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Wir sind Rom

Wir sind Rom

Zivilisationen werden geboren. Sie leben und sie sterben. 

Die große Konstante der Geschichte ist die Veränderung. Alles was ist und sein wird, befindet sich im steten Wandel und im Fluss der Materie. Imperien kommen und gehen. Kulturen atmen und vergehen. Die Phönizier, Assyrer und alten Ägypter. Die Menschheitsgeschichte hat mit angesehen, wie die meisten Völker und Staaten nach einer gewissen Spanne der Existenz wieder von der Bildfläche verschwunden sind.  Sie lösten sich auf, verschmolzen mit anderen oder wurden vollkommen vernichtet. 99% aller Arten, die jemals auf der Erde existiert haben, sind bereits wieder ausgestorben. Ich denke, dass die Naturgesetzmäßigkeit dieser Wahrheit auch auf die Zivilisation anwendbar ist. Nichts hält ewig und kann für immer bestehen. Nichts außer die Veränderung. Im Zentrum dieses Geschichtsverständnisses liegt das zyklische Weltbild oder die zyklische Geschichtstheorie. 

Sie besagt, dass die Entwicklung von Kultur und Zivilisation nicht geradlinig verläuft, sondern zyklisch. Also im Kreis oder als Spirale von unten nach oben. Es geht in der Geschichte nicht immer nur weiter vorwärts. Es ist eben nicht so, wie die progressiven Fortschrittsgläubigen es sich wünschen. Nämlich, dass alles mit fortschreitender Zeit immer besser wird. Alles wird besser, schöner, moderner, wunderbarer, freier, gesünder, frischer und herzlicher – ein ewiger Aufwärtstrend, der kein Ende finden kann.

Das zyklische Geschichtsverständnis hält dem entgegen und sagt: Nein! Die Geschichte dreht sich im Kreis. Sie ist niemals genau gleich. Aber bestimmte Entwicklungen führen wieder zu ähnlichen Vorgängen und Ergebnissen wie schon Jahrhunderte zuvor. Wie könnte man auch aus der Geschichte lernen, wenn sich bestimmte Themen nicht ständig wiederholen würden? Die Geschichte zeigt uns auch immer wieder Rückschläge in der Entwicklung von Zivilisation. Ähnlich einem Turm, der nach oben steigt, entwickeln sich Zivilisationen immer weiter und steigen in die Höhe auf. Manche reichen weit hinauf, und andere stürzen schon nach kurzer Zeit zusammen. Umso besser die Baukunst, umso höher und langlebiger der Turm der Zivilisation. Aber irgendwann stürzt auch das mächtigste und beste Gebäude in die Tiefe. Irgendwann ist der Zenit überschritten und das Eigengewicht zu groß und die Gravitation zu stark – das Innenleben des Turms ist mürbe und seine Träger brüchig und rostig. Auch der großartigste Turm fällt irgendwann. Auch die großartigste Zivilisation muss eines Tages vergehen und in anderer Form wiedergeboren werden.

Rom ging unter;  es lebe das neue Rom

Das beste Beispiel dafür dürfte Rom sein. Das römische Weltreich, das 1000 Jahre bestand hatte und den Zenit antiker Kultur und Zivilisation symbolisierte. Ein gigantisches Imperium, das sich vom Orient bis an die Elbe und den Atlantik erstreckte. Es prägte die nachfolgenden und nebenher existierenden Zivilisationen wie kaum eine andere. Schrift, Musik, Staatswesen, Recht und Moral – Mythen, Kriegskunst und Malerei. Architektur und Mode. Selbst die Grenzen und Völker Europas, Afrikas und Asiens wurden durch das alte Rom geprägt und verändert. In eintausend Jahren erreichte Rom den Höhepunkt seiner geistigen Entwicklung, seiner territorialen Ausdehnung und militärischen Macht. Und dann ging es unter. Es wurde nie wirklich besiegt. Nicht wirklich militärisch vernichtet. Die Plünderung Roms durch germanische Armeen kam zu einem Zeitpunkt, als das römische Reich bereits im Niedergang begriffen war. Die alte Republik war tot. Das ist der springende Punkt bei großen Imperien und großen Zivilisationen. Militärische Niederlagen sind selten der Grund für ihren Niedergang.  Die Schwäche entspringt aus der eigenen Stärke dieser großen Kulturen und Zivilisationen. Sie besiegen sich selbst.

Die “spätrömische Dekadenz”, also die ungezügelte Vergnügungssucht einer Luxusgesellschaft, die nicht mehr gefordert wird und von jeglicher Moral und Disziplin entwurzelt wurde, ist zum sprachlichen Mahnmal für das alte Rom geworden. Ein Denkzettel für alle nachkommenden Kulturen, die doch wieder in den selben Spuren wie Rom laufen und der gleichen Dekadenz erliegen. Rom war übermächtig, unbesiegt und tötete sich am Ende selbst. Am Ende des römisches Reiches existierte nur noch eine große Finanz- und Politikelite, die den Niedergang des Reiches verwaltete und kein Interesse mehr an der Vervollkommnung des Staates verfolgte. Viele hundert Generationen von Römern waren bereits in das alte Rom geboren worden und die letzten Generationen mussten für den Luxus des Reiches nicht mehr kämpfen. Sie hatten es verlernt. Sie waren im gemachten Bett geboren worden und wuchsen in einer Gesellschaft auf, die sie nicht mehr forderte und ihnen zu wenig abverlangte. Die Kultur war schon da. Die Zivilisation, die Architektur, die Senatsgebäude und die Gärten – Alles war schon von anderen vor ihnen geschaffen worden. Die Institutionen existieren bereits und das Recht war schon geschrieben.



In dem Moment, wo Rom seinen Zenit erreicht hatte und als dutzende Generationen zuvor für seinen Aufstieg geblutet und geschuftet hatten, begann es schon unterzugehen. Der Zeiger der Weltuhr schlägt 12, und schon ist die halbe Lebenszeit vorüber.

Es schien vielen großen Köpfen wie Goethe, Nietzsche und Machiavelli oder auch Thomas von Aquin im Lauf der Geschichte so, dass in einem bestimmten Moment in der Existenz von Zivilisationen eine Art “Organversagen” einsetzt. Eine schleichende Krankheit, die sich langsam im ganzen Organismus der Zivilisation breitmacht und dann urplötzlich und katastrophal ausbricht. Die Kultur wird aufgegeben und die Zivilisation verfault von von innen nach außen. Wie eine Frucht, deren Innenleben matschig und faulig geworden ist. Ein wenig Druck von außerhalb reicht dann, um selbst die dickste Schale zu zerdrücken und die Frucht zu zerstören. Wenn im Innersten die Gesellschaft durch nichts mehr zusammengehalten wird, dann helfen auch keine Festungsmauern und Armeen mehr.  Imperien und Zivilisationen wie Rom oder Europa, ja der Westen, sterben nicht einfach. Sie werden nicht wirklich besiegt. Sie explodieren nicht.

Sie implodieren. Sie fallen in sich zusammen und geben dem Druck von außerhalb nach, weil sie keine Kraft mehr haben, um sich selbst zu erhalten.

Der Fisch fault zuerst am Kopf

Ein russisches Sprichwort. Die römischen Soldaten auf den Mauern verteidigten Rom noch lange. Es ist nicht so, dass die Menschen plötzlich alles stehen und liegen lassen und ihre Heimat und ihr Reich nicht mehr verteidigen. Der Fall großer Zivilisationen beginnt nicht mit der Aktion, sondern mit dem Wort. Es sind Menschen an der Spitze dieser Kulturen, die sagen : “Flieht! Verlasst eure Posten! Flieht um euer Leben!” – so wie Denethor von Gondor. Es sind immer die Eliten, die meinen, dass diese Mauern es nicht wert sind verteidigt zu werden. Rom “muss brennen!”, rief Nero und brannte die Stadt nieder. Und heute rufen die Eliten das gleiche. Sie öffnen die Tore für die Fremden, verraten die Werte und die Identität der Kultur noch lange bevor die einfachen Menschen auch nur daran denken, sie aufzugeben. Denn die einfachen Menschen verteidigen ihre Zivilisation oft bis zum Schluss. Soldaten bemannen die Mauern der Stadt. Römische Legionäre halten den Rubikon, auch wenn die Patrizier die Stadt bereits verlassen haben. Die Wehrmacht verteidigt die Seelower Höhen, auch wenn Hitler das deutsche Volk bereits abgeschrieben hat. Einfache Menschen ziehen eigene Zäune und stehen entsetzt an den Grenze, während die Eliten den Staudamm bereits eingerissen haben. Die Spartaner hielten die Perser bei den Thermopylen und wurden von Ephialtes betrogen, einem vom eigenem Volk, der seine Brüder an den Feind verkaufte.

Zivilisationen vergehen nach einem Muster. Die nachgeborenen Eliten verschenken das ihnen vererbte Land, das Gut und die Werte nach Belieben. Sie vergeben ihr Mitgefühl an jeden und öffnen die Tore für alles Fremde, weil sie ihrer selbst überdrüssig geworden sind. Sie zersetzten den Stolz, die Kraft und die Wehrhaftigkeit ihres Volkes, ehe sie es einfach preisgeben und zusammen mit der eigenen Zivilisationen in den Untergang stürzen. Manchmal ohne es zu ahnen, zu wissen oder zu wollen. Manchmal aber auch mit voller Absicht.

Aus der Verachtung und Ablehnung des Eigenen entspringt die Selbstzerstörung. Auch wenn große Zivilisationen wie Rom oder heute unser altes Europa eine Erfolgsgeschichte sind und Migranten durch ihren Wohlstand, ihre Fortschrittlichkeit und die vielen anderen Vorzüge anziehen, so sondern sie doch einen leicht süßlichen Duft der Verwesung ab, der von anderen wahrgenommen wird. Erst kamen die Germanen ins römische Reich, um dort zu leben wie die Römer, und dann nahmen sie sich alles, was die Römer hatten, weil sie spürten, dass diese schwach und mutlos geworden waren. Heute wiederholt sich diese Geschichte wieder. Die muslimischen Migranten kamen, um zu leben wie die Europäer, und spüren heute, dass Europa schwach ist. Die Fremden ahnen, dass sie sich alles nehmen können, was sie wollen, weil den Eignern dieses Europas die Kraft fehlt. So wie den Römern die Kraft fehlte, ihre Zivilisation zu schützen.

Eine Zivilisation, die im Innern verfault ist und wie eine matschige Frucht bei leichtem Druck implodiert. Die Masseninvasion von Fremden unserer Zeit – diese neue Völkerwanderung ist nur das Symptom und der Reiz von außerhalb. Terrorismus von Islamisten kann Europa nicht vernichten. An Terroranschlägen geht keine Zivilisation zu Grunde. Sie müht sich einfach an sich selbst ab. Zermürbt sich langsam und vergeht beim nächstbesten Angriff von außen, der nur stark genug ist die dünne und morsche Hülle zu durchstoßen.

 

Die letzten Verteidiger sind normale Leute wie du und ich 

Die einfachen Bürger bleiben und kämpfen. In den Dörfern und kleinen Städten, wo die Korrumpierung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Der kleine Mann und die kleine Frau glauben noch an die Werte der eigenen Kultur, der eigenen Zivilisation und die eigene Identität. Dafür gehen sie auf die Straße, auf die Mauern und an die Grenzen. In dem Moment, wo jedoch eine Zivilisation nicht mehr nach vorne strebt, sondern nur noch versucht, das Bestehende zu erhalten, wird sie untergehen. Dann bewegt sie sich automatisch rückwärts und verschwindet.

Aber so ist es eben, wenn man die Geschichte zyklisch sehen möchte. Rom ging unter und es folgte ein dunkles Zeitalter der Barbarei, ehe sich erneut der Funke der Zivilisation entzündete. Eine neue europäische Zivilisation war geboren, wuchs heran, lebte und schuf, und schlussendlich wurde sie alt und beginnt zu sterben. Und aus dem Kadaver des Alten wird etwas Neues entstehen. Das ist kein Kulturpessimismus hier, sondern lediglich eine Analyse der Geschichte. Das alte Europa, das vielleicht mit Karl dem Großen begann und über 1000 Jahre existierte, geht unter. Und was danach kommt, kann noch niemand sagen. Ein neues dunkles Zeitalter oder ein neues Imperium? Oder ein neues Europa? Ein Phönix aus der Asche? Vielleicht ein islamisches Großreich vom Atlantik bis zum indischen Ozean.

Ich bin mit allerdings sicher, dass wir an der Schwelle eines neuen Zeitalters stehen. Eine neue Epoche der Weltgeschichte in Europa und Asien.  Das Europa des Nachkriegs und der Westen des Kalten Krieges sind Vergangenheit. Der Sieg Amerikas hat das 20. Jahrhundert von 1914-1991 beendet. Die Neuordnung der Welt nach dem Primat der USA haben eine neue Epoche eröffnet. Ein neues Jahrhundert, das mit dem Ende des Kalten Krieges begann und heute in seiner Pubertät steht. Was 1991 begann, reift heute heran. Wir sehen die Früchte eines großen Zeitenwandels.





 

 

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