Musashi

 

Apfelblüten wirbeln im Wind umher. Zwei Männer stehen sich gegenüber. Die harten Augen begegnen sich und erkennen einander als würdig an. Einer dieser Männer führt zwei Schwerter. Sein Name ist Musashi.

Das mittelalterliche Japan, die Zeit der sich bekriegenden Fürstentümer und Kleinstaaten – das kleine Europa, wie man es manchmal auch nennt. Japans Hochmittelalter dauerte eine lange Zeit. Bis zur Ankunft der ersten Europäer und darüber hinaus sogar. In dieser Epoche spielt der historische Roman „Musashi“ von Yoshikawa Eiji. Das Buch erzählt die Geschichte des gleichnamigen japanischen Samurai und Schwertkämpfers, der sich mit seinen historisch verbürgten Taten einen Platz in der japanischen Geschichte erkämpft hat. Kaum jemand in Japan kennt ihn nicht und viele außerhalb haben schon von ihm gehört. Welcher Japan-Kenner oder Freund hat nicht schon vom „Buch der Fünf Ringe“ gehört? Das Buch über Strategie und Kampfkunst stammt aus der Feder von Miyamoto Musashi. Denn wer glaubt, bei den Samurai habe es sich um stumpfe Prügler gehandelt, der irrt. Samurai und europäische Ritter, ja das mittelalterliche Japan und das Mitteleuropa der selben Zeitepoche, ähneln sich. Im Gespräch mit einem japanischen Bekannten verglich mein Gegenüber „Musashi“ mit der deutschen Nibelungensage von Siegfried dem Drachentöter. Ich denke, dass man die beiden Erzählungen in ihrer Bedeutung für die jeweils eigene Identität durchaus vergleichen kann.

Aber um was geht es in „Musashi“ eigentlich? Wer war dieser Mann und was hat er so bedeutendes getan und erlebt? Zunächst einmal war Musashi der Sohn einer bekannten Samurai-Familie. Und er war Krieger. Ein reisender Krieger, der schon mit sechszehn Jahren sein Dorf verließ um auf „Kriegerwallfahrt“ zu gehen. Eine Mannesprüfung und Mutprobe, die ihm Ruhm und Ehre verschaffen sollte. Vergleichbar vielleicht mit dem Wiking der Germanen. Aber sein Leben, wenngleich er sehr viele Kriege bestritt und etliche Feinde tötete, war nicht nur Mord und Todschlag. Es war auch Poesie, Kunst und Philosophie. Samurai sein, denn darum geht es wohl im Buch – ist mehr sein als nur Krieger. Mehr als ein Schwertkämpfer. Man sollte den Samurai im japanischen Mittelalter mit den edlen Rittern der höfischen Gesellschaft vergleichen, welche eben nicht nur Krieger, sondern auch Männer von Redekunst und angemessener Manier sein sollten. Männer, die sowohl religiös gebildet, als auch weltlich bewandert waren. Eine Elite eben.

Der historische Roman macht aus der langen Lebensgeschichte des Samurai (eigentlich Ronin; also herrenloser Samurai) eine spannende Fantasy Geschichte, die ein wenig an den Herrn der Ringe oder zumindest an ähnliche Reisegeschichten erinnert. Wer sich für das mittelalterliche Japan und die hochkomplexe und auf viele Arten seltsam vertraut wirkende Kultur interessiert, muss hier unbedingt zugreifen.
Musashi begleitet einen Mann auf seinem Weg zum Mann-werden. Und doch bleibt er am Ende demütig und wissbegierig. Ein Mensch, der womöglich sinnbildlich für den idealen japanischen Geist steht. Wissend und doch stets neugierig. Selbstbewusst und doch demütig.

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