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Al-Shabaab und der Dschihad in Afrika

Al-Shabaab und der Dschihad in Afrika

Schlagzeilen in Europa und Nordamerika machte Al-Shabaab mit dem Terrorangriff auf die Westgate Mall in Kenias Hauptstadt Nairobi. Mit Sturmgewehren, Granaten und Pistolen bewaffnet, stürmten mehrere Islamisten die Mall am Mittag des 21. Septembers, ermordeten 67 Menschen und verletzten über 150 weitere. Die Attentäter unterschieden bei ihren Opfern zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Wer das islamische Glaubensbekenntnis aufsagen konnte, bestimmte Suren kannte oder simpel arabische Schrift vorlesen konnte, wurde verschont. Wer kein Muslim war, wurde gnadenlos massakriert. Frauen, Kinder, Schwangere und Alte. Der Angriff auf Kenia und seine Bevölkerung ist von Al-Shabaab als Racheakt bezeichnet worden. Denn Kenias Militär engagiert sich innerhalb von AMISOM(African Union Mission to Somalia), für den gescheiterten Staat Somalia, dessen Regierung die benachbarten afrikanischen Staaten und die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten hatte. AMISOM ist ein Konglomerat aus verschiedenen afrikanischen Nationen, die sich bereit erklärt haben, in einer von der UN abgesegneten Friedensmission, für Stabilität und Sicherheit im gebeutelten Somalia zu sorgen. Die afrikanischen Nationen und das Land Somalia bekämpfen dort nicht nur die grassierende Armut und Korruption, sondern versuchen auch den Einfluss der militanten Gruppen einzudämmen. Kriminelle Clans und islamische Terrorgruppen haben in dem “Failed State” eine Zuflucht gefunden. Die AMISOM ist bisher sogar von mäßigem Erfolg. Ein weiterer Zerfall des Landes ist verlangsamt, wenn nicht sogar gestoppt und der beständige interne Zwist zwischen den verschiedenen militanten Gruppen hat diese maßgeblich geschwächt, sodass die Zentralregierung mithilfe der Helfernationen wieder Kontrolle über das eigene Staatsgebiet gewonnen hat. Zumindest teilweise. Al-Shabaabs Anführer Moktar Abu Zubair wurde bei einem amerikanischen Drohnenangriff 2014 getötet. Seine Terrororganisation hat sich tiefer in das somalische Hinterland zurückgezogen. Statt jedoch geschlagen zu sein, verlagert die Organisation ihren Fokus zunehmend auf das Nachbarland Kenia. Sie ist nicht stark genug, um es mit den vereinten afrikanischen Streitkräften aufzunehmen und sucht sich sogenannte “weiche” Ziele unter den Zivilisten der kenianischen Großstädte.

 

Organisation und Mission

 

Wie mit allen Milizen ist es schwer die genaue Anzahl von Kämpfern zu ermitteln. Sicherheitsexperten gehen jedoch davon aus, dass die Gruppe momentan nicht viel mehr als 5000-7000 Mann auf sich vereinen kann. Durch Zwangsrekrutierung von Jugendlichen und Kindern, wie das dort üblich ist, könnte die Zahl jedoch unter Umständen stark schwanken. Sicher ist, dass sich die meisten ethnischen Somalier als Fußvolk und Kanonenfutter in den unteren Rängen wiederfinden, während das Führungskader und kleinere Kommandeure häufig Ausländer sind. Araber aus ganz Nordafrika und von der arabischen Halbinsel finden sich dort genauso wie europäische und amerikanische Muslime. Die besondere Nähe von Al-Shabaab zu Al Kaida zeigt sich in ihrer hohen ideologischen Festigkeit, einem strengen Wahhabismus, der viele Anhänger auf der gesamten Welt rekrutieren kann. Die US-Homeland Security und der britische MI-5 haben bestätigt, dass eine erhebliche Anzahl britischer und amerikanischer Staatsbürger für die Terrorgruppe kämpft und sie teils über Jahre aus dem Westen heraus unterstützt hat. Geld und Waffen fließen durch Somalia, dessen Behörden nur wenig Kontrolle über den Schmuggel haben, in die Hände von Al-Shabaab. Vor allem Eritrea und die Golfstaaten scheinen laut den Vereinten Nationen eine Rolle bei der Finanzierung der Islamisten zu spielen.

Dabei begreift sich die Gruppe laut eigener Aussage auf einer heiligen Mission zur Eroberung des schwarzen Kontinents. Das Massaker von Westgate, die Bombenanschläge, die Enthauptungen und massenhaften Vergewaltigungen und ethnischen Säuberungen, welcher sich die Gruppe schuldig gemacht hat, sind Teil eines größeren Plans. Die Destabilisierung der fragilen afrikanischen Nationen von Somalia und seinen Nachbarn. Aus der Asche der gescheiterten Staaten, so die Vorstellung der Wahhabiten, sollen neue islamische Gottesstaaten entstehen. Nach Möglichkeit nur ein einziger Staat, der vom afrikanischen Südosten bis zu den Golfstaaten reicht.

Methodik

Die Wortführer der Terrorgruppe erachten auch das Massaker der Universität von Garissa als Etappensieg auf dem Weg zum Gottesstaat. Dort ist nach gleicher Art wie in Westgate verfahren worden. Bewaffnete Islamisten stürmten den Campus, erschossen gezielt alle Nicht-Muslime und verschonten jene, die in ihren Augen verschonenswert waren. Wer nicht beweisen konnte Muslim zu sein, wurde gnadenlos niedergemacht. Für die multiethnische und multikonfessionelle Nation von Kenia ist dies ein furchtbarer Schlag. Über 150 Menschen, mehrheitlich Christen und junge Studenten starben bei dem Angriff. Die Strategie der Islamisten ist eindeutig. Durch die öffentliche Verschonung von Muslimen, implizieren sie eine heimliche Komplizenschaft der anwesenden Muslime mit den Terroristen. Zumindest die öffentliche Wahrnehmung vieler Nicht-Muslime interpretiert das Überleben als Beweis für die vermeintliche Schuld. Schon jetzt besteht eine tiefe Kluft zwischen der muslimischen Minderheit der Küstenregion, die sich zunehmend ausgegrenzt fühlt und durch schnelle Radikalisierung selbst ausgrenzt,   und den Christen des Inlandes. Die Prediger der Salafia und des Wahhabismus finden bei den muslimischen Gemeinden immer größere Anhängerschaften. Die Botschaft dieser Wortführer besteht aus simplen Bausteinen. Mehr soziale Vorteile für die Muslime, mehr Land und Wohlstand für die willigen Gotteskrieger und einen glorreichen Tod für Allah, der mit dem Paradies belohnt wird.

In Europa ist man von einem Terroranschlag im Jahr schockiert. Aber in Kenia und Somalia sind die Attacken wöchentliche Routine geworden. Dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in Kenia, dass auf internationale Unterstützung hofft, könnte das Chaos für die ganze Region folgen. Für die Schiiten und Sufi von Kenia und Somalia ist auch klar, dass ihre sunnitischen Glaubensvettern keinen Platz für vermeintliche Ketzer in einem Gottesstaat machen werden. Schiitische Moscheen und Sufi-Gemeinden sind genauso Opfer geworden, wie christliche Kirchen und Schwulenbars.