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Die siegreichen Verlierer

Keine einzige Schlacht verloren und doch nicht siegreich.

You know you never beat us on the battlefield,” I told my North Vietnamese Army (NVA) counterpart, Colonel Tu, during a meeting in Hanoi a week before the fall of Saigon. “That may be so,” he replied, “but it is also irrelevant.”

Deliberate Distortions Still Obscure Understanding of the Vietnam War

Diese im Kontext des Vietnamkrieges gefallenen Worte dürften auch heute wieder zutreffend sein. Meines Wissens haben die Vereinigten Staaten keine größere Auseinandersetzung im Irak oder in Afghanistan verloren. Zumindest kehrten sie jedes mal zurück, um den Gegner eines Besseren zu belehren. Militärisch gesehen, gab es keine katastrophalen Niederlagen für Amerika, welche einen Krieg hätten beenden können. Kein Stalingrad oder Kursker Bogen. Eine High-Tech Armee führt den hochtechnisierten Krieg mit der größten und stärksten Armee der Welt(diskutabel) und siegt in der Regel über die technologisch und organisatorisch unterlegenen Feinde. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich Amerika mit keinem ebenbürtigem Feind mehr militärisch messen müssen. Nie war es ein großer Verlierer zu Felde. Das Wettrüsten mit der UDSSR ging glücklich für die NATO aus und letztendlich kann man nicht behaupten, dass die wenigen Tausend Gefallenen in Irak und Afghanistan eine signifikante Verlustrate darstellen. Die Angehörigen und die Öffentlichkeit mögen dies anders empfinden. Militärisch gesehen dürfte die Verlustrate im grünen Bereich sein.

Und trotzdem kann die Supermacht nicht von sich behaupten im Irak oder in Afghanistan gesiegt zu haben. Tatsächlich jedoch, ist Amerika jedoch der große Verlierer. Nicht militärisch! Aber doch außenpolitisch. Was kann hier also das Gesamtergebnis zweier großer amerikanischer Kriege sein? Sieg oder Niederlage?

Die Antwort darauf ist wie angedeutet eine zweigeteilte. Zwar lässt sich behaupten, dass die USA und die NATO militärisch nicht bezwungen wurden und einen quasi Status Quo im Irak und Afghanistan erkämpfen konnten. Andererseits ist es eben so gekommen, dass beide Staaten durch die Intervention nicht auf den gewünschten Pfad zu Demokratie und geordneter Staatlichkeit gebracht wurden. Während der Irak in religiöser und ethnischer Gewalt aufging und seine künstlich geschaffenen Grenzen vom IS niedergerissen wurden, zerfällt ein paar Meilen weiter Afghanistan erneut. Der aufgesetzte Staatsapparat unter Direktion der NATO erwies sich als unfähig, das Land zu befrieden und die Eroberung von Kunduz durch die Neo-Taliban sollte dem Antlitz des sauberen Rückzuges der ISAF Truppen dauerhaften Schaden zufügen. “Nation-Building” hat nicht funktioniert. Wo der Irak nun hauptsächlich eine Erweiterung des schiitischen Irans darstellt und im Norden mit Kurden und ISIS quasi das eigene Staatsgebiet verloren hat, muss die US-Administration längst kleinlaut verkünden, dass man wieder Kampftruppen nach Badgdad zurück beordert. Dabei war der Krieg im Irak vor einigen Jahren von Obama noch für beendet erklärt worden. Dies war eines seiner Wahlversprechen gewesen. Kritiker sehen in dem frühen Abzug der US-Truppen im Irak den eigentlichen Grund, für den raschen Aufstieg des IS.

Auf der anderen Seite schwebt die islamische Republik Afghanistan im Chaos. Ein schwelender Kleinkrieg mit den Neo-Taliban, die sich der westlichen Elitenregierung entgegenstemmen, gewinnt umso mehr Dynamik durch den nun ebenfalls einfallenden IS. Ein Staat ohne echtes eigenes Einkommen, ohne funktionierende Polizei und eine siegreiche Armee, ist kein echter Staat. Vor allem deshalb nicht, weil er das Einsickern islamistischer Terrrogruppen aus Pakistan und anderen islamischen Ländern nicht verhindern kann. Die Kontrolle der Regierung reicht nicht über die Grenzen der Hauptstadt hinaus. Angesichts der vermehrten Anschläge in der Hauptstadt selbst, sollte man sich fragen, inwieweit das Überleben der Regierung nur noch durch westliche Gönner verlängert wird.




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