Home Geschichte Vaslui – Polen, Ungarn und Moldavien gegen die Osmanen

Vaslui – Polen, Ungarn und Moldavien gegen die Osmanen

Die osteuropäischen Nationen lehnen die muslimische Masseneinwanderung ab. Sie wollen sie nicht und haben dafür gute Gründe. Sie besitzen auch eine historische Erfahrung mit den Türken oder Osmanen, die sie in dem Gefühl bestärkt, dass dieser Flüchtlingsandrang aus der islamischen Welt sehr viel Ungutes im Kielwasser mit sich führen könnte. Die Erinnerungen an die heftigen Abwehrkriege gegen die muslimischen Armeen der Sultane, welche bis ins heutige Polen vorstießen und auch schon vor Wien standen, sind noch frisch. Es sind eigentlich nur knapp Einhundert Jahre vergangen, seit die Türken aus Osteuropa vertrieben wurden. Mit der Niederlage des osmanischen Reiches im Ersten Weltkrieg zerbrach auch die Herrschaft der Türken auf dem Balkan und in nördlicheren Gebieten wie zum Beispiel der Ukraine. Was Erdogan für die Türkenheit restaurieren möchte, wurde erst „kürzlich“ von den europäischen Nationalbewegungen der verschiedensten Färbungen von der Herrschaft Istanbuls befreit.
In Vaslui, heute ein Teil von Rumänien und im Jahre 1475 ein Teil von Moldavien, kam es zu einer gewaltigen Schlacht zwischen den Heerscharen der Osmanen und der Koalitionsarmee der Polen, Ungarn und Moldavier. 40.000 Christen standen 120.000 Muslimen (und christlichen Sklavensoldaten) gegenüber, welche von Hadim Suleiman Pasha angeführt wurden. Eine dreifache Übermacht stand den europäischen Christen gegenüber. Der Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 und die scheinbar unaufhaltsame Expansion der Muslime nach Westen hatte die Nationen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Türken in eine Schockstarre versetzt. Rom hatte keine Illusionen über die Chancen der von Stefan III. von Moldavien angeführten Koalitionstruppen. Niederlage auf Niederlage hatten die Europäer bis dato erdulden müssen. Einer dreifachen Übermacht siegestrunkener Osmanen würden sie nicht gewachsen sein. Für den König der Moldavier bestand kaum Hoffnung auf einen Sieg. Von den Polen und Ungarn hatte er zwar Hilfe erhalten. Doch seine Armee war bis auf wenige tausend Reitertruppen eine Ansammlung von Bauern, welche mit Knüppeln und Äxten bewaffnet waren. Alle wehrfähigen Männer ab 14 Jahren wurden von dem König in seiner Verzweiflung herangezogen. Die Armee, welche sich den Osmanen bei Vaslui entgegenstellte, war geradezu lächerlich. 30.000 Männer gingen zu Fuß. Auf der osmanischen Seite gingen 90.000 zu Fuß und die restlichen 30.000 waren Reiter. Schwere und leichte Kavallerie. Die türkische Streitmacht war Symbol des aufsteigenden Großreiches und vereinte viele Völker unter dem Halbmond. Christliche Vasallenfürsten aus der Wallachei und Transylvanien hatten sich den Osmanen angebiedert um ihre Kronen zu behalten und etliche Janitschare, christliche Sklavensoldaten, die man in deren Kindheit aus Europa geraubt hatte und im muslimischen Kriegsschulen ausgebildet hatte, dienten ebenfalls als Elitetruppen in der osmanischen Armee.

Bis auf kleine lokale Siege und den Widerstand kleinerer Nationen, war der Balkan und große Teile Osteuropas bisher erfolglos in der Abwehr des islamischen Dschihad gewesen. Doch dieses Mal sollte alles anders kommen.

Stefan III kannte sein Land und nutzte es. Obwohl er vermutlich keinen Zugriff auf die „Kunst des Krieges“ hatte, beherzigte er die vielleicht wichtigste Regel und wählte selbst den Ort der Schlacht aus. Durch die Taktik der „Verbrannten Erde“ entzog er der anrückenden osmanischen Armee viel ihrer Vitalität und erschöpfte das gewaltige Heer des Pascha. Aus der Stärke der feindlichen Armee, ihrer Größe, machte er eine Schwäche. Die sich schwerfällig bewegende und mit viel Kriegsgerät beladene Streitmacht fand kaum Nahrung auf dem Weg durch Moldavien und überall hatte Stefan die Brunnen und Gewässer vergiften lassen. Die sich wie eine Schlange durch die Landschaft bewegende Armee der Muslime war zudem immer wieder an verschiedenen Punkten ihrer länglichen Formation in Hinterhalte geraten. Ähnlich der Taktik des Arminius im Kampf gegen die Römer, schwächte Stefan die Armee des Sultans beständig durch kleine Nadelstiche. Statt seine Bevölkerung der Plünderung und der Mordlust der Feinde preiszugeben, hatte er diese über die Berge evakuieren lassen. So fanden die Osmanen nichts außer ödem Land und verpestetem Wasser. Und überall lauerten Partisanen, welche die große Armee langsam ausbluten ließen.
Stefan lockte die Osmanen bei Podul Înalt am Fluss Bârlad in eine vorbereitete Falle. Marschland und ein in sich durch Forst und Gebirge abgeschlossenes Tal ließ die große osmanische Streitmacht in einen Flaschenhals schlüpfen. Wie die Perser bei den Thermoyplen, nutzte die Größe ihrer Streitmacht auf dem ungangbaren Terrain wenig.
Am 10. Januar lag schwerer weißer Nebel über dem Tal und dem Morast. Nieselregen fiel und die ermüdeten Truppen der Osmanen hörten zunächst nur die Trompeten der Moldavier. Suleiman, der glaubte es auf der anderen Seite mit der versammelten Streitmacht der Christen zu tun zu haben, befahl den sofortigen Angriff . Aber in dieser Flaschenhalsöffnung konnte sich die osmanische Übermacht nicht richtig entfalten und nur kleine und mittelgroße Kontingente ereichten überhaupt die andere Seite, wo jedoch nicht die Moldavier warteten, sondern eine Mulde. Darüber standen die Kanonen und Schützenkompanien der christlichen Armee, welche von dort aus ein Taubenschiessen eröffneten und die Fußtruppen der Osmanen regelrecht massakrierten. Von den Hilferufen der Fußtruppen erschrocken, befahl der Pascha seine schwere Kavallerie über die Brücke, welche daraufhin kollabierte und viele Reiter mit in den Tod riss. Bogenschützen und Kanoniere ließen große Salven auf die völlig desorientierten Infanteristen der Osmanen niedergehen, welche sich daraufhin bestürzt über das flache Marschland zur Flucht wandten. Von der Unübersichtlichkeit der Lage überfordert, versäumte der Pascha die Tatsache, dass überall um ihn herum die christlichen Streiter bereits im Hinterhalt lagen. In den Wäldern, Mooren und Binsenfeldern hatten sich die Ritter und Bauernsoldaten von Stefan versteckt gehalten. Auf das Zeichen des Königs hin, begann der Angriff von allen Seiten. Vier Tage lang fochten die beiden Armeen im Schneeregen und Frost, ehe die osmanische Streitmacht die chaotische Flucht antrat. Wo die Formation der Osmanen nicht völlig aufgelöst war, bestand noch Hoffnung auf Überleben. Andernorts hatten die Scherenschnitte der Christen tiefe Wunden in das Gefüge der muslimischen Armee geschnitten. Die gesamte Streitmacht des Sultans zerfiel vor seinen Augen in unzählige kleine Teile, die ziellos durch die Wälder irrten und versuchten ihr nacktes Leben zu retten. Wer versuchte sich zu flüchten, wurde oft von den Rittern seiner Majestät erschlagen. Wer blieb und weiterkämpfte, konnte nicht in kleiner Gruppe gegen die geordneten Verbände der Christen bestehen.

Polnische Quellen sprechen von 45.000 getöteten Osmanen und nur wenigen tausend toten Koalitionstruppen. Ganze Wälder von aufgespießten Leibern der gefallenen Muslime sollen aufgesteckt worden sein. Der erste große, ja womöglich größte Sieg bis dato, sollte die Osmanen abschrecken und ihren die Lust an der Eroberung ein wenig verderben.

Bild: Battle of Cecora during the Polish-Ottoman wars




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