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Virtueller Kanzler Teil I

Virtueller Kanzler Teil I

 

Ein anderes Deutschland in einer anderen Dimension

Wir schreiben das Jahr 2015. Deutschland ist ein anderes Land in der Dimension X. Manche Ereignisse der Geschichte verliefen hier anders als bei uns und manche blieben gleich. Aber in der Dimension X sitzt ein anderer Kanzler an der Spitze des Staates. Merkel hat nie existiert.

Es ist ein heißer Juli Abend in Berlin. Die Sonne geht gerade unter und eine große Gruppe von Journalisten hat sich im Bundeskanzleramt versammelt. Die Regierungserklärung zur momentan laufenden Flüchtlingskrise steht an. Was wird Deutschland tun? Das ist die große Frage, die den Raum beherrscht. Schwitzende Reporter blicken gespannt auf das Rednerpult, dass noch immer leer steht. Wo bleibt er nur?

 

Im Büro des Kanzlers.
Ein Mann sitzt auf einem schwarzen Drehstuhl vor der Glasfassade seines Büros. Die Zigarette in der einen, das Telefon in der anderen Hand. Seine Stimme ist rau und ernst. Von hier aus kann man sein Gesicht nicht sehen, denn er hat ihnen den Rücken zugewandt. Er spricht ins Telefon. Sie wissen, dass er gerade mit seinen Ministern redet. Er schaltet auf Lautsprecher.

Kanzler: Und was haben die Umfragen ergeben? Und wie viele konnten befragt werden?
Innenminister: Die Ergebnisse sind eindeutig. Wir konnten fast 50% der Bevölkerung befragen und ein ziemlich klares Meinungsbild einfangen. Ich denke Sie wissen, wie ihr Volk tickt.
Kanzler: Aye, aye. Ich habe den Draht zu meinem Volk ja auch noch nicht verloren Innenminister. Dann handeln Sie jetzt wie folgt: Ziehen Sie alle verfügbaren Kräfte der Bundespolizei an den Landesgrenzen zusammen und lassen Sie die Landespolizei helfen. Geben Sie mir den Verteidigungsminister.
Innenminister: Ja Herr Kanzler. Sofort.
Ein Piepen erklingt. Dann ein Knacken. Der Verteidigungsminister hebt ab.
Kanzler: Verteidigungsminister? Halten Sie die Bundeswehr auf Abrufbereitschaft und verfolgen Sie die jetzt anstehende Pressekonferenz.
Verteidigungsminister: Jawohl Herr Kanzler.
Der Kanzler legt auf, raucht zu Ende und drückt den Zigarettenstummel in seinen Aschenbecher. Festen Schrittes geht er zur Pressekonferenz. Im grellen Licht der Kameras und Fotoapparate und unter aufgeregtem Gemurmel, tritt er an das Rednerpult heran. Leider haben Sie selbst einen schlechten Platz erwischt und stehen direkt hinter einem fetten Bild-Reporter, sodass sie das Gesicht des Kanzlers nicht sehen können. Aber seine Stimme ist laut und klar.

Kanzler: Guten Abend – bitte setzen Sie sich. Es ist furchtbar warm hier und wir möchten anfangen. Hören Sie mit dem Gemurmel auf!
Der Saal schweigt. Ein Millionenpublikum wird zugeschaltet.
Kanzler: Deutsches Volk – Wie Sie alle wissen, wird Deutschland im Moment von einer Flüchtlingskatastrophe heimgesucht. Und ich sage bewusst Katastrophe, weil es in zweierlei Hinsicht eine Katastrophe ist. Zum einen ist es für die Flüchtlinge eine persönliche Katastrophe, die ihr Leben riskieren und ihre Heimat verlassen und zum Anderen ist die europäische Antwort auf diese Situation eine politische Katastrophe.
Der Kanzler wird etwas lauter.
Und um diesen Katastrophen Herr zu werden, habe ich im Einklang mit meiner Regierung beschlossen, folgende Maßnahmen zu ergreifen.
ERSTENS: Deutschland setzt das Schengen-Abkommen mit SOFORTIGER Wirkung aus. Die deutschen Grenzen werden wieder für die Dauer der Krise geschlossen. Die Bundespolizei und die Landespolizei werden fortan jeden Menschen-und Warenverkehr mit gewohnter Gründlichkeit kontrollieren.
ZWEITENS: Die Bundesregierung wird sich Morgen mit den führenden Regierungen der europäischen Länder zusammensetzen, um die Errichtung von „Auffanglagern“ für Flüchtlinge und Asylanten an den Grenzen Europas zu beschließen. Und ich sage ganz explizit GRENZEN EUROPAS, weil wir vorhaben in diesen Sammelstellen für Flüchtlinge festzustellen, wer überhaupt Anspruch auf Asyl hat und wer nicht. Zu diesem Zwecke wird die Bundeswehr im Verbund mit anderen europäischen Armeen daran arbeiten, den Grenzschutz Europas zu verstärken und gleichzeitig große Flüchtlingserstaufnahmestellen zu errichten, sofern das Parlament diese Mission bestätigt. In diesen Aufnahmestellen, wird es uns möglich sein, die Millionen von Menschen übersichtlich zu organisieren und ihnen zu helfen. Auch der Schutz Europas vor möglicher feindlicher Infiltration über den Asylweg, soll durch genauste Prüfung und militärische Kräfte gewährleistet werden.
Deutsches Volk – Wir werden den armen und gebeutelten Kriegsflüchtlingen dieser Welt helfen und das mit ganzer Kraft und ganzem Herz tun. Aber jene Wirtschaftsasylanten, die glauben bei uns das fette Leben für Lau zu kriegen, werden wir gnadenlos von deutschen Grenzen abweisen.
DRITTENS: Ich mache im Einklang mit meiner Regierung und mit dem Rückhalt der öffentlichen Meinung klar, dass Asyl nicht gleichbedeutend mit Siedlungsrecht und dem Recht auf die deutsche Staatsbürgerschaft ist. Allen bestätigten Asylanten, die ein begründetes Recht und damit Anspruch auf Asyl in Deutschland haben, werden dieses auch erhalten. Sie werden in betreuten Anstalten und echten Wohnungen leben können, lernen können und ein Einkommen erhalten. Aber wir machen deutlich, dass sobald die Umstände im Heimatland es erlauben, diese Menschen auch heimkehren müssen. Es ist selbstverständlich möglich, sich aus dem Asyl heraus für die Staatsbürgerschaft zu bewerben. Allerdings verweise ich hier auf den offiziellen Dienstweg – Unser Land hat ähnlich dem kanadischen Modell gewisse Grundforderungen an jeden Einwanderer und neuen Bürger, die erst erbracht werden müssen. Asyl ist keine Einwanderungsmöglichkeit durch die Hintertür. Ich unterstreiche dies nochmal. Asylanten in Deutschland haben keinen Vorteil beim Erlangen der Staatsbürgerschaft.

VIERTENS: Sofortmaßnahmen zur Versorgung der Flüchtlinge in diesen Auffanglagern werden ergriffen. Wir rufen das deutsche Volk dazu auf, freiwillig Lebensmittel und Kleidung zu spenden. Diese werden durch die Bundeswehr und Polizei, sowie durch die Post an die Notleidenden geliefert.
Eine weitere Sofortmaßnahme ist die Kontaktaufnahme mit Drittländern außerhalb Europas, welche die abgelehnten Asylanten gegen Vergütung aufnehmen würden. Die Deutsche Bundesregierung und die Erstaufnahmeländer treten zu diesem Zweck in diplomatische Verhandlungen mit sicheren Transitländern außerhalb der EU. Ich mache hier allen Anwesenden und dem deutschen Volk nochmal deutlich, dass Scheinasylanten ohne nachvollziehbare Staatsbürgerschaft, also jene die ihren Pass „verloren“ haben, aus Prinzip abgelehnt werden. Betrug durch Täuschung ist ein Ablehnungsgrund. Für diese Menschen gibt es daher zwei Möglichkeiten. Entweder wir finden eine neue Staatsbürgerschaft für sie oder sie verweilen für den Rest ihrer Tage an der Türschwelle.
FÜNFTENS: In baldiger Absprache mit den anderen Nationen Europas, wollen wir eine nachhaltige Wirtschaftsbeziehung mit den afrikanischen und orientalischen Ländern an den unmittelbaren Grenzen Europas aufbauen. Ziel ist es, den Strom der Flüchtlinge, ob Kriegsflüchtling oder Wirtschaftsflüchtling, an der Wurzel zu behandeln. Die Aufnahme von Flüchtlingen ist nur die Bekämpfung von Symptomen und kann daher keine dauerhafte Heilung bedeuten. Das Ziel der Regierung ist es daher, bessere Chancen und Perspektiven für die Menschen dieser Länder zu schaffen.

Meine Damen und Herren, deutsches Volk – Das sind die Fünf Maßnahmen ihrer gewählten Regierung. Ich als Kanzler möchte noch folgendes zum Abschluss sagen.
Das langfristige Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Flüchtlingsstrom zu beherrschen, ihn abebben zu lassen und den Menschen in Not zu helfen, ohne das eigene Volk zu belasten. Unserer Regierung ist klar, dass wir nicht allen notleidenden Menschen dieser Welt ohne Konsequenzen helfen können. Daher haben wir uns zu diesen Maßnahmen entschieden. Für jene Asylanten, die jedoch in Deutschland Anspruch auf Asyl haben und hier leben dürfen, müssen wir unsere Arme und unsere Herzen öffnen. Wir müssen helfen und dafür sorgen, dass sie sich bei uns sicher und willkommen fühlen. Denn sie sind hier Gäste. Wir sollten im christlichen Sinne unser Menschenmöglichstes für diese Leidenden tun und dabei helfen, den Schmerz zu lindern. Wir sollten sie dabei unterstützen, sich auf den Wiederaufbau ihrer zerstörten Heimatländer vorzubereiten. Währendessen sollten diese Gäste jedoch auf deutschem Boden und in der deutschen Gesellschaft mit Nächstenliebe behandelt werden. Und um Ihnen die Angst zu nehmen sage ich nochmal “Gäste” – denn Gäste gehen auch wieder.

Vielen Dank. Jetzt ihre Fragen bitte