende besiegt er Finn sogar noch und schafft es beinahe ihn zu töten, wenn ein Schuss aus dem “Bowcaster” ihn nicht so ehrlos aus dem Kampf entfernt hätte. FN-2199 war loyal und kämpfte ehrenhaft, wenngleich für ein schlechtes Regime. Finn hingegen meuchelte hinterrücks seine Kameraden und verriet seine Freunde an den Feind. Augenscheinlich für die Sache der Freiheit. Ich verstehe seine Motivation, empfinde den filmischen Weg dorthin leider als zu kurz gekommen.

Da ist er auch wieder. Der uralte Konflikt der System. Ordnungstiftendes Imperium, das mit eiserner Hand über eine chaotische Galaxis regiert oder freiheitliche und demokratische Massendemokratie, die allerdings in Korruption und Unordnung zu versinken droht. Beide Systeme haben ihre Unterstützer. Während die Republik in einem beständigen Moment des Chaos zu existieren scheint und die äußere Bedrohung durch die Erste Ordnung völlig unterschätzt (und dadurch zerstört wird), bringt das “Imperium” eine straffe Führung und System in das Chaos. Es zwingt die Individuen seines Imperiums unter eine eiserne Faust und stiftet Sinn, wo vorher keiner war.  Die Erste Ordnung kennt keine persönlichen Freiheitsrechte und ist bereit, alles zu tun, um zu siegen. Die Republik hingegen scheint sich bis zu ihrem Untergang durch die Starkiller Base gar nicht bewusst zu sein, dass überhaupt gegen sie gekämpft wird.

 

Bild1:  fair use license

Bild 2: http://vignette2.wikia.nocookie.net/starwars/images/3/3c/Finn_on_Tuanul.jpg/revision/latest?cb=20160104072809

 


 



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