Home Geschichte John Rabe – Der gute Deutsche von Nanjing

John Rabe – Der gute Deutsche von Nanjing

Helden erkennt man meiner Ansicht danach daran, dass sie im entscheidenden Moment das Richtige tun. Sie sind nicht perfekte Lichtgestalten, sondern Menschen, die ihre Prinzipien über das eigene persönliche Wohl erheben.

John Rabe war zweifellos ein solcher deutscher Held. Bekannt ist er jedoch vor allem in China und Ostasien generell, wo er Kultstatus erreicht hat und in Filmen und Fernsehen zur wahren Lichtgestalt in der Hülle eines deutschen Industriellen erstiegen ist.

Leben und Wirken

John Rabe wurde 1882 im deutschen Reich in Hamburg geboren. Er machte eine steile Karriere bei der Siemens AG, welche damals schon zu den führenden Konzernen der Welt gehörte. Als Auslandsvertreter und Industrieller vertrat er die Firma in Afrika und Asien und besuchte schon vor dem Ersten Weltkrieg China, dass seiner Ansicht nach die Zukunft der globalen Ökonomie sein würde. Von 1911-38 vertrat er Siemens als ein Geschäftsführer in Nanjing, der damaligen Hauptstadt des Reiches der Mitte, das noch immer unter dem Einfluss der europäischen Mächte stand.

Rabe war laut eigener Aussage ein überzeugter Nationalsozialist und Mitglied der NSDAP. Er glaubte an die beiderseitig vorteilhafte Wirtschaftsbeziehung zwischen China und Deutschland und trat dort nicht nur als Industrieller, sondern auch als Mittler deutscher Kultur auf. Aber man darf ihm nicht unterstellen, keinen Respekt für die Andersartigkeit der Chinesen gehabt zu haben. Am ehesten kann man ihm wohl unterstellen, dass er an den alten Ausspruch von Bismarck geglaubt hat: “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen” – Ein deutscher Einfluss auf China sollte positive Effekte haben und kreative Kräfte in einem Land freisetzen, dem er ein übermäßig großes Potenzial einräumte. Der tüchtige und lernwillige Chinese sei ein Partner für die Zukunft.

Als die japanische Armee die Eroberung Nanjings ins Auge fasst, schlägt die Stunde von John Rabe. Zusammen mit seiner Frau und der restlichen internationalen Gemeinschaft, bestehend aus Industrievertretern und Diplomaten westlicher Nationen, errichtet Rabe eine Sicherheitszone im Westteil der Stadt. Denn vor dem Bulk der japanischen Armee flieht ein Menschenheer aus Furcht vor den Grausamkeiten der kaiserlichen Soldaten. Das berüchtigte Massaker von Nanjing, dem weit über 200.000 Menschen zum Opfer fallen, findet trotz Rabes Intervention und Sicherheitszone statt. Es hätten jedoch ohne ihn weitaus mehr sein können. John Rabe nutzt seinen diplomatischen Einfluss bei der japanischen Militärführung und macht sich zu Nutze, dass er Mitglied der NSDAP ist, um den vermeintlichen Verbündeten Nazideutschlands, also die Japaner, auf Abstand zu halten. Er markiert seine Schutzzone, wo Kriegsflüchtlinge Unterschlupf finden, mit der Hakenkreuzflagge um sie vor Bombardements zu schützen. Für ihn es ist es menschliche Pflicht und seine Verantwortung als deutscher Unternehmer, die Menschen Nanjings zu schützen.

Immer wieder protestiert er gegen die brutale Behandlung der Zivilbevölkerung und versteckt mehrere Hundert Menschen in seiner eigenen Wohnung. Als er 1938 zurück nach Deutschland gezwungen wurde, nimmt er sich vor, von den Gräueln der Japaner zu berichten und sich persönlich an Adolf Hitler zu wenden. Allerdings interessierte sich der Führer Nazideutschlands nicht für das Schicksal der Chinesen. Rabes Beweise für das Massaker wurden teils beschlagnahmt und ihm wurde auferlegt, über das Erlebte Stillschweigen zu bewahren. Die Gestapo verhaftete ihn kurzzeitig und beschlagnahmte alle seine Filmaufnahmen. Seine Beschwerde an den Führer über die Barbarei in Nanjing stieß auf taube Ohren. Hier tat sich ein Graben zwischen Rabe und den Nazis über die Frage auf, was es heißt, ein Deutscher zu sein.

Für John Rabe sollte die Zeit nach dem Krieg keine blühende werden. Er litt weiterhin an Diabetes und erlebte zusammen mit allen Deutschend das Elend nach dem Kriegsende, in der er Hunger und Not leiden musste und häufig keinen eigenen Wohnsitz hatte. Er wurde erst spät “Entnazifiziert”, als seine Beteiligung in Nanjing bekannt wurde. Seine Würdigung in der Bundesrepublik sollte erst sehr viel später als in China kommen, wo er bereits zu Lebzeiten zum Helden erklärt wurde. John Rabe starb 1950 an einem Schlaganfall in Deutschland, wo er bis in die 90er quasi unbekannt blieb. Erst 1996 wurde sein Tagebuch über die Vorfälle in Nanjing veröffentlicht und er erhielt auch vom Bundespräsident Rau einige Jahre später eine offizielle Würdigung in China, wo bereits ein John-Rabe Gedenkhaus für ihn errichtet wurde. In China gibt es nach ihm benannte Stiftungen, Institute, Schulen, Universitäten, Gedenkhäuser, Straßen, Museen und sogar Restaurants.

Eine gute filmische Umsetzung seiner Geschichte kam erst vor einigen Jahren in die Kinos:




Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.