Home Geschichte Das “große Spiel” geht weiter I

Das “große Spiel” geht weiter I

 

 

“The Great Game” bezeichnete einst das geopolitische Wettrennen zwischen dem britischen Weltreich und Russland. Beide Imperien versuchten ihren Einfluss in Zentralasien auszuweiten. Heute haben wir ein Zeitalter erreicht, wo das britische Imperium durch die Vereinigten Staaten von Amerika abgelöst wurde. An die Stelle des zaristischen Russlands sind dagegen die russische Föderation, die islamische Republik Iran, die Türkei und China getreten. Das große “Spiel” im Orient, dem Nahen Osten und auch Fernost ist niemals wirklich vorbei gewesen. Aus einer bipolaren Welt des Kalten Krieges, ist eine multipolare geworden. Nur Amerika möchte diese Realität nicht wahrhaben und kämpft seit dem Ende der Sowjetunion um die Vorherrschaft auf dem eurasischen Kontinent. Denn Eurasien ist das Schlachtfeld der Zukunft und der Moderne. Präsident Obama ließ sich beim Kauf von Lektüre über den chinesischen “Drachen” ablichten, während die “Naval Doctrine” der US-Marine vorsieht, den Fokus immer weiter nach Osten zu schieben. Die US-Think Tanks, ganz gleich welche, sind sich alle darüber einig, dass Eurasien und damit China, Russland, der Iran und andere kleinere und mittelgroße “Player” im Zentrum amerikanischer Aufmerksamkeit liegen sollten. Der Nahe Osten mit seinen unermesslichen Energiereichtümern in Form von Erdöl, Erdgas und potenziell auch alternativer Energie, ist auch nur ein Interessenschwerpunkt für das Engagement der USA und der großen Konkurrenten. Ich schrieb vor einiger Zeit bereits über das “Great Game im Orient”, welches den amerikanischen Konflikt mit dem Iran in den 70ern und 80ern näher beleuchtet. Auch habe ich schon öfter erwähnt, wie essenziell die Marine und Luftwaffe für die Supermacht geworden sind. Dieser Artikel soll tiefer in die Materie der Geopolitik in Eurasien, also Europa und Asien, eingehen und trotzdem Neulingen beim Einstieg in die Thematik helfen.

 

Drang nach Osten und der Waffengürtel um die ganze Welt

Quelle: Base Nation: How U.S. Military Bases Abroad Harm America and the World (präzise Auflistung der Militärbasen weltweit mit Kosten und ungefährer Qualität)

Derzeit unterhält Amerika etwa 800 Militärbasen im Ausland. Die meisten dieser Basen sind in Deutschland (174) mit Ramstein als Knotenpunkt der gesamteuropäischen NATO-Streitkräfte unter Führung der USA (35.000 Personen), Nuklearwaffendepot und Kontrollcenter der Kampf-und Aufklärungsdrohnen, welche vor allem im Mittelmeer und Mittlerem Osten eingesetzt werden. Auffällig ist hier, dass die meisten Basen und Truppen auch weiterhin unter drei Ländern weltweit zu finden sind. Deutschland, Japan und Süd-Korea. Alle drei ehemalige(?) Protektorate der USA. Sowohl Deutschland als auch Japan sind nach dem Zweiten Weltkrieg zu Bastionen gegen den Kommunismus aufgebaut worden, während Süd-Korea sich etwa zehn Jahre später in die selbe Verteidigungslinie einreihen durfte und auch heute noch einer der wichtigsten militärischen Partner für die USA ist. Die Militärbasen in Ramstein und Japan (Okinawa Kadena Air Base) sind in ihrer Dimension und Bedeutung im Ausland auch unübertroffen und sind quasi autark operierende Kommandozentren, welche sich teilweise selbst versorgen und über fantastische Infrastruktur verfügen. Flugplätze, Bunkeranlagen, Krankenhäuser und immense Verteidigungseinrichtungen. Yongsan in Süd-Korea (20.000) nimmt für die koreanische Halbinsel die selbe Funktion ein.

Ein vierter Kandidat, welcher ebenfalls mit Militärbasen übersäht ist, ist der Irak, wo zur Höchstzeit des Irakkrieges etwa 400 US-Militärbasen im ganzen Land verteilt waren. Heute sind es nur noch etwa 50, wobei den US-Truppen weiterhin die Nutzung der irakischen Anlagen offen steht, sollten sie es einfordern. Afghanistan und einige arabische Länder (Golfstaaten) bieten ein ähnliches Bild. Auf dem europäischen Kontinent finden sich mit Großbritannien und Italien sowie Spanien und neuerdings Polen und den baltischen Ländern neue Verbündete für Amerikas Militärbasen, die dort ebenfalls gehäuft zu finden sind.  Auf der unteren Karte, wenngleich etwas alt, erkennt man die Tendenz nach Osten. Tatsächlich hat sich heute ein noch viel dichterer “Gürtel” aus Militärbasen durch Zentralasien geschlungen, der um die Grenzen Russlands, des Iran und Chinas reicht. Er verläuft quasi durch die Mitte zwischen Russland und dem Mittlerem Osten und mit der NATO-Osterweiterung rücken weitere Streitkräfte und Operationsbasen an die russische Grenze. Im Orient sieht es so aus, dass der Iran von allen Seiten, außer von Norden, umzingelt ist und demnächst mit Georgien ( ein Nato-Beitrittskandidat …ruhig mal Georgien auf der Landkarte suchen : Atlantik-Pakt?) eine Front im Norden haben könnte. Vormals war dort nur Russland, dass mit dem Iran diplomatisch besser klar kommt. Hinzu kommt hier, dass die Türkei als von Amerika gestärkte Regionalmacht immer mehr Einfluss im Osten sucht und mit Finanzen und Militärhilfe die Turkvölker Zentralasiens zu potenziellen Partnern aufbauen will. Damit versucht Ankara die ehemaligen Sowjetrepubliken dem Einfluss des Kreml zu entziehen. Hier spielt der Konflikt zwischen Türkei und Armenien eine große Rolle, den ich in einem alten Artikel schon einmal angesprochen hatte. Armenien steht traditionell dem russischen Reich näher, unterhält allerdings auch zu den USA ein gutes Verhältnis. Andererseits wird es politisch von der Türkei beständig bedrängt und liegt mit dem Vasallenstaat Aserbaidschan im Clinch um Territorium. Letzteres Land ist ein großteils muslimisches Land, dass mit seiner turkstämmigen Bevölkerung der Türkei sehr nahe steht und quasi als verlängerter NATO Arm fungiert. Es unterhält eine enge Kooperation mit der NATO und gibt letzterer Organisation quasi freies Geleit durch das Land und gestattet die Nutzung der militärischen Infrastruktur. Es gilt unter vorgehaltener Hand bereits als heimliches Mitglied der Allianz.

Wenn man sich diesen “Gürtel” also ansieht, erkennt man sicherlich ohne Zweifel einen expansionistischen Drang nach Osten, der erst am stillen Ozean endet. Unter der Obama Administration rückt auch der Pazifik immer mehr ins Rampenlicht ( Ein Thema, dass ich hier auf dem Blog wirklich zur Genüge behandelt habe). Die engere Kooperation mit Indiens Marine, den Phillipinen, Vietnam und Indonesien, mit denen Obamas Amerikas “gemeinsame Werte” habe, zeigt auf, dass die pazifischen Nationen zusammen mit amerikanischer Hilfe eine proto-militärische Formation, ja eine Front, gegen China und im erweiterten Sinne auch gegen Russland aufbauen. Gemeinsame Manöver und verstärkte infrastrukturelle Zusammenarbeit seit 2008, bestärken auch Peking in der Befürchtung, dass die USA den Einflussbereich Chinas beschneiden wollen.

 

Karte von 2005
Karte von 2005

Afrika und Südamerika spielen im “Great” Game übrigens keine besondere Rolle. Der Grund dafür dürfte zumindest in Afrika an den unterentwickelten politischen und staatlichen Strukturen liegen, die eine Einflussnahme mit milderen Mitteln, also reiner wirtschaftlicher Ausbeutung durch westliche Konzerne, möglich machen. Südamerika hingegen soll von mir an anderer Stelle noch einmal thematisiert werden, da diese Region der Erde ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Norden hat und nicht in zwei Nebensätzen bearbeitet werden darf.

Wir wissen also jetzt, dass die NATO und die USA expandieren und zumindest mit Militärbasen eine Einflusssphäre geschaffen haben.

 

Im zweiten Teil möchte ich näher auf die Gründe und die Methodik eingehen…

Teil II folgt nächste Woche. Das große Spiel geht weiter.

 

Bild 1 : USS-Ross-conducts-a-replenishment-at-sea-with-USNS-Leroy-Grumman.-Official-US-Navy-Page-on-Flickr

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