Home Geschichte Carl Friedrich Goerdeler – Im Kampf für ein anderes Deutschland

Carl Friedrich Goerdeler – Im Kampf für ein anderes Deutschland

 

„Das deutsche Volk muss und wird sich selbst von einem System befreien, das unter dem Schutz des Terrors ungeheuerliche Verbrechen begeht und Recht, Ehre und Freiheit des deutschen Volkes zerstört hat.“

Er war ein Mann der Prinzipien und kämpfte gegen Hitler und die Nazis. Sein Deutschland war ein anderes und dafür war er bereit zu sterben. Carl Friedrich Goerdeler wurde 1945 am 2. Februar als Mitglied der Widerstandsgruppe um Claus Schenk Graf  von Stauffenberg hingerichtet.

Carl Friedrich Goerdeler wurde 1884 in Posen geboren, als Sohn einer preußischen Beamtenfamilie, die bereits seit Generationen im Staatsdienst tätig war. Seine Kindheit war geprägt von ländlicher Idylle, harter Arbeit und strenger Erziehung durch die Eltern, die es jedoch nicht an Liebe mangeln ließen. Die preußischen Tugenden hatte er bereits verinnerlicht, als er sich aufmachte, um am humanistischen Gymnasium in Marienwerder zu lernen und zu leben. Eine klassische Ausbildung in der humanistischen Lehre, der antiken Moral und den modernen Wissenschaften formten aus Goerdeler einen gebildeten Mann des deutschen Kaiserreiches und einen Mann der deutschen Tugenden.

Fleißig, aufrichtig, ehrlich und vor allem gerecht – moralische Wertvorstellungen, wie sie tief im deutschen Konservatismus verankert waren. Es war dieses feste Welt- und Deutschlandbild, das ihn früh von den Nationalsozialisten entfremdete und aus ihm einen aufrichtigen Gegner des NS-Regimes machte. Obwohl er im Ersten Weltkrieg kämpfte und vor allem an der Ostfront und später bei Saint Quentin diente und dafür das Eiserne Kreuz erhielt, brach ihn der Krieg nicht. Den Versailler Vertrag empfand er zeitlebens als Demütigung und ungerechte Bestrafung und setzte viel seiner politischen Kraft im späteren Leben dafür ein, den Vertrag zu beiseitigen. In der Zeit der Weimarer Republik wurde er zunächst zweiter Bürgermeister von Königsberg und später Oberbürgermeister von Leipzig. Seine Amtszeiten zeichneten sich durch die Fähigkeit zu Kompromissen und zu Kooperation aus. Er arbeitete sowohl mit den Sozialisten als auch mit der NSDAP zusammen, deren Machtübernahme er anfänglich begrüßte und zugleich fürchtete. Sehr früh erkannte Goerdeler für sich selbst, dass er sich vom Nationalismus der Nazis hatte blenden lassen. Wenn Hitler und Goerdeler von Deutschland sprachen, so meinten sie verschiedene Länder. Goerdeler kritisierte die Verschuldungspolitik der Nationalsozialisten, die er als Vorankündigung von kriegerischen Handlungen betrachtete. Für ihn war es wichtiger, für einen gesunden und ausgeglichenen Staatshaushalt zu sorgen. Den Freiherrn vom Stein nahm sich Goerdeler dabei für seine Politik stets zum Vorbild.

Überhaupt verschmähte Goerdeler die martialischen und teilweise plumpen Gesten der Nationalsozialisten, deren Außenpolitik er zunehmend kritisch betrachtete und auch öffentlich zu kritisieren begann. Wenngleich die Abschaffung des Versailler Vertrages von ihm hoch geschätzt wurde, zeigte sich schnell, dass sich seine Befürchtungen in Bezug auf die Nationalsozialisten bewahrheiten würden. Als man von ihm forderte, die Hakenkreuzfahne zu hissen, welche anfänglich noch keine Reichsflagge war, weigerte er sich stur. Umso offener wurde sein Widerstand, als die Nationalsozialisten immer härter gegen Juden und Andersdenkende im Land vorgingen. Den Boykott jüdischer Geschäfte ignorierte er, indem er offen und unter den Augen der SA in diesen einkaufen ging. Auch für verhaftete Sozialdemokraten setzte sich Goerdeler ein und bezeichnete die Praxis der Massenverhaftungen als „gesetzloses Treiben“. Gegen die Verbrennung von Büchern und die Beseitigung von Denkmälern deutsch-jüdischer Persönlichkeiten wie Mendelssohn-Bartholdy sprach er sich mehrfach öffentlich aus und legte letztendlich sogar auf Druck des Regimes das Amt als Bürgermeister nieder. An dieser „Kulturschandtat“ wollte er nicht teilhaben. Dennoch versuchte er durch Auslandsreisen und Arbeit in der Innen- und Wirtschaftspolitik den Kurs der Diktatur zu verändern. Für ihn schien klar, dass der ideologische Expansionsdrang und die in seinen Augen verfehlte Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten in einem katastrophalen Krieg enden würden.

Als der Krieg begann, hatte sich Goerdeler bereits vollständig von den Nationalsozialisten abgewandt und führte im Geheimen den militärischen und zivilen Widerstand gegen die Diktatur, getragen von der Mitte der nationalkonservativen und liberalkonservativen Eliten aus Militär und Zivilgesellschaft. Als gelernter Jurist lehnte Goerdeler die Ermordung Hitlers streng ab und sprach sich dafür aus, dass man den „Führer“ für seine Verbrechen öffentlich und rechtsstaatlich verurteilen müsse. Die Anklage müsse zunächst erhoben und dann bewiesen werden. Sein ausgeprägter Sinn für Rechtsstaatlichkeit wurde jedoch nur von wenigen Menschen seiner Zeit geteilt. Einen eigenen fairen Prozess sollte Goerdeler selbst nicht erhalten, nachdem das Attentat durch die Stauffenberg-Gruppe vom 20. Juli bekannt und seine Verbindung und Verstrickung darin offengelegt worden waren.

Goerdelers Widerstand gegen die Nationalsozialisten war getragen von seinen tief empfundenen Moralvorstellungen und Werten, die er mit Deutschland verband. Rassismus, Massen- und Völkermord, Bildersturm und das Verbrennen von Wissen gehörten nicht in das Deutschland, das Goethe, Schiller und Humboldt hervorgebracht hatte. Die durch die Nationalsozialisten im Namen des deutschen Volkes begangenen Verbrechen empfand er als große Schande und grässliche Entehrung.

Es entsprach weder dem Preußen noch dem Deutschen, ein mordlustiger Schlächter zu sein, welcher Bücher im Feuer und Menschen in Öfen verbrannte. Goerdeler fürchtete die Dummheit und den Wahnsinn der linken und der rechten Extremisten gleichermaßen, wenngleich er sich vom Nationalgefühl der Nationalsozialisten zunächst hatte blenden lassen. Seinen Fehler erkannte er zwar früh, konnte aber dennoch das Blatt nicht mehr wenden. Er starb durch den Willen des sogenannten „Volksgerichtshofes“, der weder das Volk noch das Recht vertrat.

Goerdeler trat ein für ein Deutschland der Ehre, der Würde, der Kultur, des Wissens und der Tapferkeit. Eines, wofür sich künftige Generationen nicht zu schämen brauchen.

Bild: Bundesarchiv, Bild 146-1993-069-06 / CC-BY-SA


 



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